"ManCity hat uns verarscht"

Lehrspiel für Bullen

"ManCity hat uns verarscht"

Bullen in Manchester chancenlos. Stevens will, dass Team daraus lernt.

Selten hat das Wort Lehrstunde ein Spiel besser beschrieben. Dementsprechend will Österreichs Fußball-Meister Red Bull Salzburg aus der 0:3-Auswärtspleite gegen Manchester City , die das endgültige Aus in der Europa League besiegelt hat, zumindest eines mitgenommen haben - Erfahrung. Die Starkicker waren den ängstlichen Salzburgern am Mittwochabend in allen Belangen überlegen. "Die haben uns verarscht", gestand ÖFB-Teamspieler Jakob Jantscher.

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    Erfahrungen mitnehmen
    "Die Jungs können aus diesem Spiel viel lernen", meinte Salzburg-Trainer Huub Stevens. Für die vielen Fehler im Spielaufbau zeigte der Niederländer aber nur bedingt Verständnis. "Wir haben es City viel zu einfach gemacht. Wir haben zu viele Fehler gemacht - nicht nur die jungen Spieler, sondern auch die erfahrenen", kritisierte Stevens. "Es war ein deutlicher Klasseunterschied da." Der sei aber auch auf die vielen verletzungsbedingten Ausfälle in seiner Mannschaft zurückzuführen.

    Tor nach Pinkelpause
    Die Spieler des Abends waren Doppeltorschütze Mario Balotelli, in dem Mancini noch deutliches Steigerungspotenzial ortet, und Flügelspieler Adam Johnson mit seinem Traumtor zum Endstand (78.). Zuvor hatte er während des Spiels in der Kabine eine mehr als dreiminütige Pinkelpause eingelegt - ein weiteres Zeichen, wie ernst man den österreichischen Fußball auf der Insel nimmt. Schon in der voraussichtlichen Aufstellung vor dem Spiel hatte die "Daily Mail" Stürmer Roman Wallner bei den Salzburgern ins Tor gestellt.

    Svento hielt mit Fußbruch durch
    Die nächste Hiobsbotschaft setzte es für Salzburg bereits in Manchester. Mangels verbliebener Wechselmöglichkeiten spielte Dusan Svento die Partie trotz einer schweren Verletzung zu Ende. Beim slowakischen Internationalen besteht der Verdacht auf einen Bruch des fünften Mittelfußknochens - eine Ermüdungsverletzung. Der Flügelspieler würde damit mehrere Monate ausfallen.

    Fehlende Pausen
    "Diese Verletzung kommt nicht von ungefähr", ärgerte sich Stevens. "Die Spieler haben nicht nur viele Spiele, sondern auch keine Regeneration." Svento etwa hatte im Sommer die WM-Vorbereitung mit der Slowakei mitgemacht und danach keine zwei Wochen Pause gehabt. Stevens hatte zuletzt bereits den engen Terminplan der Liga kritisiert. "Langsam muss man sich etwas überlegen", meinte der 57-Jährige. "Denn Verletzungen haben nicht nur wir."

    Bullen-Lazarett
    Simon Cziommer und Stefan Hierländer dürften leicht angeschlagen, aber ohne gröbere Blessur davongekommen sein. Dennoch werden am Samstag im Ligaschlager gegen Vizemeister Austria wieder zumindest sechs Spieler fehlen. Die Verletzungen seien laut Stevens auch ein Grund, warum man nicht an die Europa-League-Leistungen der Vorsaison hatte anschließen können. Damals hatten die Salzburger noch alle ihre Gruppenspiele gewonnen.

    Durststrecke prolongiert
    Mittlerweile wartet der ÖFB-Meister sieben Europacup-Spiele vergeblich auf einen vollen Erfolg. Das Lehrspiel gegen City hielt Stevens aber vor allem für seine jüngeren Spieler Jantscher (21), Hierländer (19) oder Martin Hinteregger (18) für wertvoll. "In 200 Trainingseinheiten nimmt man nicht so viel mit wie aus diesem Spiel", meinte Verteidiger Hinteregger. Der U21-Teamspieler hatte erst diese Woche seinen Vertrag in Salzburg bis 2014 verlängert.

    Aufgrund der prekären Personalsituation ist es gut möglich, dass die Bullen im Winter noch einmal auf dem Transfermarkt zuschlagen. Über eine Verpflichtung von Außenverteidiger Laszlo Bodnar dürfte in den nächsten Tagen entschieden werden. Weiterführende Aktivitäten wollten weder Stevens noch Sportchef Dietmar Beiersdorfer ausschließen. "Wir werden uns das in aller Ruhe anschauen und dann unsere Schlüsse ziehen", erklärte Beiersdorfer.

    Beiersdorfer weist Wechselgerüchte zurück
    Die Chancenlosigkeit gegen ManCity wollte Beiersdorfer nicht überbewerten. "Das Spiel war auch ein Stück weit zum Lernen da", meinte der Deutsche. In der Liga herrsche ein "total anderes Niveau". Gerüchte, wonach er vom 1. FC Köln für den vakanten Job als Sportdirektor kontaktiert worden sei, wies Beiersdorfer als ebensolche zurück. "Das sind nur Spekulationen. Als von Hoffenheim jemand gesucht worden ist, ist auch mein Namen gefallen", erinnerte der Fußball-Spartenchef von Red Bull.