EU-Wahl: Parteien rüsten auf

Nach SP-Coup

EU-Wahl: Parteien rüsten auf

Mit „ZiB“-Star Freund gelang der SPÖ ein Coup. ÖVP bringt Ex-Ministerin Karl.

Die Karten sind neu gemischt, jetzt kommt Farbe in den EU-Wahlkampf: Kaum bestätigte Ex-ZiB-Star Eugen Freund (62) in ÖSTERREICH, dass er für die SPÖ als Nummer eins in die EU-Wahl (25. Mai) gehen wird, wurden in der ÖVP schwere Geschütze aufgefahren: „In Europa brauchen wir einen Gestalter, keinen Moderator“, so ÖVP-General Gernot Blümel.

Ähnlich scharf Othmar Karas, ÖVP-Delegationsleiter: „Ich sehe Eugen Freund als Neuling in der Politik ohne Erfahrung“, sagte er am Dienstag in Straßburg. Gleichzeitig betonte er: „Unser Ziel ist, Erster zu werden. Unsere Kompetenz und Bilanz sind die beste Visitenkarte dafür.“

ÖVP übt scharfe Kritik an ORF-Pensionisten Freund
Frauenquote. Karas und die ÖVP lagen bisher in den Umfragen zur EU-Wahl vorne. Mit Freund steigt aber ein unberechenbarer Gegner in den Ring: Er ist bekannt, gilt als kompetent. Der Journalist hat 40 Jahre innen- und außenpolitische Erfahrung, seine Weste ist blütenweiß. Auch hat er bei seinem Abgang aus dem ORF keinen „Golden Hand­shake“ bekommen (siehe Interview): „Ich habe keine Pension beantragt“ klärt er in ÖSTERREICH auf.

Als wirksamste Waffe gegen den Ex-ORF-Star wird die ÖVP nun Ex-Justizministerin Beatrix Karl ins Rennen schicken. Daniel Köster, Sprecher von ÖVP-Kandidat Karas, zur Causa Karl: „Die steirische ÖVP fordert das vehement.“ Graz beharrt darauf, dass Karl an wählbarer Stelle aufgestellt wird. Derzeit hat die ÖVP sechs Sitze im EU-Parlament. Hubert Pirker (Kärnten) und Richard Seeber (Tirol) treten aber nicht mehr an. Karas muss die beiden Sitze mit Frauen nachbesetzen, schließlich hat er selbst eine 50-prozentige Frauenquote in seinem Team gefordert. Einer der Plätze ist wohl fix für Karl reserviert.

Männertruppe. Klar die Rangordnung bei der FPÖ: Die Doppelspitze besteht aus Andreas Mölzer und Harald Vilimsky. FPÖ-Paradeunternehmerin Barbara Kappel wurde auf Platz fünf gereiht, ein Kampfmandat.

SPÖ-EU-Kandidat Eugen Freund: "Ich habe nicht um Pension angesucht"

ÖSTERREICH: Das ging rasch – raus aus dem ORF, rein in die Europapolitik …
Eugen Freund: Das kann man so sehen, ich bin von Kanzler Werner Faymann erst am 7. Jänner gefragt worden, nach meinem Austritt aus dem ORF.

ÖSTERREICH: Gab es zum ORF-Abschied noch den berühmten „Golden Handshake“?
Freund: Nein, ich habe keinen Golden Hand­shake genommen oder angeboten bekommen. Diesen hätte es in meinem Fall nur gegeben, wäre ich bereits vor zwei Jahren in Pension gegangen. Das habe ich aber damals nicht gewollt.

ÖSTERREICH: Wird es in Zukunft Doppelbezüge geben – Pension und Politikergehalt?
Freund: Eigentlich stünde mir nach meinen Dienstjahren eine normale Pension zu, eine sogenannte Korridorpension. Ich habe aber um keine Pension angesucht, auch wollte ich mich nach meinem Ausscheiden aus dem ORF (Jahreswechsel) nicht festlegen, es gab auch andere Angebote. Ich wollte einfach abwarten, schauen, was noch passiert – die richtige Entscheidung.

Karl Wendl

Politik-Experte Hofer: "Mit unbekanntem Kandidaten hätte SPÖ Platz drei gedroht"

ÖSTERREICH: Ist das Rennen für die EU-Wahl durch die Kandidatur von Eugen Freund wieder völlig offen?
Thomas Hofer: Aufmerksamkeit ist allein durch den Bekanntheitsgrad Freunds gegeben. Mit einem weitgehend unbekannten Kandidaten hätte der SPÖ tatsächlich Platz 3 gedroht. Die Chancen, in einen Kampf mit ÖVP und FPÖ einzutreten, sind jetzt natürlich ungleich höher.

ÖSTERREICH: Hat die SPÖ Chancen auf Platz eins?
Hofer: Vorne liegt, wer mehr seiner Anhänger zu den Urnen bekommt. Bei einer Wahlbeteiligung von rund 50 Prozent können da natürlich Faktoren wie der Spitzenkandidat mit den Ausschlag geben.

ÖSTERREICH: Muss ÖVP-Chef Spindelegger gehen, wenn seine Partei verliert?
Hofer: Für Spindelegger ist es tatsächlich eine zentrale Frage, ob die ÖVP Platz eins halten kann. Gelingt das nicht, unterminiert das seine Position weiter.

(kali)

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