13. Februar 2019 13:18
Ex-US-Botschafterin:
"Trump ist neugierig auf Sebastian Kurz"
Präsident hat gerne Ideen "von jungen Leuten, die unverbraucht sind"
"Trump ist neugierig auf Sebastian Kurz"
© oe24
Die frühere US-Botschafterin Helene von Damm rechnet mit einem guten Verlauf des Treffens von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit US-Präsident Donald Trump am kommenden Mittwoch im Washington. "Ich glaube, Trump wird den Kurz sehr gustieren", sagte von Damm im APA-Interview. Trump sei nämlich "curious" (neugierig) auf den jungen und dynamischen Politiker, der so wie er "auch alles umdreht".
 

Unverbrauchte Politiker

Trump wolle nämlich "nicht nur mit Politikern sprechen, die schon alles erlebt haben", sagte von Damm. "Er scheint gerne Ideen zu haben von jungen Leuten, die unverbraucht sind", verwies sie auf den Einfluss von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner im Weißen Haus. Die gebürtige Österreicherin war von 1983 bis 1986 unter US-Präsident Ronald Reagan amerikanische Missionschefin in Wien. Für Reagan war sie zuvor als Spendensammlerin tätig gewesen, wobei sie auch Trump kennenlernte.
 
"Ich glaube, dass es gut gehen wird", sagte von Damm mit Blick auf das erste Treffen von Trump mit Kurz. Dem Kanzler rät sie, gut vorbereitet ins Oval Office zu gehen. "Er soll sich eine Agenda machen, was ihm am Herzen liegt", sagte die Ex-Botschafterin. Schließlich sei zu erwarten, dass auch die US-Seite ihre Anliegen äußern werde. Konkrete Vereinbarungen seien nicht zu erwarten. Bei solchen Treffen bleibe es meist bei "Anstößen", die dann von zuständigen Stellen weiterverfolgt werden. Jedenfalls werde der Arbeitsbesuch des Kanzlers nüchtern verlaufen. Anders als bei Staatsbesuchen werde es "no pomp and circumstance" (Glanz und Gloria) geben, sagte von Damm.

Guter Draht

Von Damm, die im Jahr 1984 maßgeblich am ersten Staatsbesuch eines österreichischen Bundespräsidenten in den USA beteiligt gewesen war, hob die wichtige Rolle der jeweiligen Botschafter für das Zustandekommen von Visiten im Weißen Haus hervor. Der österreichische Botschafter in Washington und der US-Botschafter in Wien seien "die treibende Kraft" hinter solchen Visiten. Konkret nannte sie Österreichs Missionschef, Ex-Staatssekretär Wolfgang Waldner. "Waldner hat es gut gemacht. Hut ab, in so kurzer Zeit", sagte sie mit Blick darauf, dass Bundeskanzler Kurz erst gut ein Jahr im Amt sei.
 
 Wenn Trump und Kurz einen "guten Draht" finden, könnte sich dies auch in Zukunft bezahlt machen, sagte die pensionierte Diplomatin. So könnte es sein, dass sich Trump etwa bei einer kritischen Situation mit den EU-Staaten an Kurz "erinnert und sagt: Reden wir mit ihm". Auf die Frage, ob Trump versuchen könnte, den Kanzler zur Schwächung der EU-Staaten zu instrumentalisieren, sagte von Damm: "Das glaube ich nicht."
 
Von Damm wies darauf hin, dass es Österreich heute schwerer fällt, die Aufmerksamkeit Washingtons zu bekommen. "Im Kalten Krieg war Österreich wichtig", verwies sie auf die strategische Lage des neutralen Staates zwischen Westen und dem kommunistischen Ostblock. Zudem habe sich etwa Bundeskanzler Bruno Kreisky (1970-83) im Nahost-Konflikt engagiert und sei "eine wirklich interessante Persönlichkeit" gewesen. "Wenn Du ein kleines Land bist, dann musst Du auffallen", erläuterte die in Wien lebende Ex-Botschafterin.
 
Besorgt äußerte sich die Republikanerin über die außenpolitischen Alleingänge Trumps. "Am meisten ungut fühle ich mich beim Iran", sagte sie mit Blick auf den Ausstieg aus dem Atomdeal mit Teheran. Sie befürchte, "dass da jemand zuschlagen wird". Grundsätzlich sei sie aber dafür, dass internationale Verträge von Zeit zu Zeit neu verhandelt werden müssen. Beim INF-Vertrag über das Verbot von atomaren Mittelstreckenraketen habe man nämlich schon lange gewusst, dass eine Anpassung nötig sei, verwies von Damm darauf, dass China nicht an das Vertragswerk gebunden sei. Allerdings sollten solche Vorstöße "in Absprache" erfolgen, mahnte sie.
 
Ob Trump bei der Präsidentenwahl im kommenden Jahr eine zweite Amtszeit schaffen wird, "kann man noch nicht sagen". Viel hänge davon ab, was in nächster Zukunft passieren werde. "Wenn jemand aus dem Bauch heraus Entscheidungen trifft, dann kann auch etwas schiefgehen", sagte sie in Anspielung auf den charakteristischen Politikstil des US-Präsidenten.