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Bronze - Kreiner holt Snowboard-Medaille

Weltmeisterin Marion Kreiner konnte das kleine Finale für sich entscheiden.

Marion Kreiner (28) hat die dritte Snowboard-Olympiamedaille der Geschichte für Österreich gewonnen. Die steirische Weltmeisterin siegte am Freitag am Cypress Mountain bei Sturm und Regen im Parallel-Riesentorlauf im Kampf um Platz drei und holte damit wie Gitti Köck 1998 in Nagano und Siegfried Grabner 2006 in Turin Bronze. Gold ging bei miserablem Wetter an die Niederländerin Nicolien Sauerbreij vor der Russin Jekatrina Iljuchina.

"Wahnsinn, ich bin sprachlos. Das ist ein Traum", jubelte Kreiner. "Eine Medaille wollte ich, das habe ich geschafft. "Freilich weinte sie auch ein bisschen der vergebenen Chance auf mehr nach: "Ich bin schon ein bisschen traurig, dass es ,nur' Bronze geworden ist."

Strömender Regen
Bei "100 Prozent Luftfeuchtigkeit" - sprich strömendem Regen - zeigten die ÖSV-Damen zunächst, dass sie auch das miserable Wetter am Zypressenberg nicht demotivieren konnte. Kreiner gewann die Qualifikation souverän vor Sauerbreij und Landsfrau Günther, auch Claudia Riegler (7.) und Teambaby Ina Meschik (11.) schafften den Aufstieg in die Achtelfinal-KO-Runde.

Bereits da nass bis auf die Unterhose und trotz des zusätzlich aufkommenden Nebels setzten Kreiner und Co. ihren Lauf auf der schnell schlechter werdenden Piste vorerst fort. Während mit Jekaterina Tudegeschewa auch die dritte der drei im Weltcup siegreichen Russinnen schnell ausschied - die anderen zwei waren wie die Schweizer Mitfavoritin Fränzi Mägert-Kohli schon der Qualifikation auf der Strecke geblieben -, kamen drei der vier ÖSV-Damen problemlos ins Viertelfinale.

Überraschendes Günther-Aus
Nur Doris Günther, in der Qualifikation noch souverän Drittschnellste, schied gegen die Deutsche Selina Jörg unerwartet aus. Dabei war die routinierte Salzburgerin mit gewaltigen 1,5 Sekunden Plus in den Retourlauf gegangen, verspielte mit einem Fehler im Mittelteil auf dem blauen Kurs aber ihren ganzen Vorsprung und musste sich geschlagen geben. Entsetzt vergrub die Vizeweltmeisterin aus Zell ihre Gesicht in den Händen.

Im Viertelfinale erwischte es dann auch Riegler und Meschik, wobei vor allem das Aus für die junge Kärntnerin bitter war. Obwohl sie den ersten Heat gegen die Deutsche Selina Jörg um 0,38 Sek. verloren hatte und im zweiten Heat auf der immer mehr brechenden Piste schon beim zweiten Tor stürzte, verlor sie um nur 8/100.

Die Villacherin, die für Olympia Heidi Neururer vorgezogen worden war, schleuderte daraufhin wütend ihre angelaufene Brille in den Schnee. Meschik belegte nach der Durchführung der angesichts des Wetters und der Piste eher unangebrachten Fahrten um die Plätze fünf bis acht letztlich Platz 6. Riegler wurde nach zwei kuriosen Solo-Läufen (Amelie Kober trat nicht mehr an) inklusive zweier Stürze 7. und Günther belegte Endrang 9.

Kreiner hingegen war auch im Viertelfinale souverän und ließ der Deutschen Anke Karstens nicht den Funken einer Chance. Dort schied auch die deutsche Topfavoritin Amelie Kober aus, was der Österreicherin ein Halbfinal-Medaillenmatch gegen Iljuchina einbrachte.

Verpatztes Semifinale
Ausgerechnet gegen die vierte und letzte Russin im Bewerb, die noch nicht einmal einen Weltcup-Podestplatz erobert hat, biss sich Kreiner dann die Zähne aus. Nach Lauf eins souverän 1,5 Sekunden vorne, musste die Grazerin im zweiten Heat auf einem der vielen Schläge des vor allem oben katastrophalen blauen Kurses zu Boden und verlor bei diesem Steher jedes Tempo. "Als ich gestürzt bin, habe ich gedacht, alles ist vorbei", sagte Kreiner.

Sie kämpfte sich zwar stark zurück, musste Iljuchina aber doch noch um 0,14 Hundertstel den Vortritt lassen. Im Kampf um Bronze gegen Meschik-Bezwingerin Jörg blieb die Steirerin dann aber souverän. Nach der Zieldurchfahrt feierte sie Bronze mit einem lauten und erlösenden Schrei.

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Marion Kreiner (Olympia-Dritte)
"Die Freude über Bronze überwiegt. Eine Medaille war grundsätzlich mein Ziel, ganz oben wär's mir natürlich lieber gewesen. Um Platz drei oder vier ist es ganz schwierig, ich habe aber die Nerven bewahrt und noch ein gutes Rennen runtergelegt. Das taugt mir irrsinnig. Im Halbfinale habe ich versucht eine höhere Linie zu fahren, es hat mich verschlagen, das war's dann. So was kommt einmal vor bei zehn Läufen, leider im blödesten Moment. Ich werde erst später einordnen können, ob Olympia-Bronze wichtiger ist als WM-Gold, im Moment taugt mir beides."

Christian Galler (ÖSV-Koordinator)
"Wir freuen uns sehr über Marions Bronze. Aber so wie unsere Hasen heute gefahren sind, wäre mehr drin gewesen. Die widrigen Verhältnisse haben alle getroffen, wir haben es selbst vergeigt. Doris Günther hat in aussichtsreichster Position klassisch verbremst, sie war sich schon zu sicher. Ina Meschik hat gezeigt, dass sie ein Riesentalent ist, ein richtiger Sonnenschein im Regen. Claudia Riegler hat sich gut verkauft, Marion mit kleinem Fehler das Finale vergeigt und dann das eigentlich schwerere Finale gewonnen. Das haben wir in Turin auch schon anders erlebt. Die Burschen haben zugeschaut und wissen jetzt, was am Samstag auf sie zukommt. Sie nehmen sicher einen guten Schwung mit für Samstag."

Claudia Riegler
"Das Gute war, dass die Veranstalter einen guten Job gemacht haben, gegen das Wetter kann man nichts tun. Ich fahre weiter bis zur nächsten WM, dann ist Schluss."

Amelie Kober (GER)
"Ich bin schwanger, das ist der Grund, warum ich nicht mehr gefahren bin. Ich beende die Saison entweder gleich oder nach dem nächsten Rennen in Russland. Aber meine Karriere ist noch nicht definitiv vorbei."

Nicolien Saurbreij (erste Snowboard-Olympiasiegerin für die Niederlande)
"Ich bin pitschnass, aber glücklich. Ich hab diese Woche mehrmals von Bronze geträumt und musste mich immer gegen Gold wehren im Traum. Dass ich eine Flachländerin bin ist kein wirkliches Problem für eine Snowboarderin, auch wenn man viel reisen muss."

Ekaterina Iljukina (Silber/1. Snowboard-Medaille für Russland)
"Snowboarden ist in Russland sehr populär. Jetzt kämpfen wir in Sotschi um Gold."