Rapid Wien

Derby-Eklat: Das sagen die Fans - das sagt die Polizei

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Die Wogen gehen hoch: Fans warfen Böller, die Polizei umzingelte 1.300 Menschen.

Was geschah Sonntagabend? Beim Marsch der Rapid-Fans in das Austria-Stadion flogen pyrotechnische Gegenstände auf die Südosttangente. Auch eine Rauchgranate fanden die Be­amten bei den Fans. Die Polizei kreiste die Anhänger daraufhin ein und nahm die Identität aller 1.338 Personen auf. Helmut Mitter, Vorstand von Rechtshilfe Rapid, will deswegen eine Maßnahmenbeschwerde einbringen.

Von „Folter“ spricht die Rechtshilfe Rapid, von „Fehlinformationen“ die Wiener Polizei.

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Derby-Eklat: Das sagen die Fans - das sagt die Polizei

Das sind die Vorwürfe der Rapid-Fans

➔ Minus 2 Grad. „Bis zu sieben Stunden lang mussten die Menschen bei minus zwei Grad in der Kälte ausharren.“ Auch kleine Kinder waren laut Zeugen länger als fünf Stunden „eingekesselt“

➔ „Das ist Folter“. „Bringt den Eingekesselten Tee oder macht was gegen diese unmensch­liche Behandlung. Das ist Folter“ – so eine Twitter-Nachricht der Rechtshilfe Rapid.

➔ „Kollabiert“. „Leute kippen um und müssen ärztlich versorgt werden“, steht in einem Posting. Auch die ÖH Uni Wien meldete sich: „Eine Person erlitt eine Panikattacke.“ Außerdem seien Fans ­wegen der Kälte kollabiert: „Drei Personen mussten aus dem Kessel getragen werden.“

➔ „Skandalös“. Rapid-Präsident Michael Krammer machte sich vor Ort ein Bild der Ereignisse: „Das hätte ich im Rechtsstaat Österreich nicht für möglich gehalten … Das halte ich für skandalös.“

 



 

 

Protokoll eines Fans: So erlebte Oliver M. die Eskalation

  • Eingekreist. Ohne Information wurden wir ­eingekesselt. Es gab keinen Weg mehr hinein bzw. hinaus.
  • Kein Weg raus. Auf die Frage an einen Beamten, wie lange die Sperre noch dauern würde, schallte als Antwort nur entgegen: „Das Stehen seid’s ja eh von der Sonderschule gewöhnt!“
  • Zusammenbruch. Nach rund drei Stunden begannen die ersten Personen, an ihre eigenen Grenzen zu stoßen: keine Toiletten, kein Essen, keine Getränke. Dann begann der Irrsinn, seinen Lauf zu nehmen. Die ersten Fans, meist Damen, brachen kreislaufbedingt zusammen.
  • Verbrecher. Endlich war ich dran: Ich wurde wie ein Schwerverbrecher durchsucht, ein Beamter verlor komplett die Beherrschung, drohte mit der Arrestzelle und begann, mich anzuschreien. „Ich stehe auch seit 6 Stunden ohne etwas zu trinken hier!“
  • Ende. Während der gesamten 6 Stunden 27 Minuten meiner Gefangenschaft wurde kein einziger Gegenstand auf die Tangente geworfen.

 



 

 

Das sagt die Polizei zu den Vorkommnissen

➔ „Gefährdung“. Wegen der Böllerwürfe auf die Autobahn spricht die Polizei von dem Tatbestand der Gemeingefährdung, „da eine Gefahr für das Leben oder das Eigentum einer größeren Zahl von Menschen herbeigeführt wurde“.

➔ „Stadionverbot“. Wiens ­Polizeipräsident Gerhard Pürstl dankt in einer Aussendung den Beamten für den „schwierigen Einsatz“: „Gewalt hat auch beim Fußball nichts verloren. Die Wiener Polizei ist dieser entschieden entgegengetreten.“ Er wünscht sich nun, dass der Verein „gegen alle gewaltbereiten Fans, soweit sie ihm bekannt sind, konsequent, auch mit Stadionverboten, vorgeht.“

Klage. Der Einsatz wird jetzt zum Fall für die Justiz: Rapid-Präsident Krammer rät den Fans, zu klagen.

Polizei-Protokoll: "Menschen und Häuser werden beworfen"

  • Gefährdung. „Massiver Gebrauch von Pyrotechnik“: Bewurf von Häusern, Geschäften und Personen.
  • Tangente. Autos werden beschossen. Beide Fahrtrichtungen werden gesperrt, „um gefährliche Situa­tionen zu vermeiden“.
  • Eskalation droht. Kilometerlanger Stau bildet sich. Das Bewerfen der Straße ist laut Polizei „im strafrechtlichen Sinn eine vorsätzliche Gemeingefährdung (§ 176 StGB)“, ein Delikt, das mit einer bis zu zehnjährigen Freiheitsstrafe bedroht ist. Die Fans werden „angehalten“, da eine Eskala­tion befürchtet wird.
  • Kreislauf. Erste Person klagt über Beschwerden. Drei Sanitäter sind vor Ort, kommen 22 Mal zum Einsatz.
  • Weigerung. Viele Fans weigern sich, ihre Ausweise herzuzeigen.
  • Rauchgranate. Bei Kontrollen wird sogar eine Militär-Rauchgranate gefunden.
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