Gesundheitsminister Rudolf Anschober bei Pressekonferenz

Von den Zahlen her wären erste Bezirke rot

Ampel-Streit um Hotspots

Von den Zahlen und Risiken wären erste Bezirke rot. Das wurde aber verschoben.

Wien. „Es wären eindeutig erste Bezirke rot, aber vor der Wien-Wahl durfte nichts passieren“, mutmaßte gestern ein Teilnehmer der Corona-Kommission nach der Ampel-Sitzung. St. Pölten führte in der risikoadjustierten – Anteil an Symptomatischen und Altersschnitt – Sieben-Tage-Inzidenz mit 133,4, blieb aber orange.

Die Ages, die die Bewertungen mit der GÖG ­gemacht hatte, empfahl wieder einmal vor allem unzählige neue Orange-Schaltungen. Die Inzidenz in ganz Österreich stieg in den vergangenen sieben Tagen eindeutig an.

Oberösterreich mit vielen Orange-Schaltungen

Länder. Wien blieb ebenso wie Hermagor oder Innsbruck orange.

Oberösterreichs Bezirke werden heute neu auf Orange geschalten: Linz Stadt und Land, Wels, Vöcklabruck, Gmunden und Rohrbach.

Corona-Experten aus dem Umfeld der Regierung kritisieren freilich auch die Ampel an sich: „Sie schauen nur die Daten an, die uns das Infektionsgeschehen von vor zehn Tagen zeigen und sehen nur die heutigen Hospitalisierungsraten, die aber in zwei Wochen steigen.“ Kommende Woche werden dann „Rot-Schaltungen“ erwartet ...

Die neuen orangen Bezirke sind: Güssing (Burgenland), Völkermarkt (Kärnten), Bruck an der Leitha (Niederösterreich), Innsbruck-Land (Tirol), Linz-Stadt, Wels-Stadt, Linz-Land, Vöcklabruck, Gmunden und Rohrbach (alle Oberösterreich), wobei die beiden letzteren wie Völkermarkt vergangene Woche noch Grün waren.

Von Grün auf Gelb sprangen Mattersburg (Burgenland), Amstetten, Hollabrunn (beide Niederösterreich), Urfahr Umgebung (Oberösterreich), Salzburg Umgebung (Salzburg) sowie Bruck-Mürzzuschlag (Steiermark). Den umgekehrten Weg gingen Steyr-Stadt (Oberösterreich), Leibnitz, Murau sowie Hartberg-Fürstenfeld (alle Steiermark).

Die Einschätzung der Kommission im Detail:

Regionen mit mittlerem Risiko

  • Bezirke im Burgenland: Eisenstadt Stadt, Eisenstadt Umgebung, Mattersburg, Oberpullendorf, Oberwart, Rust Stadt
  • Bezirke in Kärnten: Villach Stadt, Villach Land
  • Bezirke in Niederösterreich: Amstetten, Baden, Hollabrunn, Lilienfeld, Neunkirchen, Sankt Pölten Land, Tulln, Wiener Neustadt Land
  • Bezirke in Oberösterreich: Braunau am Inn, Freistadt, Grieskirchen, Urfahr Umgebung, Ried im Innkreis, Schärding, Wels Land
  • Bezirke in Salzburg: Salzburg Stadt, Salzburg Umgebung, Sankt Johann im Pongau
  • Bezirke in der Steiermark: Bruck-Mürzzuschlag, Graz Stadt, Graz Umgebung, Liezen, Voitsberg
  • Bezirke in Tirol: Imst, Kitzbühel, Kufstein
  • Regionen in Vorarlberg: Klostertal/Arlberg, Montafon/Brandnertal,
  • Großes Walsertal, Bregenzerwald/Kleinwalsertal

Regionen mit hohem Risiko

  • Bezirke im Burgenland: Güssing, Neusiedl am See
  • Bezirke in Kärnten: Hermagor, Völkermarkt
  • Bezirke in Niederösterreich: Bruck an der Leitha, Gänserndorf, Gmünd, Korneuburg, Krems Land, Krems Stadt, Melk, Mistelbach, Mödling, Sankt Pölten Stadt, Scheibbs, Waidhofen an der Thaya, Wiener Neustadt Stadt, Zwettl
  • Bezirke in Oberösterreich: Gmunden, Linz-Stadt, Linz-Land, Wels-Stadt, Rohrbach, Vöcklabruck
  • Bezirke in Salzburg: Hallein
  • Bezirke in Tirol: Innsbruck Stadt, Innsbruck-Land, Landeck, Schwaz
  • Regionen in Vorarlberg: Rheintal/Walgau
  • Wien

Cluster in St. Pölten "gut abgrenzbar"

Trotz mehrerer Corona-Häufungsfälle ist die Stadt St. Pölten auch nach der Kommissionssitzung vom Donnerstag mit Orange und nicht mit Rot eingestuft worden. LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) führte dies in einer Reaktion nach einer Lagebesprechung mit Verantwortlichen und Experten des Landes am Abend darauf zurück, dass die Cluster "gut abgrenzbar" seien. Gemeinsam mit Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) forderte er zudem generell schnellere Umstufungen.
 
"In den Gesprächen mit Bundesminister Anschober (Grüne, Anm.) haben wir dringend angeregt, dass diese Rückschaltung der Ampel auf Gelb bzw. Grün bei rasch fallenden Zahlen und klarer Rückverfolgbarkeit auch rasch erfolgen muss", betonten Pernkopf und Königsberger-Ludwig in einer Aussendung. Bei aller nötigen Kontinuität brauche es hier auch eine gewisse Flexibilität. Es sei nicht nachvollziehbar, "dass ländliche Bezirke, die laut Experten eine deutliche Verbesserung vorweisen können, gleich eingestuft bleiben wie Großstädte mit deutlich schlechteren Zahlen."
 
Der von Orange auf Gelb geschaltete Bezirk Neunkirchen zeige, dass Regionen auch wieder zurückgestuft werden könnten, hob Königsberger-Ludwig hervor. "Deswegen appellieren wir an die Verantwortung der Menschen, die Maßnahmen weiter einzuhalten."

Europa: Wo Virus explodiert, wo es noch im Griff scheint

Tschechien mit extremem Anstieg. Deutschland warnt vor „unkontrollierter Verbreitung“.

Das deutsche Robert-Koch-Institut warnte gestern vor einer „unkontrollierten Verbreitung“ des Corona­virus in Deutschland.

  • Deutschland: Die Gesundheitsämter meldeten gestern erstmals 4.058 Neuinfektionen. Deutschland (83 Millionen Einwohner) liegt also – pro Kopf gerechnet – bei ­einem Drittel der Rate von Österreich.
  • Tschechien: In Tschechien (knapp elf Millionen Einwohner) ist die Entwicklung bereits außer Kontrolle ge­raten. Dort wurden gestern über 5.000 Neuinfektionen registriert. 
  • Italien: In Österreichs Nachbarland Italien (60 Millionen Einwohner) stiegen die Neuinfektionen gestern um 3.667. 
  • Schweiz: In der Schweiz (8,6 Millionen Einwohner) stiegen die neuen Fälle ebenfalls auf über 1.000. 
  • Frankreich: Hier (67 Millionen Einwohner) explodieren die Fälle.
  • Spanien: In Spanien (47 Millionen Einwohner) liegt die Fallzahl ebenfalls bei über 12.000 pro Tag.


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