Mit Ludwig beginnt neue Ära für die SPÖ

Das sagt ÖSTERREICH

Mit Ludwig beginnt neue Ära für die SPÖ

Ein Kommentar von ÖSTERREICH-Herausgeber Wolfgang Fellner.

Michael Ludwig ist also - wie von ÖSTERREICH seit Wochen vorher gesagt - am Parteitag der Wiener SPÖ zum neuen Parteichef und Bürgermeister gewählt worden. Das bedeutet nicht nur einen spannenden Neustart für Wien - sondern auch ein sehr heilsames und sehr positives Erdbeben für die "alte Tante" SPÖ.

Der Sieg von Ludwig ist ein Sieg der Partei-Basis, der kleinen Funktionäre und der großen Wähler-Mehrheit gegen die Partei-Spitze, die diesen Wechsel im Rathaus justament nicht haben wollte.

Der Wechsel an der SPÖ-Spitze zeigt, dass auch in der über viele Jahrzehnte vom "Partei-Apparat" geprägten Sozialdemokratie neue Zeiten beginnen. So wie in Frankreich mit Macron, so wie in der ÖVP mit Kurz hat auch in der Wiener SPÖ nicht mehr der Kandidat des Apparats sondern der Mann der Basis gewonnen.

Die Zeiten ändern sich - gottseidank. Die "kleinen" Funktionäre (und vor allem die "kleinen" Wähler) lassen sich nicht länger von den "großen" Partei-Bonzen vorschreiben, wen sie wählen müssen/sollen/dürfen.

Dass Michael Ludwig diese SPÖ-interne Kraftprobe gewonnen hat, ist ein kleines Wunder. Vom Bürgermeister bis zum Ex-Kanzler, von allen (!) StadträtInnen bis zur gesamten Parteizentrale wollten alle "Mächtigen" in der Wiener SPÖ den durchaus sympathischen "Apparatschik" Andreas Schieder an der Wiener SPÖ-Spitze sehen - weil er garantiert hätte, was dem SPÖ-Apparat am liebsten wäre: Nur nix ändern, nur keine Visionen, nur net zu vü Reformen. Und - bitteschön - schon gar keine Personalwechsel in den StadträtInnen-Büros...

Ludwig-Sieg ist wie ein Erdbeben: Die Basis hat ihren Apparat besiegt

Der Ludwig-Sieg in Wien ist daher zunächst ein parteiinternes Erdbeben - die SPÖ wird sich nun wohl ähnlich radikal ändern wie die ÖVP unter Sebastian Kurz:

- Christian Kern muss feststellen, dass ihm (und seinem Klubobmann-Zwilling Andreas Schieder) die rote Basis verloren gegangen ist. Kern ist als Oppositionschef nun endgültig ein Kaiser ohne Kleider. Mit Ludwig gewinnt der wichtigste Widersacher von Kern - nämlich Hans Peter Doskozil samt seinem Mentor Hans Niessl. Mit Ludwig gewinnt aber auch der SPÖ-intern weggeputschte Ex-Kanzler Werner Faymann. Die "Faymann-Partie" is back.

- Der extrem rot-grüne Kurs der Wiener SPÖ wurde gestern von den Delegierten mit Ludwig abgewählt. Ludwig wird natürlich die rot-grüne Koalition in Wien nicht sprengen (er ist ja kein Selbstmörder) - aber er wird den links-linken grünen Desperados, die Wien zuletzt in eine Total-Blockade geführt haben, ein neues rotes Selbstbewusstsein entgegensetzen und sich möglicherweise in Richtung ÖVP öffnen, um Türkis-Blau im Bund  mit einer Wiener Rot-türkis-Koalition zu kontern.

