Gudenus kassiert 9.400 Euro als Vizebürgermeister

Laut Stadtverfassung

Gudenus kassiert 9.400 Euro als Vizebürgermeister

Der FPÖler wird 9.441 Euro monatlich verdienen, aber keine Kompetenzen haben.

Nachdem die Wien-Wahl 2015 geschlagen ist, beginnt nun zum 16. Mal seit 1945 der Weg zur Regierungsbildung in der Bundeshauptstadt. Derzeit tagen die Gremien der einzelnen Parteien - dann entscheidet sich, mit welchen Fraktionen Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) Koalitionsverhandlungen führen will. Realistischerweise kommen jedoch nur ÖVP und Grüne infrage.

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Dennoch wird zum ersten Mal die FPÖ einen Vize-Bürgermeister stellen - weil sie ein Drittel der Mandate erreicht hat: Johann Gudenus (39) wird diesen Job, der keine Kompetenzen beinhaltet, übernehmen.

Von einem "Amt ohne Verantwortung" spricht Politologe Peter Filzmaier gegenüber Ö1. Man bekomme, wenn man nicht in einer Koalition sei, keine Kompetenzen. "Anders gesagt, die Kompetenzen eines Vizebürgermeisters einer Nichtkoalitionspartei sind Schreibtisch, Visitenkarte und Türschild", so Filzmaier.

Obwohl er nichts zu sagen hat, wird der Posten fürstlich entlohnt: 9.441 Euro pro Monat wandern auf das Konto des heimatverbundenen FPÖlers.

"Blaue Hoffnung" Gudenus
2010 wurde die "blaue Hoffnung" Klubobmann der Wiener Freiheitlichen, seit damals agiert er als Statthalter Straches in der Bundeshauptstadt. Nun folgt mit dem Vizebürgermeisteramt, das allerdings ohne Ressortverantwortung bleiben wird, der nächste Karriereschritt. Der 39-Jährige Sohn des früheren National- und Bundesratsabgeordneten John Gudenus gehört zum engsten Führungszirkel der Wiener FPÖ und galt von Anfang an als Zukunftshoffnung. Schon vor der Wahl nannte ihn Strache regelmäßig als potenziellen Vizebürgermeisterkandidaten, auf der Landesliste stand er unmittelbar hinter dem Parteichef auf dem zweiten Platz.

   Zwar fand Gudenus, der als Vertreter der "alten freiheitlichen Werte" gilt, auf kaum einem Wahlplakat Platz, das Blitzlichtgewitter stahl ihm dieses Mal vor allem FPÖ-Quereinsteigerin Ursula Stenzel. Bei Veranstaltungen gibt er für Strache jedoch regelmäßig den Einpeitscher. Grundsätzlich ist die Zeit des Johann Gudenus allerdings eher jene abseits des Wahlkampfs, wenn das Hauptaugenmerk Straches auf der Bundespolitik liegt. Im Gemeinderat macht er dann die Spitze der Freiheitlichen und wettert dort vor allem gegen die rot-grüne Politik. Wobei ihm auch schon der eine oder andere umstrittene Sager ausgekommen ist. So bezeichnete er etwa Wien als "Weltasylamt", forderte für "Asylbetrüger" den "Knüppel aus dem Sack" oder zeigte die Flüchtlinge, die 2013 in der Votivkirche Unterschlupf fanden, an.

   Auch wenn Gudenus international unterwegs ist, passen seine Wege nicht immer zum neuen "Ton der Mitte" der Freiheitlichen. Im März 2015 sorgte er mit seiner Zusage zu einem Rechtsextremismus-Kongress in Russland für Aufregung. Beim "Internationalen Russischen Konservativen Forum" nehmen auch Rechtsaußen-Parteien wie die Neonazi-Bewegung Goldene Morgenröte aus Griechenland oder die deutsche NPD teil. Nachdem Gudenus seine Zusage zuerst abgestritten hatte, bestätigte er diese später. Nach dem Erhalt der Teilnehmerliste habe er aber gleich wieder abgesagt.

   Zudem war der designierte Vizebürgermeister schon als Wahlbeobachter in Russland unterwegs, wo ihm die Wahlen laut eigener Aussage besser gefallen hatten als jene im Europaparlament. Beim umstrittenen Krim-Referendum war er ebenfalls als Beobachter unterwegs - auch hier habe er keine Unregelmäßigkeiten feststellen können, meinte er nachher. Russland hat sich für Gudenus auch in der Vergangenheit schon als heißes Pflaster erwiesen: 2014 kritisierte er bei einer Rede beim "Internationalen Forum 'Mehrkindfamilien und die Zukunft der Menschheit'" eine angebliche "europäische Homosexuellenlobby", was ihm einen Sturm der Entrüstung bescherte.

   Johann Gudenus wurde am 20. Juli 1976 in Wien geboren. Er absolvierte 1995 die Matura an der Theresianischen Akademie in Wien, studierte Jus, machte 2003 das Gerichtsjahr und ist Absolvent der diplomatischen Akademie. Was er in seinem offiziellen Lebenslauf auf der FPÖ-Homepage nicht erwähnt: Er ist Mitglied der pennalen Burschenschaft "Vandalia", wo er dem Vernehmen nach den Burschennamen "Wotan" trägt.

   Seine politische Karriere begann Gudenus in Wien 1996 als blauer Bezirksrat im Alsergrund. Zwischen 1998 bis 2003 war der Politiker Wiener Ring Freihetlicher Jugend (RFJ)-Obmann und von 2000 bis 2003 Bundesobmann-Stellvertreter. 2002 wurde er Mitglied des Landesparteivorstandes, 2004 Bezirksparteiobmann der FPÖ-Wieden - und zuvor auch Mitglied des Bundesparteivorstandes. Seit 2005 ist er Landtagsabgeordneter in Wien, er sitzt dort unter anderem im Ausschuss für Jugend, Bildung, Information und Sport. Seit 2011 ist er stellvertretender Bundesparteiobmann. Gudenus ist geschieden und hat einen Sohn.

   Weiter zurück reichen Vorwürfe, die das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) gesammelt hat. Gudenus - den das "profil" einst als "rechten Recken" bezeichnete - soll unter anderem bei der "Aktionsgemeinschaft für eine freiheitliche Politik" (AFP) aufgetreten sein. Dieser wird vom Verfassungsschutz eine Nähe zum Nationalsozialismus nachgesagt. Gudenus, den (Partei)freunde "Joschi" nennen, hat eine Nähe zu NS-Gedankengut wiederholt zurückgewiesen.

   Und er ist nicht der einzige in seiner Familie, der das beteuern musste. Der Vater von Johann Gudenus, der frühere Bundesrat John Gudenus, stand bereits wegen Holocaust-Leugnung vor Gericht. "Man soll nicht Tabus aufstellen, sondern man soll physikalisch und wissenschaftlich prüfen", hatte er einst in einem ORF-Interview gemeint. Auch als Parlamentarier glänzte er vor allem durch starke Sprüche. Der Absolvent der Militärakademie war ab 1990 bis 2005 praktisch durchgehend im Hohen Haus vertreten und hatte sich unter anderem für die Abschaffung des Verbotsgesetzes stark gemacht. Und wie sein Sohn ist auch er Mitglied der Burschenschaft Vandalia.
 

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