Grasser-Prozess

"Unglaubliche Geschichten" über Haider-Millionen

Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) waren am Donnerstag weiter Tagebucheinträge des Zweitangeklagten Walter Meischberger Thema. Auch die Sperre der liechtensteinischen Konten wurde thematisiert. Die Hypo Investmentbank Liechtenstein hatte eine Verdachtsmeldung an die Behörde gerichtet und die Konten gesperrt.
 

Grasser meldete sich nicht

Im Tagebuch beklagte sich Meischberger über seinen Freund Grasser, der sich etwa schon 14 Tage lang nicht gemeldet habe. Er stehe aber wohl familiär sehr unter Druck. Ein Passus in Meischbergers Tagebuch, wo dieser wenig freundlich die Ehe Grassers kommentierte, wurde zwar an die Wand projiziert, wurde aber im Gerichtssaal nicht vorgelesen.
 
Meischberger kommentierte auch seine Einvernahmen bei der Staatsanwaltschaft im Herbst 2009. Der Staatsanwalt habe ihn gefragt: "'Und Sie müssen entscheiden, ob Sie für (alle) alles tragen wollen, ob ihre Schultern breit genug sind', sagte er mit einem Schmunzeln bei der Verabschiedung. Ich hab es immer gesagt: ein gscheiter Bursch der Herr Staatsanwalt."
 
Auf die Frage von Richterin Marion Hohenecker betonte Meischberger, damit habe er sicher nicht gemeint, ob er für Grasser und den mitangeklagten Ernst Karl Plech alles übernehme, sondern da sei es um ihn und Peter Hochegger gegangen.

"Unglaubliche Geschichten"

Im Tagebuch finden sich auch laut Meischbergers Eintrag "unglaubliche Geschichten", die ihm ein befreundeter Kärntner Freiheitlicher damals bei einem Treffen erzählt habe. Darin geht es um angebliche Millionen, um die jemand den früheren Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ/BZÖ), der mittlerweile verstorben ist, hineingelegt habe. Das Geld solle aus einer Überweisung des früheren Staatschefs von Libyen, Muammar Gaddafi, stammen. Dieser habe damit seinem Sohn helfen wollen, der in Wien mit einem Mädchen einen "Unfall" gehabt habe. Mit dem Geld sei eine Titelgeschichte "weggekauft" worden. Auch aus dem Irak hätte Haider Millionen mitgebracht.
 
Er habe das damals nicht glauben können und glaube das auch heute nicht, sagte Meischberger. Dieses Treffen interessiere hier im Prozess nicht, sagte die Richterin.
 
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