Modus Operandi wie bei Ibiza-Video

Dieselben Hintermänner?

Modus Operandi wie bei Ibiza-Video

Die aktuellen Ereignisse rund um Spesen-Vorwürfe gegen den Ex-FPÖ-Chef HC Strache erinnern an die Vorgehensweise der Ibiza-Video-Hintermänner.

Während die Verbreiter des Ibiza-Videos von der „Süddeutschen Zeitung“ ziemlich wenig Fragen zu den Produzenten des von ihnen nur in Ausschnitten verwendeten Videomaterials stellten, stoßen österreichische Investigativjournalisten jetzt auf immer mehr hochinteressante Fakten zu dieser Causa: Wie oe24 bereits berichtete, belegen Monatsberichte eines Unternehmens, das in den Dreh des Ibiza-Videos verwickelt sein soll, dass jahrelang mit verschiedenen Abteilungen des Innenministeriums zusammengearbeitet worden ist – in einer Zeit, in der dieses Ministerium von bekannten ÖVP-Politikern geführt worden ist. Für das Unternehmen arbeiteten 13 (!) strafrechtlich verurteilte Personen und zwei Offiziere des Heeres-Nachrichtenamtes. Die Firma kooperierte auch jahrelang mit Abteilungen des ÖVP-geführten Innenministeriums. 

Die erste Überraschung dabei: Die Verbindungen der Ibiza-Video-Organisatoren zu staatlichen Nachrichtendiensten war noch enger als bisher vermutet. So tauchen auch zwei Namen von hochrangigen Offizieren des Nachrichtenamtes des Bundesheeres auf – jenes Geheimdienstes der Armee, der für die strategische Auslandsaufklärung zuständig ist. Einer der beiden erwähnten Militärs war sogar Brigadier und soll laut Firmen-Papier „in leitender Funktion“ beim Heeres-Nachrichtenamt tätig gewesen sein. Ebenso interessant in diesem Organigramm der GmbH: Sowohl ein hochprominenter Wiener wie auch die Söhne eines bekannten ORF-Stars werden darin mit ihren Funktionen gelistet.

„Die kriminelle Energie dieses Ibiza-Netzwerkes spricht für sich“, kritisiert der Investigativ-Journalist Alexander Surowiec, dass offizielle Stellen mit diesem Unternehmen zusammenarbeiteten. Und was nun auch dieses Organigramm beweist: Mit der Einbindung gewisser Promis sowie des bekannten Wiener Rechtsanwalts, der die Auftragsvergabe für das Video bereits gestanden hat, wollte man sich offenbar einen gewissen seriösen Anstrich geben.

Spannend bleibt, ob eine Einbindung von staatlichen Strukturen der Republik bei der Organisation, bei der Produktion und der Finanzierung des Ibiza-Videos beweisbar sein werden.
 

Verdächtige hatten Kontakt zur österreichischen Polizei

Er schnappte den Saliera-Dieb und Dutzende Mörder, er ist ein Sir: Ministerialrat Dr. Ernst Geiger (65) kann sich nicht erklären, warum sein Name im Organigramm der Firma der Ibiza-Video-Produzenten auftaucht. Der als SPÖ-nahe geltende Ex-Chef der Abteilung 3 im Bundeskriminalamt (Ermittlungen, organisierte und allg. Kriminalität) sei laut dem vertraulichen Papier für „bilaterale Verbindungen/Europa“ zuständig

Auch Rechtsanwalt M. im
 Organigramm der Firma

Video-Falle. „Keine Ahnung, warum mein Name dort zu finden ist. Ich habe einen der beiden von ihnen genannten Detektive aber zweimal getroffen“, sagt Ernst Geiger, der vor zwei Jahren in Pension ging, im Gespräch mit ÖSTERREICH.

Damit ist eine politisch brisante Verbindung zur Polizeispitze bestätigt: Der Privatdetektiv ist immerhin der langjährige Geschäftspartner des mutmaßlichen Regisseurs der Video-Falle für Strache und Gudenus.

Und: Im Organigramm findet sich auch der Name des Wiener Anwalts M., der gestanden hat, die Videoproduktion bestellt zu haben.

Es soll aber nicht nur zu diesen zwei Treffen gekommen sein, meint ein Zeuge gegenüber der Rechercheplattform „Fass ohne Boden“: Dr. Geiger hätte sich angeblich sieben Mal mit Mitgliedern der mutmaßlich kriminell agierenden Firma getroffen. Etwa auch mit K., bei dem bereits eine Hausdurchsuchung der Soko Ibiza stattgefunden hat. K. war von 1990 bis 1999 leitender Offizier einer Spezialeinheit der jugoslawischen Armee.

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"Söldner für die Kripo, 
ähnlich 'Blackwater …'"

Erwiesen ist, dass die Gesprächspartner von Ministerialrat Geiger keine harmlosen Kaufhausdetektive waren: Wie berichtet, haben 13 Firmenmitglieder Vorstrafen (Drogenhandel inklusive). Alexander Surowiec, Journalist von „Fass ohne Boden“, sagt: „Die Typen platzierten Peilsender, erledigten illegal Observationen, brachen in Häuser von Verdächtigen ein.“ Bezahlt hätten die Firmen, die von der Aufklärung dieser Fälle profitiert hätten. Surowiec: „Das erinnert an die Methode ,Blackwater‘ …“

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