Kanzler-Sohn von

Niko Kern: "Die tappen im Dunkeln"

Kanzler-Sohn von "Soko Ibiza" befragt

Der Politkrimi um den Dreh und Verkauf des Ibiza-Videos: Jetzt erfuhr ÖSTERREICH von einem weiteren Prominenten, der von der Sonderkommission der Kripo einvernommen worden ist - der Sohn des Ex-SPÖ-Kanzlers.

"Ja, die haben mich jetzt auch befragt. Mein Name wird in diesem Land ja mittlerweile auch genannt, wenn ein E-Scooter umfällt", bestätigt Niko Kern im Gespräch mit ÖSTERREICH seinen aktuellen Termin bei der "Soko Tape", die generell als "Soko Ibiza" bekannt ist. Diese Sonderkommission des Bundeskriminalamts zur Aufklärung des Politthrillers hat dem Sohn von Ex-Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) ziemlich viele Fragen gestellt: "Ich hatte den Eindruck, dass die Beamten im Dunkeln tappen, so viele verschiedene Sachen haben mich die gefragt."

Zeuge für die Vorgänge in SPÖ-Sektion?

Für die Kripo spielt der Kanzler-Sohn offenbar eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Fall, er könnte ein wichtiger Zeuge sein: Niko Kern war immerhin jahrelang bei der "Sektion ohne Namen" der SPÖ engagiert, aus deren Team bereits vier Personen verhört worden sind. So hatten der frühere Chef der Sektion einen Termin bei der Soko, dazu ein weiteres Ex-Mitglied der SPÖ-Gruppe und auch zwei Parteimitglieder, die in einem Wettbüro auf das Ende der türkis-blauen Koalition Mitte Mai gewettet haben.

Worum es bei der Einvernahme von Kern auch gegangen sein soll: Eine sehr gute Bekannte von Niko Kern war auch mit jenem Tatverdächtigen liiert, der mutmaßlich die ÖVP-E-Mails von Parteichef Sebastian Kurz und Gernot Blümel gefälscht haben soll. Die junge Frau wurde bereits im Sommer fünf Stunden lang von der Soko Ibiza einvernommen und war zuvor längere Zeit mit Niko Kern im Ausland.

"Dass ich einvernommen werde, war ohnehin klar. Das hat mich nicht überrascht", meint Niko Kern gegenüber ÖSTERREICH. Allerdings ist es in Österreich bisher noch nie vorgekommen, dass eine Kripo-Einheit einen Familienangehörigen eines früheren Bundeskanzlers zu einem Kriminalfall befragt, in dem es auch um Erpressung, Nötigung, Täuschung, Drogenbesitz und Urkundenfälschung gehen könnte. Diese Straftatbestände finden sich in der Sachverhaltsdarstellung eines Rechtsanwalts, die nun zu den Verhaftungen der drei möglichen Mittäter im Ibiza-Krimi geführt haben.

 

Drei mutmaßliche Ibiza-Mittäter in U-Haft

Vorerst unklar ist derzeit noch, wer schlussendlich die Bezahlung der Veröffentlichung des Ibiza-Videos übernommen hat. Die operative Ebene, also jene Tätergruppe, die alles plante, ist der Kripo allerdings ziemlich gut bekannt: Nach Insider-Informationen ist diese Personengruppe eine wilde Mischung aus Kriminellen, Kripo-Spitzeln, Anwälten und Glamour-Ladys in Wien und Salzburg.

© TZOe

Clubbings, schöne Frauen und Treffen in Hotelsuiten. Die bis zu zwölf Tatverdächtigen lebten nicht übel: Dinner in den teuersten Wiener City-Restaurants, Partys, Geheimtreffen in Hotel-Suiten mit Champagner und mehr. Als Köpfe dieses Ibiza-Freundeskreises gelten Detektiv H. und der Wiener Anwalt M.
H. hat eine Sicherheitsfirma, auf dem geleakten Firmen-Organigramm finden sich hochinteressante Namen, wie auch jener des Anwalts M. Der Wiener Jurist wiederum hat schon gestanden, an der Produktion des Videos beteiligt gewesen zu sein, bei einer Hausdurch­suchung fand man bei ihm auch Kokain.

