So lief die EM-Quali für unser ÖFB-Team

Verpatzter Start, souveränes Finish

So lief die EM-Quali für unser ÖFB-Team

Foda noch im Juni unter Druck, aber mittlerweile Teamchef mit bestem Punkteschnitt.

Österreichs Fußball-Nationalmannschaft hat sich für die EM 2020 qualifiziert - und das auf eine letztlich souveräne Weise, wie sie noch vor wenigen Monaten nicht absehbar gewesen war. Die ÖFB-Auswahl startete nämlich mit zwei Niederlagen in die Qualifikation, trotzdem buchte sie dank des 2:1-Erfolgs am Samstag in Wien gegen Nordmazedonien schon eine Runde vor Schluss das EURO-Ticket.

Sollte nun das bedeutungslose Auswärtsmatch am Dienstag in Lettland ebenfalls gewonnen werden, hätte Franco Fodas Team 2019 so wie im Vorjahr sieben volle Erfolge eingefahren. Mehr Siege innerhalb eines Kalenderjahres gab es zuletzt 1982. Foda hält derzeit bei einem für österreichische Nationaltrainer bisher unerreichten Punkteschnitt von 2,1 pro Spiel, am nächsten kommt ihm diesbezüglich noch Karl Stotz (1,88).

Und dennoch wackelte vor nicht allzu langer Zeit der Job des Deutschen. Das Heim-0:1 gegen Polen und vor allem das 2:4 in Israel im März zum Auftakt der Qualifikation setzten Foda unter Druck. Im Juni aber schwenkte das ÖFB-Team durch Siege über Slowenien und Nordmazedonien wieder auf EM-Kurs ein und ließ sich davon im Herbst nicht mehr abbringen.

Die Juni-Partien markierten nicht nur aufgrund der sechs Punkte einen Wendepunkt. Sie brachten auch das Debüt von Konrad Laimer und den Aufstieg von Marcel Sabitzer zum absoluten Leistungsträger. Mit der Bedeutung der beiden Leipzig-Legionäre wuchs im ÖFB-Team der Einfluss des von Pressing und geradlinigem Spiel nach vorne gekennzeichneten Red-Bull-Fußballs. Diesen Stil haben auch weitere aus der Nationalmannschaft nicht wegzudenkende Akteure wie Valentino Lazaro, Stefan Lainer, Martin Hinteregger oder Andreas Ulmer verinnerlicht.

Fodas Herausforderung im kommenden Jahr wird es nun sein, die Spielweise der "Bullen" mit jener von arrivierten ÖFB-Internationalen wie Marko Arnautovic, David Alaba, Aleksandar Dragovic oder Julian Baumgartlinger noch besser in Einklang zu bringen. Außerdem warten noch weitere Aufgaben auf den Coach: So ist etwa die Suche nach einem unumstrittenen, Sicherheit ausstrahlenden Einsergoalie nicht abgeschlossen, auch ein halbwegs gleichwertiger Back-up für Arnautovic als Solospitze fehlt.

Zumindest eine Baustelle hat Foda in seiner zweijährigen Amtszeit aus dem Weg geräumt. Alaba kommt beim Deutschen auf verschiedenen Außenpositionen, aber nicht mehr im Zentrum zum Einsatz. Marcel Koller hingegen stellte den Bayern-Profi regelmäßig als Mittelfeldspieler auf, was vor allem nach der verkorksten EURO 2016 für heftige Diskussionen gesorgt hatte.

Ein enttäuschendes Abschneiden wie bei der Endrunde in Frankreich will Foda bei der in zwölf Ländern ausgetragenen EM von 12. Juni bis 12. Juli tunlichst vermeiden. Die Vorzeichen dafür stehen nicht schlecht. Österreich verfügt über eine hohe Anzahl von Stammspielern und Leistungsträgern in Top-Ligen und viele junge Spieler, die in die A-Auswahl drängen.

Zudem könnte die Nationalmannschaft von einer Erwartungshaltung profitieren, die ausnahmsweise nicht zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt pendelt. 2016 träumten nicht wenige österreichische Anhänger aufgrund der überragenden Qualifikation von einer großen EM-Sensation, acht Jahre zuvor wiederum hatten heimische Fans per Online-Petition sogar das Nicht-Antreten des ÖFB-Teams wegen angeblicher Chancenlosigkeit gefordert.