Wolfgang Fellner Kommentar "Das sagt Österreich"

Wolfgang Fellner

Das sagt Österreich

Das Herz hat gestern über den Kopf gesiegt.

Gegen die Logik. Der große Sieg der Wehrpflicht-Befürworter zeigt deutlicher als viele andere Ergebnisse, wo in Österreich Wahlen gewonnen werden: Am Land – und nicht in der Großstadt. Am Stammtisch – und nicht in den Parteizentralen. In den vielen Vereinen – und nicht in den Medien. Und vor allem im Herz – und nicht im Kopf. Vom Kopf und von der Logik her hat alles für die Umstellung unserer Zwangs-Armee auf ein Profi-Heer gesprochen. Fast alle Opinion Leader (primär natürlich in Wien) waren sich einig, dass es sinnvoller wäre, Profis für die Sicherheit zu verwenden. Nahezu alle Medien waren einhellig dafür, die Zwangspflicht für junge Menschen abzuschaffen. Vom Hirn also war alles klar: Ein Profi-Heer ist besser.

Doch die Österreicher haben gestern mit Herz, Emotion und auch mit Tradition entschieden. Der ÖVP-Slogan Heer aus dem Volk für das Volk traf das Gefühl genau. Die Österreicher wollen kein Risiko bei der Rekrutierung, sie wollen schon gar keine Unwägbarkeiten bei Katastrophendienst und Rettung.

Mobilisiert haben nicht die Parteien, sondern zehntausende Vereine
Hunderttausende gut organisierte Freiwillige haben ein emotionales Votum für den „Dienst am Staat“ abgegeben. Dieses Votum ist bedingungslos zu respektieren – weil es das erste Ergebnis der neuen direkten Demokratie ist. Jetzt muss Österreich das Wunder schaffen, die als unreformierbar geltende „Zwangs-Wehrpflicht“ neu aufzustellen.

Die Sieger sind Michael Spindelegger und Erwin Pröll. Jetzt steht die „graue Maus“ Spindi als großer Sieger da. Er hat den Kanzler zum Duell herausgefordert – und fulminant gewonnen. Die ÖVP wird nun eine Sieger-Dynamik bekommen. Als Erstes wird das Landeshauptmann Pröll spüren. Er hat mit seinem G’spür für den Wähler das Ergebnis 60:40 vorausgesagt – alles andere als eine Absolute für den „Wehrpflicht-Sieger“ wäre am 3. März eine Überraschung.

Klarer Verlierer des Volksbefragungs-Duells ist die SPÖ. Dort hat nur Michael Häupl mit seinem Wien-Ergebnis ein „Sieger-Image“. Sonst hat die Mobilisierung der eigenen Wähler versagt. Wie die SPÖ so die nächste Nationalratswahl gewinnen will, ist schleierhaft.

Als Bilanz der Wahl bleibt: Gewinnen kann man in Österreich nur mit dem Land, mit den Vereinen – und nur mit dem Herz, nicht mit dem Kopf allein.
 

Meinung an: wolfgangfellner@oe24.at



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