Die rote Pamela: Gibt es Märchen in unserer Politik?

Das sagt ÖSTERREICH

Die rote Pamela: Gibt es Märchen in unserer Politik?

Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Wer hätte das je gedacht, dass ausgerechnet die zarte, sym­pathische und sehr intelligente Pamela Rendi-Wagner als neue SPÖ-Chefin in die Fußstapfen von Bruno Kreisky treten würde?

Wie Kreisky Ende der 60er-Jahre, soll Rendi jetzt, 50 Jahre später, den völlig verfahrenen roten Karren aus dem Sumpf ziehen und die alte, verrostete Kutsche SPÖ vor dem Untergang retten.

Ob ihr das gelingen kann? Im Gegensatz zu Kreisky ist Rendi-Wagner alles andere als ein mit allen Wassern gewaschener ­Politprofi und schon gar keine Politikerin mit Hausmacht.

 

Rendi-Wagner ist der neue Marketing-Star der SPÖ

Pamela Rendi-Wagner ist „nur“ die personifizierte Hoffnung der SPÖ, mit einem neuen telegenen, smarten, sympathischen und superklugen Marketingstar an der Spitze die bankrotte Partei endlich für neue Zielgruppen zu öffnen: für Frauen, für Junge, Gebildete – vor allem für die breite Mittelschicht, die künftig Wahlen entscheiden wird.

Taktisch gesehen ist die „rote Pamela“ eine großartige Wahl:

  • Eine FRAU gegen die beiden ­Regierungs-Machos Kurz und Strache.
  • Eine SOZIAL engagierte Poli­tikerin gegen die – laut SPÖ – „Regierung der sozialen Kälte“.
  • Eine MUTTER von zwei groß­artigen Kindern als Zeichen für ein modernes Familien- und ­Gesellschaftsbild.
  • Eine fesche, telegene, moderne Sympathieträgerin als neue Fernsehwaffe gegen den langsam nervenden ewig gleichen Polit-Sprech der Regierungs-Twins Kurz und Strache.

Vermutlich ist Pamela die einzige Chance der SPÖ, den Superkanzler Kurz bei Wahlen zu entthronen – indem man dem brutalen Politprofi eine moderne, liebens- und wählenswerte Frau gegenüberstellt.

 

Kann man eine Partei ohne jede Ahnung von Tricks führen?

Jeder gute Headhunter hätte die fast bankrotte Firma SPÖ aber auch auf die Gefahren einer Bestellung von Rendi-Wagner hingewiesen:

  • Der telegene Marketingstar Rendi besitzt null Erfahrung in der Politik. Sie war nur kurz Ministerin, hat keine Ahnung von den Tricks, den Brutalitäten des Geschäfts.
  • Kurz und Strache werden mit ihr Jo-Jo spielen, wenn es wirklich zur Sache geht. Die beiden kennen alle Niederungen der Politik seit vielen Jahren, haben Netzwerke, Parteiapparate und jede Menge Schergen fürs Grobe.
  • Pamela Rendi-Wagner ist dagegen in ihrer Partei so verankert wie ein zartes Pflänzchen. Sie ist erst seit zwei Jahren Mitglied, sie kennt kaum Funktionäre, geschweige denn die Netzwerke und Machtkonstellationen. Ihre einzige Hausmacht ist Christian Kern, der sich nach Brüssel ver­tschüsst – dann ist die zarte Pamela „allein zu Haus“.

Man kann ihr nur wünschen, dass sie rasch ein professionelles Team aus dem Hut zaubert. Politkaliber hätte die SPÖ einige: Thomas Drozda etwa wäre ein hervorragender Co, Josef Ostermayer wäre eine genau so gute Wahl – kaum einer kennt die Politik besser als der legendär gute Faymann-Partner.

Allein hat Rendi keine Chance – ihr droht die Entzauberung im Oppositions-Tagesgeschäft, ein nervender Flügelkampf in der Macho-SPÖ, die fehlende ­Power einer gelähmten Partei.

 

Gibt es noch Politikmärchen? Oder nur Horrorstorys?

In Wahrheit MUSS Rendi-Wagner jetzt mit ihrem Mentor Christian Kern die EU-Wahl im Mai gewinnen. Gelingt ihr dieses Kunststück, wird sie eine positive Dynamik bekommen – und kann Kurz und Strache als „Gewinnerin“ unter Druck setzen. Und zwar mehr, als denen lieb sein wird.

Verliert Rendi-Wagner aber die EU-Wahl im Mai, dann hat sie beste Chancen, nach der kürzest amtierenden Ministerin auch die am kürzesten tätige Parteichefin zu werden. Dann werden nicht nur Kurz und Strache sie zerlegen, sondern wohl auch die Doskozils, Ludwigs und ÖGB-Granden.

Es wäre zu wünschen, dass die „Newcomerin“ Rendi-Wagner das Duell mit den Machos und Apparatschiks der Innenpolitik gewinnt. Dass endlich eine „Quereinsteigerin“ ohne Partei-Ochsentour erfolgreich ist. Dass unsere Politik ein modernes, sympathisches, vor allem auch weibliches Gesicht erhält.

Das wäre schön wie ein Märchen – Pamela als rote Cinderella. Nur – ganz ehrlich: Gibt es wirklich noch Märchen in der Politik? Oder ist Politik bei uns nicht eher eine Horrorstory ­geworden?

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