Der Mann an Bierleins Seite

Umstrittener Ex-Richter

Der Mann an Bierleins Seite

Sie gilt als ausgesprochen ehrgeizig und ist politisch auf der konservativen Seite beheimatet. Doch eine Eigenschaft zeichnet Brigitte Bierlein ganz besonders aus: ihre Objektivität. Als erste Präsidentin des Verfassungsgerichtshofs war diese unerlässlich, jetzt hat sie ihr „hohes Maß an Objektivität“ – so Weggefährtin Waltraud Klasnic – zur ersten („Übergangs“-)Bundeskanzlerin ­Österreichs gemacht.

Die 69-jährige Wienerin tritt stets ausgesprochen mondän auf. Die Opernliebhaberin ist häufig gesehener Gast in Theatern, Konzerten und auf Vernissagen. Zu ihren Hobbys zählt neben dem Sammeln von Kunst auch das Segeln. Auch privat lebt Bierlein unabhängig. Sie ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. „Ich hätte mir nicht vorstellen können, Beruf und Kinder zu vereinbaren“, sagte sie einmal. Ihr langjähriger Lebensgefährte ist der nicht unumstrittene pensionierte Richter Ernest Maurer.

Ihr Lebensgefährte ist nicht unumstritten

Der Mann an Brigitte Bierleins Seite war ebenfalls Jurist. Er galt als Intimus von Jörg Haider. Seine Entscheidungen waren oft umstritten. Vor allem, als Maurer Holocaust-Leugner David Irving auf freien Fuß setzte, gingen die Wogen hoch. SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim hielt ihn für eine „Fehlbesetzung“. Irving bedankte sich in der Verhandlung hingegen bei Maurer: „Euer Ehren, danke schön.“

Maurer, der auch im ORF-Kuratorium saß, wies eine Nähe zur FPÖ stets zurück. Er habe „nicht einmal einen Du-Freund dort“.

Früher gab es noch Kritik von SPÖ

Als Bierlein 2003 als Vizepräsidentin in den Verfassungsgerichtshof kam, geschah das auf Betreiben der FPÖ. Der damalige ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel entsandte sie. Damals hagelte es vor allem Kritik von der SPÖ, die sie als „stramm konservative, regierungsnahe Richterin“ bezeichnete. Heute jubeln auch die SPÖ-Frauen über die erste Kanzlerin: „Das ist ein frauenpolitisch wichtiges Signal.“

Engagierte Aufklärerin
 für Missbrauchs-Opfer

Bierlein ist wegen ihrer Überparteilichkeit auch in etlichen Kommissionen gefragtes Mitglied. Sie war Präsidentin der Vereinigung österreichischer Staatsanwälte. Erst kürzlich wurde sie in die Sonderkommission zur Aufklärung der Vorfälle in der Ballettakademie der Wiener Staatsoper gerufen. Die frühere Landeshauptfrau Waltraud Klasnic hatte sie auch in die Opferschutz-Kommission kirchlicher Gewaltopfer gerufen. „Auf die Brigitte kann man sich in schwierigen Situationen absolut verlassen“, sagt sie zu ÖSTERREICH. „Sie ist jetzt die richtige Wahl.“

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