Björndalen hat Chancen, Björn Dählie abzulösen

Biathlon

"König Ole" wieder auf Medaillenjagd

Sollte Björndalen 4 Goldene gewinnen, wäre er der erfolgreichste Olympionike.

Biathlon-Superstar Ole Einar Björndalen will die Medaillenjagd bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver gleich am Sonntag (20.15 Uhr MEZ) mit Sprint-Gold eröffnen. Der 35-jährige Norweger hat sogar Chancen, seinen Landsmann Björn Dählie als erfolgreichsten Winter-Olympioniken aller Zeiten abzulösen. Dafür würde "König Ole" in fünf Disziplinen allerdings vier Goldmedaillen benötigen.

Fünf Goldene
Björndalen hält bei neun Olympia-Medaillen, fünf davon in Gold. Dählie ist achtfacher Olympiasieger, war dazu viermal Zweiter. "Björn ist ein ganz außergewöhnlicher Sportler. Aber ich werde versuchen, ihn zu überholen", erklärte der 14-fache Weltmeister. Legende Dählie ist voll des Lobes für seinen möglichen Nachfolger. "Er wird ein größerer Olympia-Champion als ich", meinte der 42-Jährige. Auch, weil Björndalens Hunger nach Erfolgen noch lange nicht gestillt ist. "Sotschi 2014 ist ganz klar ein Ziel", erklärte der Unersättliche, der mit 93 Weltcup-Siegen (92 im Biathlon, 1 im Langlauf) bereits einen Rekord hält.

"Solange es mir Spaß macht, laufe ich weiter", sagte Björndalen vor seiner fünften Olympia-Teilnahme. Das halbe Dutzend will der Biathlet voll machen. Keine schönen Aussichten für die Konkurrenz, die sich nun schon seit mehr als 15 Jahren die Zähne an dem Skandinavier ausbeißt. Der Hauptkonkurrent von Björndalen kommt aus dem eigenen Lager - Jungstar Emil Hegle Svendsen.

2006 in Turin hatte der Deutsche Michael Greis mit dreimal Olympia-Gold die Show gestohlen, 2010 wollen es auch die Österreicher mit ihrem starken Quartett Simon Eder, Dominik Landertinger, Christoph Sumann und Daniel Mesotitsch tun.

Dominator
Vor acht Jahren in Salt Lake City hatte Björndalen die Bewerbe dominiert. Alle vier Biathlon-Bewerbe hatte der Ausnahme-Athlet gewonnen, nachdem er zuvor bereits bei den Spezial-Langläufern über 30 km (Christian Hoffmann nachträglich zum Olympiasieger erklärt) Platz fünf belegt hatte. "In Turin hatte er sich viel vorgenommen, aber keine Goldmedaille errungen. Er war zwar gut, hat Medaillen mit nach Hause genommen, aber halt keine Goldene. Letztendlich werden Olympische Spiele immer danach abgerechnet", meinte Greis.

In den Bergen oberhalb von Whistler will es Björndalen besser machen. Er hat dem Unternehmen Olympia alles untergeordnet. Der Superstar hat wie Svendsen mehrere Weltcup-Stationen ausgelassen und den gesamten Trainingsaufbau auf die Spiele ausgerichtet. "Ich habe im Laufe der Zeit sehr viel ins Schießen investiert", verriet Björndalen. "Dieses Jahr habe ich mehr mental gearbeitet, mit einer neuen Schießphilosophie." Dabei soll er sich unter anderem vom österreichischen Schnellschützen Eder inspirieren haben lassen.

Wer Björndalen schlagen will, muss also nicht nur schnell laufen, sondern auch schnell und sicher schießen. Für den sechsfachen Gesamtweltcupsieger aus Drammen das Resultat harten Trainings. "Ich hasse langsames Training, das ist Mist", sagte Björndalen, der sich auch im Sommer kaum Pausen gönnt und in seiner norwegischen Heimat an Form und Material feilt. Im Winter ist er großteils in seiner Wahl-Heimat Obertilliach in Osttirol anzutreffen. "Es gibt immer etwas weiterzuentwickeln, das dann im Rennen ein paar Prozente bringen kann", erklärte Björndalen, der vor 18 Jahren sein Debüt im Weltcup gefeiert hatte.