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Rektor im Audimax

Diskussion verläuft im Sande

Winckler forderte die Besetzer auf, ihre Forderungen klarer zu formulieren.

"Liebe Kolleginnen und Kollegen" - Mit diesen Worten wandte sich der Rektor der Universität Wien, Georg Winckler, am Freitag Abend an das Plenum des besetzten Audimax, das ihn gemeinsam mit dem Rest der Uni-Leitung zur Diskussion geladen hatte. Immer wieder appellierte Winckler an die Besetzer, ihre Anliegen "in einer Weise zu vertreten, die die Bevölkerung auch versteht". Seine Forderung nach der Wahl einer "Besetzungsform, die es erlaubt, den Studienbetrieb aufrechtzuerhalten", wurde allerdings mit "Wir sind keine Teilzeitbesetzer"-Rufen quittiert.

Keine richtige Diskussion
Unter großem Medieninteresse redeten Uni-Leitung und Studenten im übervollen Hörsaal über weite Strecken der rund zweistündigen Veranstaltung aneinander vorbei. Winckler verwies immer wieder darauf, dass die Erfüllung vieler Forderungen der Studenten nicht in seinem Zuständigkeitsbereich liege und diese eigentlich ans Parlament gerichtet werden müssten. Viele studentische Redner wiederum machten die fehlenden demokratischen Strukturen an den Unis für die Besetzung mitverantwortlich. Um gehört zu werden, habe man gar keine andere Wahl als durch Hörsaalbesetzungen auf sich aufmerksam zu machen.

"Wenn Ihnen irreguläre Meinungsvertretung nicht gefällt, warum setzen Sie sich dann nicht dafür ein, dass wir wieder mehr Möglichkeiten zur regulären Mitbestimmung bekommen?", lautete eine Frage etwa. Winckler wiederum argumentierte, dass die Gesetze etwa zur Mitbestimmung vom Nationalrat beschlossen würden. Er wolle die Gesellschaft insgesamt erreichen "und nicht nur darauf hinweisen, dass sie ein falsches Bewusstsein hat". Und: "Sie mögen sich ganz wohl fühlen hier im Hörsaal - das ist aber nur ein kleines Stück von Österreich".

ÖVP ins faschistische Eck gedrängt
Das gemischte Publikum im Audimax sorgte für eine Mischung aus konkreten Fragen, agitatorischen Vorträgen und Appellen. So wurde etwa gegen angebliche Übergriffe der Security-Kräfte protestiert, nach dem Verbleib von angeblich milliardenschweren Rücklagen der Uni gefragt, für eine bessere Versorgung der auch bei der Diskussion wieder zahlreich zu sehenden Obdachlosen argumentiert oder auch die ÖVP wahlweise ins ständestaatliche oder faschistische Eck gestellt. Geworben wurde für Spontandemos vor der deutschen Botschaft, die Unterstützung von streikenden Shell-Arbeitern oder gleich einen Uni-Streik im März.

Den größten Applaus des Plenums erhielt Senats-Vorsitzender Helmut Fuchs, der auf die Frage, ob er den Bachelor für geeignet halte, eine vollständige Berufsausbildung zu schaffen, antwortete: "Ich persönlich halte das Bakkalaureat für nicht geeignet dafür." Er sei aber ein Pragmatiker - es sei möglich, dem Bakkalaureat einen Inhalt zu geben, der den Zielen der Studenten gerecht werde. Die Studienpläne würden derzeit da und dort zu stark in Richtung Reglementierung gehen, künftig werde man wohl in eine andere Richtung gehen. Wie Winckler machte er auch auf die engen Budgets der aufmerksam: "Wir verwalten einen Mangel."



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