TV-Starlet hörte viel von türkis-blauer Koalition

Seine Langzeit-Lebensgefährtin war die Krone-TV-Moderatorin W., erst kürzlich hat sie im Telefonat mit ÖSTERREICH gestanden, dass sie Anwalt M. noch immer treffe. Über ihren Krone-Job kam sie ab 2017 mit Interviews ganz nah an Österreichs Politprominenz wie Heinz-Christian Strache oder Kanzler Sebastian Kurz. Und W. hörte dabei auch viel von vertraulichen Projekten der Koalition, etwa vom damals geplanten Umbau im ORF, inklusive Postenneubesetzungen.

Mutmaßlicher Ibiza-Mittäter jobbte für die Kripo

Unter den drei mutmaßlichen Tatverdächtigen, die jetzt in Untersuchungshaft sitzen, sind zwei mutmaßliche Kollegen oder Mitarbeiter von Detektiv H. Sie sollen angeblich auch als Kripo-Spitzel tätig sein und dürften bei großen Drogen-Deals als V-Leute im Einsatz gewesen sein.

Dass der V-Mann auch Kontakte zum Nachrichtendienst BVT gehabt hat, wird noch überprüft und ist noch nicht bestätigt.

R., die schöne Ex-Freundin des Detektivs H., sitzt ebenfalls in einer Zelle und wird von der Soko weiter verhört. R. soll in die Ibiza-Pläne eingeweiht gewesen sein.

Bringen neue Aussagen vier weitere Festnahmen?

Sie könnte mit ihrer Zeugenaussage jetzt Anwalt M. sowie die Immobilienmaklerin M. belasten: Die Luxus-Immobilien-Dealerin M. versprach FPÖ-Politiker Johann Gudenus einen Grundstücks-Kauf, bei dem er den späteren Lockvogel, die falsche „Oligarchin“, kennengelernt hat.

Wie der Wiener Anwalt M. und die Party-Lady M. sollten sich nun auch Detektiv H. und Straches Ex-Sicherheitschef R. Sorgen machen: Der Bodyguard hat bekanntlich die „Chefs“ der Gruppe stets mit Infos beliefert. Packt einer der nun verhafteten Komplizen aus, fällt der Vorhang auch für dieses Täter-Quartett.

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.     

Richard Schmitt     

»Soko Ibiza« verhörte auch NEOS-Förderer

ÖSTERREICH hat eine Liste jener Personen, die bisher einvernommen worden sind. Auch ein NEOS-Sponsor ist darunter.

Wien. Er ist eine schillernde Figur in der österreichischen Innenpolitik, war Präsidiumssprecher einer Partei, aktuell ist er Geschäftsführer jenes Wiener Verlags, der das Monatsmagazin "Datum" herausbringt: Z. hatte stets gute Kontakte zum NEOS-Mäzen Hans Peter Haselsteiner, und er spendete auch selbst über die Firma AZH Beteiligungs GmbH gerne größere Summen, etwa im Jahr 2015 immerhin 45.051 Euro. Die AZH führt Z. gemeinsam mit dem früheren Generalsekretär des Liberalen Forums, A. Im Jahr 2017 flossen weitere 51.000 € von der AZH an die NEOS (Quelle: Parteispenden.at/partei/neos).

Zeuge. Jetzt kommt Z. auch in den Akten der „Soko Tape“ vor, österreichweit als „Soko Ibiza“ bekannt: In der Anordnung zur Festnahme jener drei mutmaßlichen Ibiza-Mittäter, die nun bereits in Untersuchungshaft sitzen, wird die Einvernahme von Z. als Zeuge bestätigt. „Offenbar nehmen die Ermittler an, dass er mehr über die Verkäufer oder Produzenten des Ibiza-Videos weiß“, erfuhr ÖSTERREICH aus Kripo-Kreisen.

So kursiert in Wien auch die Meldung, dass die Ibiza-­Tätergruppe Verlags-Chef Z. das Video zum Kauf angeboten und bereits Monate vor der Veröffentlichung gezeigt ­hätte. Z. hätte aber abgelehnt. Die betroffenen zwei FPÖ-Politiker hat er aber nicht vor der Aktion gewarnt. Und ob der Ex-LIF-Politiker die Exekutive oder die Justiz darüber informiert hat, was gegen Strache und Gudenus vorbereitet wird, konnte ÖSTERREICH nicht erfragen: Z. war telefonisch nicht erreichbar.

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