Mehrheit gegen Polit-Postings von ORF-Journalisten

Umfrage zeigt

Mehrheit gegen Polit-Postings von ORF-Journalisten

Eine aktuelle Publikumsumfrage zum Vertrauen in die ORF-Information ist am Donnerstag im ORF-Publikumsrat präsentiert worden. Dass nicht nur die generellen Vertrauenswerte abgefragt wurden, sondern auch die Einstellung dazu je nach politischer Positionierung, sorgte in Zeiten, in denen die ÖVP-FPÖ-Regierung an einem neuen ORF-Gesetz bastelt, für Gesprächsstoff.

Das SORA-Institut befragte im Oktober und November 2018 rund 1.000 Personen. Als zentrale Ergebnisse fasst die Studie zusammen: Die ORF-Angebote genießen das höchste Vertrauen unter den heimischen Informationsanbietern. Das Publikum erwartet sich, dass Nachrichten aktuell sind, objektiv und sachlich sowie Missstände aufdecken. Glaubwürdige Berichterstattung müsse auch zuverlässige Quellen verwenden und mehrere Standpunkte betrachten.

Was die Erfüllung dieser Anforderungen durch den ORF betrifft, fanden 57 Prozent der Befragten jedenfalls, dass im ORF "verschiedene politische Parteien zu Wort" kommen (Summe der Antworten "trifft sehr zu" oder "trifft zu"), 53 Prozent, dass die Berichterstattung "objektiv und sachlich" ist und 48 Prozent, dass "zuverlässige Quellen verwendet und alle Fakten überprüft" werden.
 

53 Prozent: ORF-Journalisten dürfen keine politische Meinung auf Social Media äußern

Auch die Themensetzung des ORF wurde abgefragt. Auffällig dabei: Die Themen Flüchtlinge/Asyl sind für 44 Prozent der Umfrageteilnehmer zu stark vertreten, gefolgt von Migration/Integration. Mehr Berichterstattung erwünscht wird über Armut/Soziales, Technologie/Innovation oder Wissenschaft und Forschung. ORF-Journalisten sollten auf Social Media keine "persönliche Meinung zu Themen der österreichischen Politik äußern", diese Aussagen unterstrichen 53 Prozent.

Der Detailblick auf die Antworten je nach politischer Einstellung ergab, dass rechts Orientierte (zehn Prozent der Befragten deklarierten sich als solche) den ORF-Informationsangeboten etwas weniger vertrauten als Vertreter des Mittespektrums oder dezidiert Linke. Wobei dies nicht alle ORF-Sender in gleichem Maße betraf, die Radios etwa schnitten durchaus gut ab.

Der bürgerliche Publikumsrat Andreas Kratschmar, der dem Gremium die Studie präsentierte, sah "Handlungsbedarf" bzw. "weiteren Analyse- und Forschungsbedarf" zu dieser "Vertrauenskluft". "Das sind Unterschiede, die es bei anderen Medien nicht gibt." SORA habe mehrere Hypothesen angeboten, etwa den generell polarisierten öffentlichen Diskurs über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die grundsätzlichen Einstellungen zu öffentlichen Institutionen. "Es liegt auch die These nahe, dass links Verortete sich im ORF besser wiederfinden", meinte Kratschmar.

Er monierte zudem, dass nicht alle Befragten ihre Erwartungen an die ORF-Information erfüllt sähen, was etwa Objektivität oder Themenwahl angehe. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution wurde die ORF-Geschäftsführung aufgefordert, auf den "Handlungsbedarf" mit "geeigneten Maßnahmen" zu reagieren und dem Publikumsrat in Hinkunft darüber zu berichten.
 

Wrabetz: ORF ist in der Mitte

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz sah in der Studie illustriert: "Insgesamt ist der Ort des ORF in der Mitte." Dies sei durchaus ein "schwieriger" Platz, "weil man dann von beiden Seiten in Frage gestellt werden kann". Er entnahm den Ergebnissen auch, dass "wir im Bereich der formal weniger gebildeten Milieus mittleren Alters ein Thema haben". Das geringere Vertrauen von rechts Orientierten ist seiner Ansicht nach auch "das Ergebnis eines sehr professionellen Framings". Gerade diese Zielgruppe sei verstärkt auf den Sozialen Medien unterwegs und werde dort von zahlreichen "sehr professionellen" Akteuren mit Inhalten konfrontiert, die "täglich nichts anderes zu tun haben, als den ORF madig zu machen".

"Interessant" fand Wrabetz auch, dass beim Thema Asyl sowohl Linke als auch Rechte einen zu starken Fokus konstatierten. Für den ORF gelte: "Auch, wenn einem das Publikum nicht zu 100 Prozent recht gibt, muss es unsere Aufgabe sein, sich der Wahrheit anzunähern und nicht darauf zu schielen, gefällt es den Linkeren oder den Rechteren besser."
 

Kritik an Dinghofer-Dokumentation

Publikumsrat und ÖGB-Vertreter Willi Mernyi beschwerte sich in Sachen links/rechts noch über eine ORF-Dokumentation im Rahmen der Serie "Baumeister der Republik" über Franz Dinghofer als "Verkünder" der Ersten Republik. Dass die Produktion nicht erwähnt habe, dass der Obmann der Großdeutschen Volkspartei NSDAP-Mitglied war, erzürnte Mernyi. Sei dies ein "Kniefall vor der FPÖ" gewesen, fragte er.

Dazu Wrabetz: Man habe in der "Baumeister"-Reihe insgesamt 49 Persönlichkeiten porträtiert, "im Wesentlichen" aus dem sozialdemokratischen oder christlich-sozialen Lager. Da sei es "legitim", sich auch der Geschichte eines Vertreters des Dritten Lagers anzunehmen, das sei nicht "irgendeiner politischen Ausrichtung geschuldet". In der Dokumentation seien außerdem "kritische Fragen" wie Antisemitismus angesprochen und "nichts bewusst ausgeblendet" worden.

 

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