Skandal-Autor in Graz

Strache als Fan bei Sarrazin-Wirbel

Vor dem Saal outete sich HC Strache als großer Bewunderer Sarrazins.

Auf dem Veranstaltungsgelände der einstigen Grazer Seifenfabrik prallten gestern Abend Befürworter und Gegner des umstrittenen deutschen Autors aufeinander. Thilo Sarrazin (Deutschland schafft sich ab) hatte vor 700 Gästen seinen ersten Österreich-Auftritt.

Und wie ebenfalls nicht anders zu erwarten, machte auch FPÖ-Chef und Fan aller Provokationen, HC Strache, dem umstrittenen Autor in Graz seine Aufwartung. Als besonderes Zeichen der Zuwendung: ein eingeklemmtes Buch des Autors (Deutschland schafft sich ab) unter seinem Arm. Sarrazin, von ÖSTERREICH auf seinen Fan angesprochen: „Wenn Politiker mir eine Stunde zuhören, freut mich das immer. Dann können sie etwas Vernünftiges lernen.“ Und Strache nahm den Lehrer beim Wort: „Von Sarrazin lerne ich immer gerne.“

Diashow: Strache holt sich Sarrazin-Autogramm
H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin

H.C. Strache trifft Thilo Sarrazin



Später wirkte Strache wie ein schüchterner Fan nach einem Popkonzert. Geduldig reihte er sich nach dem Vortrag in die lange Reihe der Autogrammjäger ein.

Geschlagene fünf Minuten dauerte es, bis Sarrazin sich von der Bühne herab Strache zuwendete. Der FPÖ-Chef steckte Sarrazin, den sie in Deutschland Volksverhetzter nennen, dessen Buch entgegen.

Sarrazin signierte, gab das Buch kommentarlos an Strache zurück und sagte nachher zu ÖSTERREICH: „Ach, das war der Herr Strache von der FPÖ? Wissen Sie, Vielleicht decken sich einige meiner Theorien mit denen der FPÖ. Ich möchte aber nichts mit Parteien zu tun haben, schon gar nicht will ich mich von einer Partei vereinnahmen lassen.“

Gastgeber
Einer, der die Provokation schon im Vorfeld zu spüren bekam, war Bauernbund-Präsident und Gastgeber Fritz Grillitsch. Er sah sich das Spektakel mit 700 geladenen Gästen gemeinsam mit dem Ex-Minister und jetzigen Nationalrat Martin Bartenstein aus der VIP-Loge an.

Tumulte vor dem Auftritt

Rund 50 Demonstranten traten energisch gegen die Veranstaltung des Österreichischen Bauernbundes auf. Ihre Parolen: „Aufstand im Bauernland. Wir brauchen keinen Sarrazin“, „No more Sarrazynismus“. Eine Eskalation blieb aber aus, die Polizei brachte das Grüppchen unter Kontrolle. Die vorübergehende Straßensperre wurde kurzerhand wieder aufgelöst.

Bei der Aktion gab es keine Verletzten, auch Anzeigen wurden wegen der Demo keine erstattet.

Diashow: Sarrazin-Besuch in Graz
Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Sarrazin-Besuch in Graz

Was Sarrazin sagte

  • Über Muslime: „Weil wir in Europa eine Einwanderung von Muslimen haben, haben wir ein Problem. Die Osteuropäer, Ukrainer, Weißrussen, Polen, Russen sind wie Chinesen und Asiaten integrationswillig, passen sich schnell an und haben überdurchschnittliche akademische Erfolge. Absolut abfallend sind hingegen die Türken und die Araber.“
  • Über Bildung: „Die schlechten Bildungsleistungen sind eng mit der Religion verbunden. Das wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht ändern. Der islamische Glaubenshintergrund belohnt das Erwerben von Wissen nicht. Die Muslime bilden zumeist die Unterschicht.“
  • Über PISA-Test: „Tunesier haben laut PISA-Test einen Schnitt von 0,0 Prozent bei der Hochintelligenz. Und das sind die Menschen, die den Aufstand in Nordafrika tragen.“
  • Über Anerkennung: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“
  • Über Nobelpreisträger: „Es gibt 840 Nobelpreisträger. 250 davon sind jüdischer Abstammung, nur vier kommen aus der islamischen Welt.
  • Über Geburten: „Je niedriger die Schicht, umso höher die Geburtenrate.“

Sarrazin im ÖSTERREICH-Interview

ÖSTERREICH: Wütende Demonstranten haben Sie empfangen, Polizisten mussten den Weg freiräumen. Haben Sie sich so Ihren Auftritt in Österreich vorgestellt?
Thilo Sarrazin: Die Demonstranten äußern ihre Meinung, das ist ihr gutes Recht. Auch ich darf meine Idee weitergeben, auch in Österreich. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, dass meine Thesen polarisieren.

