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Straches Ibiza-Gate:

Neue Spuren zu den Hintermännern

Aufdecker Schmidt glaubt an eine Arbeit auf eigene Kosten ohne Auftraggeber. 

Nicht nur HC Strache, zumindest vier weitere Aufdecker versuchen derzeit, die Hintermänner des Ibiza-Videos zu enthüllen. Führend ist dabei der Ex-Verleger und jetzige Privatier Gert Schmidt mit seinem Onlineportal eu-info­thek.com. Unbestritten sind zwei Fakten:

  • Drahtzieher und „offizieller Auftraggeber“ des Ibiza-Videos ist der Wiener Anwalt M. – eine höchst dubiose Figur, die enge Kontakte zu iranischen Politikern, aber auch zu den Neos unterhält und Lebensgefährte der Krone-Kolumnistin und „Waxing Lady“ Katia Wagner war. Ein Wichtigtuer, der gern mit seinen Kontakten prahlte und den wichtigsten Bodyguard von HC Strache als Klienten und Informanten hatte.
  • Produzent des Ibiza-Videos ist der Drogendealer H., der mit anderen Halbkriminellen eine Sicherheitsfirma in München betrieb, das ganze Video (samt aller Vorbereitungen) inszenierte, vorfinanzierte und der nach langen E-Mail-Korrespondenzen zumindest einen Teil der Unkosten – mehrere 100.000 Euro – von Anwalt M. bezahlt bekam.

Derzeit gibt es vier Thesen, wer hinter dem Video stecken könnte:

These 1: M. und H. agierten ­alleine – als Glücksritter

Aufdecker Gert Schmidt tendiert zur These, dass Anwalt M. und Videoproduzent H. zunächst ohne Hintermänner gearbeitet und die Kosten sogar durch den Verkauf eigener Vorsorgewohnungen finanziert hätten, um dann beim Weiterverkauf bis zu fünf Millionen Euro zu erlösen.

Tatsächlich hat M. das Video Mittelsmännern von SPÖ und ÖVP um eine Million Euro angeboten (ohne Erfolg), bis dann ein dubioses „Zentrum für Politische Schönheit“ (mit Nähe zu Jan Böhmermann) das Video vor der EU-Wahl um 600.000 Euro in Goldmünzen kaufte.

These 2: Es war der SPÖ-Agent Silberstein

Eine zweite, vor allem von ÖVP und Teilen der FPÖ unterstützte These ist, dass der „SPÖ-Wahlkampfberater“ Tal Silberstein hinter der Aktion steckt. Tatsächlich hatte Silberstein einen Mossad-Agenten für Dirty Campaigning engagiert, der Kontakte zum Video-Umfeld hat. Jedenfalls wurde Silberstein kurz nach dem Videodreh verhaftet. Er hätte das Video schon deshalb nicht mehr verwerten können.

Beweise für ihn als Auftrag­geber gibt es keine. Heißestes Gerücht: Silberstein soll in einem SPÖ-Meeting kurz vor seiner Verhaftung in Wien davon gesprochen haben, wie er den Wahlkampf mit Videos und Fotos skandalisieren will. Daraufhin trat der wichtigste und seriöseste SPÖ-Wahlkampfmanager von einem Tag auf den anderen zurück. Warum?

These 3: Es waren die Strabag und Haselsteiner

Viele Spuren sprechen dafür, dass der legendäre Bauunternehmer und Neos-Großspender H. P. Haselsteiner zumindest über das Video frühzeitig informiert war. Der einstmals engste Freund des Videoproduzenten H., Sascha Wandl, behauptet, H. hätte Millionen mit Industriespionage für große Firmen wie Plasser & Theurer, aber auch die Strabag (in Osteuropa) verdient. Er selbst hätte persönlichen Kontakt zu Haselsteiner gehabt und immer wieder für ihn „gearbeitet“.