- Das Rathaus-Team (Böswillige sagen auch: die "Rathaus-Mafia"), das schwer in die Jahre und (siehe Krankenhaus Nord) auch unter Druck gekommen ist, wird jetzt verabschiedet werden. Die Damen Brauner, Sima, Frauenberger & Co, die zuletzt mit aller - auch sehr intriganter - Macht gegen Ludwig Stimmung gemacht haben, werden nun wohl verabschiedet werden. Ludwig wird ein neues Team aufstellen - ein Team mit Zukunft.

Denn genau um die Zukunft von Wien geht es jetzt. Das Votum für Ludwig war ein Votum für eine neue Wiener Stadtpolitik, die - so wie einst unter Zilk - wieder mehr auf die Bürger hört, für die Sicherheit und Integration wieder im Vordergrund stehen, die aber Wien auch vom Schlusslicht der digitalen Entwicklung wieder an die Spitze der digitalen Zukunft führt.

 

Ludwigs Kampf beginnt erst: Jetzt muss er 2020 HC Strache schlagen

Der wahre Kampf des Michael Ludwig beginnt jetzt erst. Er muss zunächst die SPÖ Wien einen, was nach diesem grandiosen Parteitag (der als Musterbeispiel für direkte Demokratie in die Geschichte eingehen wird) nicht sehr schwer sein wird. Diese Partei hat im Duell Ludwig gegen Schieder bewiesen, wie demokratisch reif, persönlich fair und inhaltlich visionär sie ist. Diese Partei brennt - so wie zuletzt die ÖVP - auf einen Neustart.

Viel schwieriger wird es für Ludwig werden, die Wahl 2020 zu gewinnen. Da steht er einer schwarz-blauen Phalanx von FPÖ-Strache und ÖVP-Blümel gegenüber, die mit der neuen Macht der Bundesregierung die Roten nun auch noch aus dem Wiener Rathaus verjagen wollen.

Michael Ludwig hat das Zeug zu einem echten BÜRGER-Masta. Er geht auf die Menschen zu, kümmert sich um ihre Sorgen, ist wieder ein Politiker im Stil von Helmut Zilk. Aber er hat nur ein Jahr Zeit, diese Qualitäten auch als Stadtchef zu entwickeln - dann geht es schon ins Wahl-Duell gegen Strache.

Michael Ludwig kann die SPÖ wieder einen, vor allem Wien wieder auf Zukunfts-Kurs bringen und die Politik wieder bürgernah machen - aber er wird vom ersten Tag an "Vollgas" geben müssen.

Die Medien-Hetze von Schieder wurde von den SPÖ-Delegierten abgestraft

Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache: Es gehört offenbar zum neuen Stil der "alten" Kern-SPÖ, dass der Wahlverlierer vor seinem Debakel seinen Frust an den Medien auslässt. Diesmal konnte es sich Andreas Schieder nicht verkneifen, auf ÖSTERREICH hinzumotzen, weil wir schon vor Wochen - übrigens völlig richtig und fast auf die Delegiertenstimme genau - einen Wahlsieg Ludwigs prognostiziert hatten. Das wird in einer Demokratie ja hoffentlich noch erlaubt sein, dass man ein Wahl-Ergebnis RICHTIG voraussagt (und nicht so wie unser Konkurrenz-Blatterl "Heute" gefälschte Schieder-Prognosen mit einem angeblichen Schieder-Wahlsieg druckt).

ÖSTERREICH hat sich in den letzten Wochen vor dem Parteitag extrem fair, respektvoll, neutral verhalten, beiden Kandidaten den selben Raum für Interviews gegeben. Aber dass man als Medium - basierend auf exzellenter Recherche - das RICHTIGE Ergebnis prognostiziert, darf auch der links-linke SPÖ-Flügel nicht verbieten.

ÖSTERREICH ist zuletzt zweimal mit seiner Prognose völlig richtig gelegen - zuerst mit Sebastian Kurz, jetzt mit Michael Ludwig. Das zeigt, dass wir das richtige G'spür für unsere Leser und die Wähler haben.

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