Die dubiose Israel-Firma des Kanzlers

ÖSTERREICH lässt Wahlkampf-Bombe platzen

Die dubiose Israel-Firma des Kanzlers

Kanzler Kern hält Anteile an der Firma Foresight seiner Frau in Israel. Mitfinanziert wird diese Firma von einem korrupten Multi­millionär, der Israels Energieminister bestochen haben soll.

Der Anruf kam vom selben Informanten, der gegenüber ÖSTERREICH vor gut zwei Monaten die Verhaftung des Wahlkampfberaters Tal Silberstein in Israel enthüllt hatte: „Guten Morgen, wisst ihr eigentlich, dass euer Bundeskanzler in Israel an einer Firma beteiligt ist, die in aller Munde ist, weil sie auch eine Beteiligung eines Millionärs hat, der wegen Bestechung unseres Energieministers angeklagt ist?“ Ehrliche Antwort: Nie gehört.

Der Anrufer scherzt: „Ist euer Kanzler noch im Amt oder schon zurückgetreten?“ Antwort: Natürlich im Amt und mitten im Wahlkampf. Der Anrufer: „Na dann habt ihr jetzt eine Wahlkampf-Bombe!“

Er berichtet: „Heute lief im ­israelischen Radiosender Galei Zahal ein Bericht, dass der österreichische Bundeskanzler Christian Kern Anteile an der Firma Foresight seiner Frau hält. Das Brisante: Foresight steht in enger Verbindung mit dem israelisch-georgischen Milliardär Abraham Nanikashvili, der über seine Firma Triple M mit 11 % an der Firma von Kanzler Kern und Frau beteiligt ist.“

Und weiter: „Nanikashvili steht – bei rechtskräftiger Anklage – gerade vor Gericht, weil er den früheren israelischen Energieminister Benjamin Ben Eliezer mit 400.000 Dollar bestochen haben soll, um die Lizenz für den Bau eines Kraftwerks zu erhalten. Die Aufregung um die Firma Triple M, die dieses Kraftwerk baut, ist deshalb in Israel enorm. Und die Tatsache, dass Nanikashvili mit Triple M eine Firmenverbindung zu Kanzler Kern hat, verblüfft alle.“

Es stimmt: Kern hat Anteile an Israel-Firma. Aber nur 2 %

Erster Check: Kann es sein, dass Kanzler Kern in Israel Anteile an einer Firma namens ­Foresight hält und davon in Österreich bisher niemand wusste? Antwort: Stimmt. Die Firma ist eine Tochter der österreichischen Blue Minds Company von Kerns Ehefrau Steinberger-Kern. Sie hieß zunächst Blue Minds Israel, wurde im Juli 2016 in Israel umgegründet in Foresight. Laut Firmenbuch Tel Aviv erschien Kern persönlich zur Eintragung – mit Pass und Unterschrift –, obwohl er damals bereits Bundeskanzler war. Kerns Beteiligung ist minimal – laut Firmenbuch 2 %, laut eigener Angabe gegenüber ÖSTERREICH sogar „weniger als 1 %“.

Kern hat diese Minibeteiligung korrekt bei Rechnungshof und Immunitätsausschuss angegeben. Sie ist wirtschaftlich völlig unbedeutend. Bleibt nur die Frage: Warum beteiligt sich ein aktiver Bundeskanzler persönlich mit 1 oder 2 % an einer israelischen Firma seiner Frau? Vielleicht, weil sein Na­me Türen öffnet und Verbindungen in Israel schafft?

Mitfinanzier ist Millionär, 
der Bestechungsanklage hat

Kerns Pech: Gleichzeitig mit ihm beteiligte sich die Firma Triple M des Multimillionärs Nanikashvili an Foresight – offiziell mit 11 %, offenbar als Geldgeber.

Im Juli 2016 war in Israel bereits jedem politisch Interessierten klar, dass Nanikashvili eine mehr als umstrittene Person ist. Unter riesigem Mediengetöse war eine Bestechungs-Causa aufgeflogen, in der Nanikashvili die Hauptperson war. Angeblich hat Nanikashvili den israelischen Energieminister Benjamin Ben Eliezer mit 400.000 Dollar bestochen, um die Lizenz für ein Kraftwerk zu bekommen. Der Minister musste zurücktreten, starb wenig später an Schlaganfall. Die Bestechung wurde penibel dokumentiert – Nanikashvili steht nun vor Gericht und muss mit einer Haftstrafe rechnen. Aber noch gilt für ihn natürlich die Unschuldsvermutung.

Warum gründet ein Kanzler Firma mit Korruptionisten?

Für Kanzler Kern ist die Optik katastrophal. Auch wenn ihm rechtlich keinerlei Vorwurf zu machen ist, bleibt als Kern dieser Story: Seine Frau unterhält in Israel eine Firma mit einem israelisch-georgischen Milliardär, der – übrigens wie die Silberstein-Steinmetz-Partie – tief in den Korruptionssumpf Israels verstrickt ist. Und Kern selbst ist über die Beteiligung an der Firma – egal, wie hoch sie ist – mit dem mutmaßlichen Bestecher verbunden.

Auf ÖSTERREICH-Nachfrage übermittelt ein Sprecher Kerns, Nanikashvili halte keine Aktien an Foresight. Er glaube auch, die Beteiligung von dessen Firma Triple M sei jetzt nicht mehr aufrecht.

Völlig unklar ist, warum sich die Familie Kern noch 2016 – als Kern schon Kanzler war – mit jemandem, der wegen solcher Vorwürfe angeklagt ist, in einer gemeinsamen Firma zusammengeschlossen hat.

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