Autorin nach Hofer-Zitat: "Meine Diplomarbeit wird missbraucht"

Brief an Wiener Zeitung

Autorin nach Hofer-Zitat: "Meine Diplomarbeit wird missbraucht"

Hofer zitierte während Wahlkonfrontation eine Diplomarbeit - jetzt wehrt sich die Autorin

Der Grüne Alexander Van der Bellen und FPÖ-Kandidat Norbert Hofer lieferten sich im zweiten TV-Duell für die Bundespräsidentenwahl am 4. Dezember eine über weite Strecken sachliche und ruhige Debatte. Emotional und angriffiger wurde es bei der vom Privatsender Puls 4 veranstalteten Wahlkonfrontation "Wer wird Präsident? - Das Duell" erst als es um gegenseitige Untergriffe im Wahlkampf ging.

Video zum Thema: TV-Duell: Best of Hofer gegen VdB
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Reizthema Integration
Nach einem elfmonatigen Wahlkampf, in dem bereits alles von allen gesagt wurde, stand im 60-minütigen Puls 4-Duell vor allem die Mobilisierung der Wählerscharen vom 22. Mai im Fokus der beiden Kandidaten. Auch das Thema Islam und Integration durfte dabei natürlich nicht fehlen.

Hofer zitiert Diplomarbeit
Um seine islamkritischen Äußerungen zu untermauern, bediente sich Norbert Hofer einer Diplomarbeit aus dem Jahr 2009.

"Ich bin ein sehr, sehr großer Freund von einer faktenbasierten Diskussion" sagte Hofer und führte weiter aus: "Es gibt eine Diplomarbeit aus dem Jahr 2009, Uni Wien. Probleme im Krankenhaus und Pflegealltag mit islamischen Patienten. Die Dinge, die hier festgeschrieben sind, zeichnen den Alltag."

Laut Hofer sei es demnach manchen Muslimen unangenehm, einer gegengeschlechtlichen Person die Hand zu schütteln.

"Also, ein strenggläubiger Muslim, der das umsetzt und sagt: Es darf keinen Händedruck geben, kann natürlich diese Aufgaben nicht durchführen" , so Hofer vor einem Millionenpublikum.

Autorin setzt sich zu Wehr
Jetzt meldete sich die Urheberin der Diplomarbeit zu Wort und übt heftige Kritik am blauen Hofburg-Kandidaten. "Unvollständig und völlig aus dem Zusammenhang gerissen", so Daniela Arnhof gegenüber der Wiener Zeitung. Überhaupt geht es in der Hofer vorgelegten Diplomarbeit nicht um muslimische Pfleger, sondern um den Umgang mit muslimischen Patienten.  

Hofer suggerierte jedoch das genaue Gegenteil. In einem E-Mail, das der Zeitung vorliegt legt sie nach: Hofer würde mit seiner Interpretation der Arbeit einen „total verkehrten Sinn“ geben. „Ich wehre mich dagegen, dass auf diese Art und Weise meine Diplomarbeit missbraucht wird“. Vor allem, da die Arbeit eigentlich weniger die Probleme mit Muslimen, sondern mehr die möglichen Lösungsansätze in den Vordergrund der Untersuchung stellt.

Hofer: Keine Muslime in der Pflege
Der Debatte vorausgegangen ist eine Behauptung Hofers, dass es angeblich keine muslimischen Arbeitskräfte im Pflegebereich gebe. "Da heißt es immer, wir brauchen diese Menschen im Pflegebereich. Kennt ihr einen Moslem, der im Pflegebereich arbeitet, der bereit ist, unseren Senioren vielleicht die Windel zu wechseln? Ich kenne das nicht", so Hofer auf einer Wahlkampfveranstaltung in Tirol. Caritas und Rotes Kreuz liefen gegen diese Behauptung Sturm und wiesen Hofer zurecht.

Die FPÖ weißt die Anschuldigungen indes zurück. Gegenüber der Wiener Zeitung gibt Hofers Pressesprecher zu Protokoll, dass er nicht glaube, dass Hofer den Sinn der Arbeit aus dem Zusammenhang gerissen hätte.

"Ich hoffe, es gelang mir, durch meine Arbeit jedem Leser einen kleinen Denkanstoß mitzugeben, der ihn anspornt, über seine eigenen Einstellungen und Erfahrungen zu anderen Religionen, im speziellen zu Muslimen, zu reflektieren", so Arnhof gegenüber der Wiener Zeitung.

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