Spindelegger:

So tickt der neue ÖVP-Chef

Spindelegger: "Ich bin keine graue Maus"

Seit knapp 100 Stunden hat Michael Spindelegger den härtesten Politjob des Landes: VP-Chef, Vizekanzler und Außenminister. Er ist der Hoffnungsträger der krisengeschüttelten Partei, die in Umfragen nur mehr am dritten Rang (21 Prozent) rangiert.

Um diesen Kraftakt zu vollbringen, arbeitet Spindelegger 18 Stunden pro Tag. Kommt erst kurz vor Mitternacht nach Hause. „Früher konnte ich, wenn ich nach Hause kam, abschalten. Jetzt beschäftigt mich die Politik Tag und Nacht“, erzählt Spindelegger im ÖSTERREICH-Interview.

Wenig Zeit für Familie
Für die Familie – Spindelegger ist Vater von zwei Söhnen, Matthias (11) und Patrick (8) – heißt es ab sofort: Ab aufs Abstellgleis.

Das erste Opfer musste bereits erbracht werden – der gemeinsame Osterurlaub. Nichts wird aus dem Radlurlaub. Der Palmsonntag wird im Einfamilienhaus in Mödling gefeiert. Dann gehen die Verhandlungen schon wieder weiter. Wahrscheinlich noch vor dem Osterwochenende wird Spindelegger sein neues Team präsentieren.

Und auch Spindeleggers Söhne werden auf ihren Papa in Zukunft öfters verzichten müssen. „Beide spielen Fußball beim Fußballklub in der Hinterbrühl. Ich bin oft bei den Matches dabei“, erzählt Spindelegger stolz.

Trotz der Entbehrungen steht die Familie voll hinter ihm. „Meine Frau hat eingesehen, dass das jetzt ein wichtiger Moment für die Partei ist“, so der neue Vizekanzler.

Das private Interview: "Meine Frau ist bei uns die Strenge..."

ÖSTERREICH: Herr Minister Spindelegger, Ihr erstes Wochenende als ÖVP-Chef. Haben Sie sich mit dieser Entscheidung Ihren Osterurlaub verdorben?
Michael Spindelegger: Verdorben nicht, ich habe den Urlaub nur auf das nächste Jahr verschoben (lacht). Wir wollten Radfahren gehen. Der Familie war die kurzfristige Absage zwar nicht recht, aber sie tragen die Entscheidung mit.

ÖSTERREICH: Welche Auflagen haben Sie von zu Hause bekommen, bevor Sie den Job annahmen?
Spindelegger: Ich bemühe mich, alles, was ich von meiner Familie bekomme, auch zurückzugeben. Dafür stehe ich jeden Tag in der Früh um 6 Uhr auf und mache Müsli, und dann bringe ich die Kinder in die Schule. Das sind wichtige Momente für mich – auch wenn sie vielleicht nur wenige Minuten dauern –, um mit meinen Kindern zu reden. Meine Frau und ich planen jede Woche. Manchmal schaffe ich es auch, die Kinder am Nachmittag zu betreuen. Das wird jetzt eher selten werden.

ÖSTERREICH: Welche Rolle haben Sie bei der Erziehung übernommen?

Spindelegger: Meine Frau ist eher die Strenge, die Disziplinierte, die von den Kindern Leistung einfordert. Ich bin eher bereit, auch mal nachzugeben. Manchmal vielleicht auch zu viel (lacht).

ÖSTERREICH: In welchen Momenten geben Sie nach – vielleicht beim Computerspielen?
Spindelegger: Da gibt es eine strikte Zeiteinteilung, die von meiner Frau getroffen wurde. Die traue ich mich nicht zu untergraben.

ÖSTERREICH: Und wie schaut die aus?
Spindelegger: Nintendo-Spielen gibt es bei uns nur am Wochenende und auch da ist die Zeit strikt begrenzt.

ÖSTERREICH: Bekommen Ihre Söhne Taschengeld?
Spindelegger: Der Jüngere noch nicht. Aber der Ältere bekommt erstmals Taschengeld. Ich gebe ihm fünf Euro pro Woche.

ÖSTERREICH: Sie sind Außenminister, besuchen Ihre Kinder eine internationale Schule?
Spindelegger: Mein älterer Sohn geht in eine Modellschule für begabte Kinder. Da musste er eine schwere Aufnahmeprüfung bestehen. Das System dieser Schule ist, dass die Unterstufe in drei Jahren absolviert wird.

ÖSTERREICH: Werner Faymann ist als exzellenter Koch bekannt. Können Sie auch kochen?
Spindelegger: Natürlich, meine Spezialität sind Wiener Schnitzel. Aber beim Kochen bin ich durchaus multitaskingfähig.

ÖSTERREICH: Haben Sie sich schon einmal gefragt: Warum ausgerechnet ich?

Spindelegger: Natürlich habe ich mich schon gefragt: Warum wurde gerade ich für den Job ausgewählt und nicht ein anderer? Aber hätte ich die Herausforderung nicht angenommen, hätte ich nicht Politiker werden dürfen.

ÖSTERREICH: Nervt es Sie schon, dass Sie als graue Maus bezeichnet werden?

Spindelegger: Alle, die das schreiben, kennen mich gar nicht. Aber wer das nicht aushält, hat in der Politik nichts verloren.

ÖSTERREICH: Erwin Pröll hat Sie zum neuen VP-Chef gemacht. Wie wollen Sie sich von ihm emanzipieren?
Spindelegger: Das brauche ich gar nicht. Ich bin ein anderer Typ als er. Ich verstehe mich gut mit ihm, er gibt mir Schützenhilfe, wenn ich sie brauche. Auch er hat mir – so wie alle anderen im Parteivorstand – volle Freiheit bei der Teamauswahl zugesichert. Und die nehme ich mir.

ÖSTERREICH: Maria Fekter hat sich offensiv als Finanzministerin ins Spiel gebracht. Ist sie schon fix?
Spindelegger: Für alle gilt, dass ich meine Entscheidung noch nicht getroffen habe. Und daher ist noch niemand fix im Team. Derzeit wird viel kolportiert. Es gibt Leute, die behaupten, sie kennen meine Liste. Es gibt keine Liste. Die existiert nur in meinem Kopf, und wenn jemand nicht Gedanken lesen kann, kann er nicht wissen, was ich vorhabe.

ÖSTERREICH: Was halten Sie von den Zurufen wie etwa von Erhard Busek, die ÖVP neu zu gründen?
Spindelegger: Ich denke jetzt sicher nicht daran, alle Parteimitglieder zu kündigen. So sehr ich die Persönlichkeit auch schätze, würde ich diese bitten, die Ratschläge nicht in die Öffentlichkeit zu posaunen, sondern an mich zu richten.

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