ÖSTERREICH: Ihr größter Fan in Österreich scheint FPÖ-Chef HC Strache zu sein, er sitzt sogar mit Ihrem Buch unterm Arm im Publikum …
Sarrazin: Es freut mich, wenn mir Politiker zuhören, da können sie einiges lernen, auch der Herr Strache. Wer mir zuhört, ist nachher klüger als vorher – das klingt arrogant, ist aber so.

ÖSTERREICH: Seit Ihrem Bestseller-Buch „Deutschland schafft sich ab“ gelten Sie als Volksverhetzer, Aufputscher. Sie werfen der Politik vor, jahrelang das Problem der Einwanderung schöngeredet zu haben …
Sarrazin: Ich werfe niemanden etwas vor, sondern analysiere Probleme, die nicht mehr schöngeredet werden können. Auch bin ich kein Rassist, das ist das Dümmste, was man mir vorwerfen kann …

ÖSTERREICH: Sie greifen in Ihrem Buch aber vornehmlich türkische und arabische Zuwander an. Schreiben von einer moslemischen Gesellschaft, „die ständig kleine Kopftuchmädchen produziert“.
Sarrazin: Bei meinen Analysen bin ich einfach draufgekommen, dass es unterschied­liche Migrantengruppen gibt. Während Zuwanderer aus Osteuropa und Asiaten meist schnell integriert sind, fallen türkische Gruppen und Araber auffallend ab. Auch in der dritten Generation haben viele keine Deutschkenntnisse, keinen Schulabschluss. Außerdem haben sie einen zwei- bis dreimal höheren Anteil an Geburten.

ÖSTERREICH: Wird sich auch „Österreich abschaffen?“
Sarrazin: Die Probleme sind ähnlich, da es in ganz Europa ähnliche Migrantengruppen gibt. Das, was für Migranten in Deutschland gilt, sollte auch für Migranten in Österreich gelten – wer Bildung verweigert, hat in unseren Systemen keinen Platz.

Karl Wendl

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Skandal-Autor Thilo Sarrazin trat in Graz auf. oe24 berichtete LIVE:

20.17 Uhr: Als sich Sarrazin nach der Diskussion verabschiedete, war er einer Meinung mit dem Moderator der Veranstaltung. "Es ist doch ganz gut gelaufen", sagte er ins Mikro, kaum noch hörbar.

19.56 Uhr: Auch nach dem Ende der Diskussion auf der Bühne wird im Publikum heiß diskutiert.

19.50 Uhr: Unter den zahlreichen Zuhörern in der Grazer Seifenfabrik befanden sich auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Unternehmer und Ex-Minister Martin Bartenstein.

19.41 Uhr: Damit ist die Podiums-Diskussion beendet. Sarrazin wird mit stürmischem Beifall verabschiedet.

19.38 Uhr: "Man kann kein Pauschalurteil über Einwanderer abgeben", sagt Rusznak. "Die islamischen Geistlichen müssen in Österreich ausgebildet werden." Viele Geistliche kämen derzeit aus der Türkei, so entstünde eine "Parallelgesellschaft". Es herrsche "dringender Handlungsbedarf".

19.35 Uhr: Auch Sarrazin tritt für Sanktionen gegenüber Integrationsunwilligen ein. "Man könnte zum Beispiel das Kindergeld streichen", sagt er.

19.33 Uhr: Rusznak tritt für Sanktionen ein. Etwa, wenn ein Deutschkurs nicht besucht werde etc. "Nur, wenn es im Geldbörsel weh tut, wirkt es."

19.27 Uhr: "In den letzten Jahren hat sich unser Bildungssystem massiv verschlechtert", sagt Pildner-Steinburg. "60 Prozent der Bewerber um eine Lehrstelle bei einem steirischen Betrieb können nicht lesen oder rechnen."

19.24 Uhr: "Wir sind auf einer Welt. Helfen wir den anderen Ländern doch, wieder in die Höhe zu kommen", sagt Rusznak. "Die muslimischen Geschäftsleute leisten ihren Beitrag zur Wirtschaft."

19.22 Uhr: Sarrazin: "80 Prozent der muslimischen Studenten in Holland glauben nicht an die Darwinsche Lehre. Sie lehnen damit einen Grundgedanken des Modernismus ab."