Auffällig ist: Im Video wird permanent nach „der Strabag“ gefragt. Fest steht: Der wichtigste Lobbyist von Haselsteiner, Zoltán Aczél (übrigens früher bei LIF und Neos), hat zugegeben, dass ihm das Video nach dem fertigen Dreh im Sommer 2017 „um fünf Mil­lionen Euro“ angeboten wurde. Aczél behauptet auch: „Ich habe ­Haselsteiner davon nicht informiert“ – das will ihm freilich keiner glauben. Fest steht aber auch: Aczél und Strabag hätten das Video nicht gekauft – es war ihnen „zu heiß und zu unsauber“.

These 4: Es war unser ­Geheimdienst BVT

Absurd, aber definitiv wahr: Die dubiosen Ibiza-Video-Produzenten arbeiteten zuvor jahrelang (!) als V-Leute für unseren Geheimdienst BVT. Ihre Aufgabe war, mit teils illegalen Abhör- und Videomethoden Drogendealer und Schlepper zu überführen. Insgesamt dürfte das BVT – nach geheimen Unterlagen aus dem BVT-U-Ausschuss – für diese Dienste sagenhafte sieben Millionen Euro (!) auf geheime Konten nach Liechtenstein überwiesen haben.

Videoproduzent H. war so un­verfroren, das BVT und das Bundeskriminalamt auf seiner Sicherheitswebsite als seine „renommiertesten Kunden“ ausdrücklich anzuführen. Tatsächlich waren auch drei BVT-Mitarbeiter während des Videodrehs auf Ibiza.

Ob das – damals extrem eng mit der ÖVP vernetzte – BVT die Videos tatsächlich beauftragt oder nur „geheim überwacht und mitgeschnitten“ hat, ist völlig offen. Tatsächlich spricht ein BVT-Topmann in einer E-Mail an einen Parteimanager von „neuen Filmchen“, die er besitze.

Möglicherweise bekommen damit auch die BVT-Razzien von Innenminister Kickl neue Brisanz: Suchte Kickl vielleicht nach den Ibiza-Videos?

Wichtigste Frage: Was wussten ÖVP, SPÖ und FPÖ?

Fest steht: Alle drei Parteien dürften lange vor der Veröffentlichung der Videos im Mai 2019 von den „Ibiza-Files“ gewusst haben. Anwalt M. hat das Video definitiv nicht nur der Strabag um fünf Millionen angeboten, sondern angeblich auch dem Kurz-ÖVP-Lobbyisten K. Der wusste über alle Details Bescheid – kaum denkbar, dass er Kurz darüber nicht informiert hat.

Ebenso hat M. das Video dem Kern-SPÖ-Pressesprecher V. angeboten, auch mit vielen Details – undenkbar, dass V. seinen Chef Christian Kern nicht darüber informiert hat. Heißt: ÖVP und SPÖ wussten bereits vor der Wahl im Herbst 2017 über das Video Bescheid – benutzten es aber nicht.

Ein zweites Mal wurde das Video der ÖVP über Mittelsmänner offenbar im Februar 2018 – nach dem Start der Regierung mit Strache – angeboten. Aus dieser Zeit stammen die angeblich gefälschten E-Mails von Blümel und Kurz.

Das erlaubt die Frage: Konnten Kurz und Blümel Strache erpressen? Noch spannender ist nur ein weiteres Detail: Es verstärken sich die Hinweise, dass einer der beiden Akteure des Ibiza-Videos – nämlich Johann Gudenus – von den Videomachern bereits vor dem Dreh brutal erpresst wurde. Gudenus wurde offenbar zuvor bereits in Wien gezielt in Hotelsuiten gelockt und dort beim Sex mit dem „Lockvogel“ und beim Drogenkonsum gefilmt.

Dann sollen die Unterweltler Gudenus damit gedroht haben, die Videos seiner schwangeren Frau und den Medien zukommen zu lassen – wenn er auf Ibiza nicht HC Strache gezielt in die Falle locke.

Wenn das stimmt, dann ist das Ibiza-Gate spannender als jeder James Bond. Und dann wird das Strache-Buch ein Megaseller …

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