Netzwerk der Ibiza-Bande

Wer muss jetzt noch vor der U-Haft zittern?

Erpressung, Nötigung, Täuschung – die Kripo weiß immer mehr vom Video-Netzwerk.

Wien/Salzburg. Wer schlussendlich die Bezahlung der Veröffentlichung des Ibiza-Videos übernommen hat, das ist noch immer im Dunkeln. Die operative Ebene, also jene Tätergruppe, die alles plante, ist der Kripo allerdings ziemlich gut bekannt: Nach Insider-Informationen ist diese Personengruppe eine wilde Mischung aus Kriminellen, Kripo-Spitzeln, Anwälten und Glamour-Ladys in Wien und Salzburg.

© TZOe

Clubbings, schöne Frauen und Treffen in HotelsuitenPartys. Die bis zu zwölf Tatverdächtigen lebten nicht übel: Dinner in den teuersten Wiener City-Restaurants, Partys, Geheimtreffen in Hotel-Suiten mit Champagner und mehr. Als Köpfe dieses Ibiza-Freundeskreises gelten Detektiv H. und der Wiener Anwalt M. H. hat eine Sicherheitsfirma, auf dem geleakten Firmen-Organigramm finden sich

hochinteressante Namen, wie auch jener des Anwalts M. Der Wiener Jurist wiederum hat schon gestanden, an der Produktion des Videos beteiligt gewesen zu sein, bei einer Hausdurch­suchung fand man bei ihm auch Kokain.

TV-Starlet hörte viel von türkis-blauer Koalition

Geständnis. Seine Langzeit-Lebensgefährtin war die Krone-TV-Moderatorin W., erst kürzlich hat sie im Telefonat mit ÖSTERREICH gestanden, dass sie Anwalt M. noch immer treffe. Über ihren Krone-Job kam sie ab 2017 mit Interviews ganz nah an Österreichs Politprominenz wie Heinz-Christian Strache oder Kanzler Sebastian Kurz. Und W. hörte dabei auch viel von vertraulichen Projekten der Koalition, etwa vom damals geplanten Umbau im ORF, inklusive Postenneubesetzungen.

Ibiza-Mittäter jobbte für die Kripo

U-Haft. Unter den drei mutmaßlichen Tatverdächtigen, die jetzt in Untersuchungshaft sitzen, sind zwei mutmaßliche Kollegen oder Mitarbeiter von Detektiv H. Sie sollen angeblich auch als Kripo-Spitzel tätig sein und dürften bei großen Drogen-Deals als V-Leute im Einsatz gewesen sein.

Dass der V-Mann auch Kontakte zum Nachrichtendienst BVT gehabt hat, wird noch überprüft und ist noch nicht bestätigt.

R., die schöne Ex-Freundin des Detektivs H., sitzt ebenfalls in einer Zelle und wird von der Soko weiter verhört. R. soll in die Ibiza-Pläne eingeweiht gewesen sein.

Bringen neue Aussagen vier weitere Festnahmen?

Lockvogel. Sie könnte mit ihrer Zeugenaussage jetzt Anwalt M. sowie die Immobilienmaklerin M. belasten: Die Luxus-Immobilien-Dealerin M. versprach FPÖ-Politiker Johann Gudenus einen Grundstücks-Kauf, bei dem er den späteren Lockvogel, die falsche „Oligarchin“, kennengelernt hat.

Quartett. Wie der Wiener Anwalt M. und die Party-Lady M. sollten sich nun auch Detektiv H. und Straches Ex-Sicherheitschef R. Sorgen machen: Der Bodyguard hat bekanntlich die „Chefs“ der Gruppe stets mit Infos beliefert. Packt einer der nun verhafteten Komplizen aus, fällt der Vorhang auch für dieses Täter-Quartett.

Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.     

Richard Schmitt     

»Soko Ibiza« verhörte auch NEOS-Förderer

ÖSTERREICH hat eine Liste jener Personen, die bisher einvernommen worden sind. Auch ein NEOS-Sponsor ist darunter.

Wien. Er ist eine schillernde Figur in der österreichischen Innenpolitik, war Präsidiumssprecher einer Partei, aktuell ist er Geschäftsführer jenes Wiener Verlags, der das Monatsmagazin Datum herausbringt: Z. hatte stets gute Kontakte zum NEOS-Mäzen Hans Peter Haselsteiner, und er spendete auch selbst über die Firma AZH Beteiligungs GmbH gerne größere Summen, etwa im Jahr 2015 immerhin 45.051 Euro. Die AZH führt Z. gemeinsam mit dem früheren Generalsekretär des Liberalen Forums, A. Im Jahr 2017 flossen weitere 51.000 € von der AZH an die NEOS (Quelle: Parteispenden.at/partei/neos).

Zeuge. Jetzt kommt Z. auch in den Akten der „Soko Tape“ vor, österreichweit als „Soko Ibiza“ bekannt: In der Anordnung zur Festnahme jener drei mutmaßlichen Ibiza-Mittäter, die nun bereits in Untersuchungshaft sitzen, wird die Einvernahme von Z. als Zeuge bestätigt. „Offenbar nehmen die Ermittler an, dass er mehr über die Verkäufer oder Produzenten des Ibiza-Videos weiß“, erfuhr ÖSTERREICH aus Kripo-Kreisen.

So kursiert in Wien auch die Meldung, dass die Ibiza-­Tätergruppe Verlags-Chef Z. das Video zum Kauf angeboten und bereits Monate vor der Veröffentlichung gezeigt ­hätte. Z. hätte aber abgelehnt. Die betroffenen zwei FPÖ-Politiker hat er aber nicht vor der Aktion gewarnt. Und ob der Ex-LIF-Politiker die Exekutive oder die Justiz darüber informiert hat, was gegen Strache und Gudenus vorbereitet wird, konnte ÖSTERREICH nicht erfragen: Z. war telefonisch nicht erreichbar.

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