19.20 Uhr: Sarrazin: "Die arabische Welt lebt kulturell und wissenschaftlich auf einer Insel."

19.19 Uhr: Sarrazin: "Meine Theorie hat den Wirklichkeitstest bestanden. Sie kann aber durch neue Erkenntnisse falsifiziert werden."

19.16 Uhr: Schwache müsse man fördern, sagt Rusznak. Das Bildungssystem in Österreich sei früher besser gewesen, die Allgemeinbildung höher. "Wir haben ein Bildungsdefizit." Dieses Problem ließe sich nicht mit (hochqualifizierter) Zuwanderung lösen.

19.10 Uhr: Sarrazin: Man müsse verhindern, dass die Falschen (ins Land) kommen und dafür sorgen, dass die Richtigen kommen. Die Amerikaner und Kanadier würden es "ganz unsensibel" vormachen.

19.06 Uhr: "Entsetzt" von den Ausführungen Sarrazins zeigt sich Rusznak. Pildner-Steinburg will eine "weitere Diskussion" führen.

19.04 Uhr: Mit Sarrazin diskutieren Günther Rusznak, Präsident des Islamischen Dokumentationszentrums, und Jochen Pildner-Steinburg, Präsident der Steirischen Industriellenvereinigung.

19.01 Uhr: Sarrazin beendet seine Rede. Langer Applaus im Saal. Nun startet eine Diskussionsrunde.

19.00 Uhr: "Ich befürchte, dass die Bildungsleistungen eng mit der Religion verbunden sind und sich deshalb nicht schnell ändern lassen", sagt Sarrazin.

18.58 Uhr: Die Bildungsleistung der Ostasiaten würde über jener der muslimischen Länder liegen, meint Sarrazin.

18.57 Uhr: Für den Erfolg einer Gesellschaft seien zwei Gruppen maßgeblich, meint Sarrazin. Zum einen Teil, der "Unterschicht", seien 20 Prozent der Bevölkerung zu zählen.

18.51 Uhr: Die Bildungsleistung von Einwandererkindern sei schlecht - aber nicht schlechter als in den Heimatländern. Die Kinder würden genau das leisten, was sie könnten, so Sarrazin.

18.49 Uhr: "Weil wir in Europa Einwanderung von Muslimen haben, haben wir ein Problem," sagt Sarrazin.

18.47 Uhr: Der islamische Glaubenshintergrund belohne das Erwerben von Wissen nicht, so Sarrazin. Die Muslime würden zumeist die Unterschicht bilden, etwa in Indonesien.

18.44 Uhr: Erst später, als er an seinem Buch arbeitete, sei das Thema Islam ins Spiel gekommen, sagt Sarrazin.

18.41 Uhr: "Ich fand keine Statistiken zur Bildung Muslimen in Deutschland", sagt Sarrazin zur Intention seines Buches.

18.38 Uhr: Sarrazin schildert ein Beispiel bei der Einwanderungsbehörde und meint, dass es in Deutschland mehr als die "offiziellen" vier Millionen Muslime geben würde. Er rechne mit bis zu sechs Millionen.

18.36: Sarrazin spricht derzeit in der bis auf den letzten Platz gefüllten Seifenfabrik in Graz.

 

Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch hatte sich als Redner und Diskutant für das Forum Land-Event „Demografie und europäische Zukunft“ nämlich just jenen Mann ausgesucht, der ganz Europa wochenlang in Atem gehalten hatte. Der deutsche Skandal-Autor Thilo Sarrazin , bekannt durch seine umstrittenen Thesen zur muslimischen Zuwanderung in seinem Bestseller Deutschland schafft sich ab, trat  am Donnerstag in Graz auf. Unter den erwarteten Zuhörern stach ein Name besonders prominent hervor: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Proteste und den Vorwurf, Grillitsch würde „in einem offenen Pulverfass zündeln“, gab es bereits im Vorfeld – Grüne und junge Sozialisten protestierten vor dem Haus des Bauernbundes. Die Veranstalter finden die Polarisierung aber nicht schlecht. „10.000 Leute waren im Verteiler für das Event, fast alle wollten kommen, mehr als 700 haben aber in der Halle nicht Platz“, ist Bauernbund-Sprecher Reinhard Bärnthaler mit der Resonanz zufrieden. Doch spannend wird nicht nur das Referat des Deutschen, sondern im Anschluss soll auch diskutiert werden.

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