Pilz lässt Hahns Doktorarbeit prüfen

Plagiatsvorwurf

Pilz lässt Hahns Doktorarbeit prüfen

Der Grüne Abgeordnete beauftragt erneut den Plagiatsjäger Stefan Weber.

Angesichts der Plagiatsvorwürfe gegen den deutschen Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg wird nun auch die Dissertation des derzeitigen österreichischen EU-Kommissars Johannes Hahn (V) neuerlich überprüft. Der Grüne Abgeordnete Peter Pilz hat den als "Plagiatsjäger" bekannt gewordene Medienwissenschafter Stefan Weber beauftragt, sich die Doktorarbeit Hahns nochmals auf möglicherweise abgeschriebene Textpassagen anzuschauen.

Jede Zeile
Er habe mit Weber vertraglich vereinbart, jede Zeile der Dissertation auf mögliche inhaltliche Plagiate zu überprüfen, teilte Pilz mit. Weber solle sowohl eine umfassende Text- als auch eine Quellenanalyse vornehmen. Bis Mitte April sollen erste Ergebnisse vorliegen. Pilz zahlt Weber dafür ein "marktübliches Honorar".

"Unser Guttenberg"
Pilz hält es für durchaus möglich, "dass Hahn unser Guttenberg sein könnte". Der Grüne Abgeordnete verweist darauf, dass Weber sich die Dissertation Hahns bereits im Jahr 2002 stichprobenartig angesehen hat. Schon damals habe er Hinweise auf mögliche Plagiate gefunden, das seien "starke Indizien". Nun gebe es neue technische Möglichkeiten, um dies besser untersuchen zu können.

Politische Konsequenzen
Nach Ansicht von Pilz sollte Hahn nun selbst entscheiden, ob er während der laufenden Prüfung seinen Titel ruhen lässt. Sollte sich dann der Vorwurf gegen Hahn bestätigen, müsste ihm der Titel aberkannt werden. In diesem Fall sähe Pilz auch politische Konsequenzen vorprogrammiert. Jemand, der der Fälschung überführt werde, "kann kein hohes politisches Amt ausüben".

Hahn hatte 1987 seine Dissertation zum Thema "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt" an der Universität Wien eingereicht. Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt als Wissenschaftsminister 2007 hatte ihm Weber vorgeworfen, dabei "absolut schlampig gearbeitet" und "seitenweise abgeschrieben" zu haben. Die Uni Wien ging den Vorwürfen nach, verzichtete letztendlich aber auf die Einleitung eines Plagiatprüfungsverfahrens, weil Hahn nie fremdes geistiges Eigentum als sein eigenes ausgegeben habe.

Während Guttenberg 2006 über weite Strecken eine leicht nachweisbare "Internet-Collage" vorgelegt habe, konnte Hahn dies 1987 mangels technischer Möglichkeiten nicht machen. Er, Weber, werde also aufwendig Bücher gegen die Arbeit Hahns "gegenlesen". 2007 hatte er sich schon drei Bücher besorgt, darunter eines von Leopold Kohr, auf dessen Ausführungen sich Hahn stark gestützt habe. Der damalige Wissenschaftsminister verteidigte sich unter anderem damit, schon im Vorwort zur Dissertation wiederholt auf Kohr hingewiesen zu haben.

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