05. Dezember 2006 14:20

Sex-Kongress in Wien 

Tote Hose im Schlafzimmer

Mega-Sex-Kongress zu Ende. Zweitausend Sexperten kamen zu traurigem Ergebnis: Bei uns herrscht Frust im Bett.

Tote Hose im Schlafzimmer
© ap

Die Zahlen, die derzeit beim größten Sexual-Kongress, der hierzulande je über die Bühne ging (diese Woche tagen 2.000 Sexualmediziner in der Wiener Hofburg) präsentiert werden, überraschen selbst Fachleute:

- Jede dritte Frau zwischen 18 und 24 Jahren verspürt kein sexuelles Verlangen.
- 28 Prozent der Frauen zwischen 18 und 34 Jahren leiden unter Orgasmusstörungen.
- Jeder siebente Mann zwischen 18 und 44 Jahren hat kein Bedürfnis nach Sex (Libidoverlust).
- Und jeder dritte Österreicher leidet unter vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox).
- Jeder siebente Mann zwischen 18 und 44 Jahren hat kein Bedürfnis nach Sex (Libidoverlust).

Die Sexperten machten auch die wichtigsten Trends aus:

Trend 1: Die Spermien-Bremse.
Sexualmediziner erwarten für nächstes Jahr die Zulassung eines Medikaments, das ungeduldige Spermien bremsen soll. Allerdings muss es schon eine Stunde vor dem Verkehr eingenommen werden. An einer Wunderpille, die Frauen tolle Orgasmen verspricht, wird im Sinne mangelnder Gleichberechtigung leider noch nicht gearbeitet...

Trend 2: Neue Paar-Therapien.
Zumindest stehen die Partnerinnen von sexualgestörten Männern aber unter wissenschaftlicher Beobachtung. Immerhin ist durch die Probleme des Partners auch die Lebensqualität der betroffenen Frauen eingeschränkt. Der britische Mediziner Dr. Ian Eardley dazu: „Ein eindeutiger Zukunfts-Trend ist es, Paare künftig ganzheitlich zu begreifen – und dementsprechend auch gemeinsam zu behandeln.“ Leidet zum Beispiel eine Frau beim Geschlechtsverkehr unter Schmerzen, stecken in vielen Fällen psychologische Ursachen – die wieder mit dem Partner zu tun haben – dahinter. Die Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sexualmedizin, Dr. Elia Bragagna, analysiert: „Durch Schmerzen wird für jede sechste Frau der Verkehr zur Qual. Die Ursachen dafür sind meist seelisch bedingt.“

Trend 3: Starke Potenzpillen.
600.000 Österreicher kennen das Gefühl, wenn ihr bester Freund im Ernstfall schlapp macht. 150.000 von ihnen greifen deshalb immer wieder zu einer der drei am Markt etablierten Potenzpillen. Hier zeigt die Paarforschung eine erfreuliche Entwicklung: Was dem Mann hilft, nützt auch der Partnerin, denn ein aktives Sexleben hält die Beziehung frisch. Siegfried Meryn: „Für ein erfülltes Sexualleben der Frau bedarf es allerdings mehr, als nur einen gesunden Partner zu haben. Die sexuelle Frauengesundheit muss künftig zum zentralen Thema werden.“

Trend 4: Lust im Alter
Experten erforschen längst die wachsende Zielgruppe der Oldies. Dr. Meryn über die Lust im Alter: „Drei von vier Menschen über 60 verspüren den Wunsch auf Geschlechtsverkehr. Auch jede und jeder Zweite über 70 bekennt sich dazu.“ Was durchaus eine erfreuliche Entwicklung ist.

Trend 5: Erotik des Sports
Pillen alleine können nicht für ein erfülltes Liebesleben sorgen. Lust und Potenz seien auch die Folge eines gesunden Lebensstils, so Meryn: „Übergewicht kann Diabetes verursachen – und die Hälfte dieser Patienten leidet unter sexuellen Störungen.“ Um gesund und sexuell aktiv zu bleiben, raten die Forscher Männern wie Frauen zu drei Stunden Sport pro Woche: Frauen bauen dadurch Stress ab, bei Männern erhöht sich die Potenz um 30 Prozent. Kongress-Teilnehmerin und Urologin Astrid Zeitelberger-Renz bringt es auf den Punkt: „Use it or lose it!“ – An dem Spruch ist was dran. Denn auch das beste Stück muss in Form gehalten werden...

Claudia Schanza, Oliver Schönsleben


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