Kraetschmer

"Stümperhaft"

Austria-Boss schießt gegen seine Spieler

Der Haussegen bei der Austria Wien hängt gehörig schief. 

Anstatt die Minimalchance auf den Europacup wahrzunehmen, taumelt die Wiener Austria dem Saisonende entgegen. Nach der 2:3-Niederlage gegen Mattersburg am Samstag ist man mit zehn Punkten Rückstand auf Platz fünf praktisch aus dem Rennen. "Einfach schlecht", sagte Trainer Thomas Letsch, "stümperhaft", urteilte Clubvorstand Markus Kraetschmer, der einen Umbruch offenbar regelrecht herbeisehnt.

"Unglaublich, die UEL-(UEFA Europa League, Anm.)Quali-Chance wird stümperhaft verschleudert", twitterte Kraetschmer nach einer Partie, in der man trotz zweimaliger Führung durch Dominik Prokop (7.) und Alexander Grünwald (14.) letztlich als Verlierer vom Platz ging. Vor allem in der Defensive entblößte man sich mehrmals, die beiden Salzburg-Leihen Masaya Okugawa (9.) und Smail Prevljak (28.) nützten das weidlich aus. Dass man nach einer Topchance im Konter der 92. Minute den entscheidenden Treffer durch Andreas Gruber (92.) kassierte, setzte einer nur offensiv gefälligen Vorstellung die Krone auf.

 
"Wie wir in der ersten Hälfte verteidigt haben, war nicht grenzwertig, sondern einfach schlecht", sagte Letsch, der im Mittelfeld auf den angeschlagenen Raphael Holzhauser hatte verzichten müssen. "Es war uns klar, dass wir, wenn wir (dort) mit Alexander Grünwald und Tarkan Serbest spielen, auf die spielerische Komponente setzen", meinte der Deutsche. "Wir haben es versäumt, die Räume zuzumachen." Auch für Außenverteidiger Florian Klein agierte Violett "in den Zweikämpfen nicht konsequent" und standen die Linien "zu weit auseinander".
 
Auch wenn am kommenden Samstag das direkte Heimduell mit der derzeit fünftplatzierten Admira ansteht, sind die Chancen auf ein EL-Ticket minimal. Selbst Mattersburg verdrängte die Austria um drei Punkte auf Platz sieben, auch die Burgenländer treffen noch auf die Admira. "Es war klar, dass wir das Spiel gewinnen mussten. Zurzeit fehlt einfach der Glaube an uns", sagte Klein. "Wir dürfen nicht in einen negativen Trend reinkommen, den man dann auch in die kommende Saison mitnimmt."

Kraetschmer: "Kann mich nur bei allen Veilchen entschuldigen"

Geht es nach Kraetschmer ("Ich kann mich nur bei allen Veilchen entschuldigen!"), ist dann ohnehin alles anders. Er forderte einen "klaren Umbruch". "Mentalität wird in der Spielerauswahl für den neuen Kader extrem wichtig sein!", polterte der Klubvorstand. Zahlreiche Verträge laufen aus, die Causa Holzhauser wolle man in der kommenden Woche endgültig klären, erklärte er auf Sky. Kritik mussten sich am Samstag aber nicht nur die Spieler gefallen lassen. Nach Schlusspfiff forderten Fans in Sprechchören den Rauswurf von Sportdirektor Franz Wohlfahrt, mit dem erst im Jänner verlängert wurde.
 
Bei Mattersburg herrschte hingegen beste Laune, die kleine Europacupchance lebt. "Wir sind knapp dran", freute sich Trainer Gerald Baumgartner, der sein Team auch in einem psychologischen Vorteil wähnte. "Wir haben den Luxus, dass wir auf den fünften Platz schielen dürfen, nicht müssen, so wie die Austria." Siegtorschütze Gruber meinte: "Beide hätten vielleicht den Sieg verdient, aber der, der mehr gekämpft und gelaufen ist, hat das verdient gewonnen."

Admira hat Trümpfe in der Hand

Die Trümpfe weiter in eigener Hand hat jedenfalls die Admira. Die zuletzt gegen Salzburg (2:6) und Rapid (1:4) unter die Räder gekommenen Südstädter erledigten ihre Pflichtaufgabe mit dem Heim-4:2 gegen den WAC. "Es war wichtig, es war ein Befreiungsstoß, der Druck war sehr groß", sagte Admira-Trainer Ernst Baumeister. Seine vergangene Woche geübte Kritik an der Motivation einiger Spieler hat sich ausgezahlt. "Anscheinend hat es gewirkt. Die Spieler haben Charakter gezeigt", lobte der 61-Jährige.
 
Der im Sommer zum LASK wechselnde Markus Wostry trat etwa mit einem Doppelpack positiv in Erscheinung. Schon in den nächsten Runden können der Abwehrchef und Co. in den direkten Duellen mit der Austria und Mattersburg eine (Vor)-Entscheidung herbeiführen. "Ich habe schon vor ein paar Wochen gesagt, das ich eher Mattersburg als Konkurrent sehe. Das bestätigt sich jetzt, weil sie ein sehr gutes Frühjahr spielen und die Austria zu unkonstant ist", meinte Baumeister.