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Walchi-Interview

"Muss mich aus dem Dreck rausziehen"

Michael Walchhofer gibt nach der Pleiten-Abfahrt noch nicht auf:

Michael Walchhofer (34) kaut schwer an seiner Abfahrtspleite. Im Interview spricht er über geplatzten Goldtraum und die Folgen.

ÖSTERREICH: Herr Walchhofer, wussten Sie schon während Ihrer Fahrt, dass es nicht reichen wird?
Michael Walchhofer: Natürlich habe ich gemerkt, dass es nicht optimal läuft. Aber dieses Gefühl hatte ich schon öfter und bin dann am Ende vorne gelegen. Mein Ergebnis passt einfach ins Bild. In dieser Saison läuft in der Abfahrt nichts zusammen. Leider auch bei Olympia nicht! Wenn du um die Goldmedaille fahren willst und Zehnter wirst, ist es ein Scheiß.
ÖSTERREICH: Gibt es etwas, das Sie sich im Nachhinein vorwerfen müssen?
Walchhofer: Jetzt bin ich einmal enttäuscht. Dass wir ohne Medaille geblieben sind, nagt schon. Aber ich war vielleicht mit ein bisschen zu viel Gewalt unterwegs. Ich kann die Situation schwer beschreiben, aber vielleicht fehlt mir schon seit längerer Zeit auch das Glück. Ab Lake Louise war ich immer in Schlagweite, rausgeschaut hat im Endeffekt ein geerbtes Podium in Bormio.
ÖSTERREICH:
Werden Sie am Ende der Saison Ihre Karriere beenden?
Walchhofer: Gleich nach dem Rennen hätte ich es am liebsten auf der Stelle gelassen. Da hat es mich schon g’scheit anzipft. Aber als Sportler hast du das Ziel, dich sofort wieder aus dem Dreck rauszuwühlen. Das ist jetzt auch notwendig.
ÖSTERREICH: Das heißt, Sie werden bei der WM 2011 in Garmisch dabei sein?
Walchhofer: Vielleicht bin ich dabei. Die Chancen stehen 50:50. Aber ich bin jetzt seit fast 20 Jahren im Spitzensport und habe so lange für diese eine Goldmedaille bei Olympia gekämpft. Natürlich ist das ein schwerer Rückschlag, aber Rückschläge gehören zu einer Karriere dazu. Eine Goldmedaille hätte wahrscheinlich mein Leben verändert. Nur darüber muss ich mir jetzt keine Gedanken mehr machen. Leider.
ÖSTERREICH: Sie waren sogar für die Super-Kombi im Gespräch. Haben Sie aus Frust auf einen Start verzichtet?
Walchhofer: Nein. Das hat nichts mit der Abfahrt zu tun. Das Thema ist eigentlich schon seit meinem Sturz in Kitzbühel vom Tisch. Ich konnte ja nicht einmal Slalom trainieren. Da wollte ich mir das wirklich nicht antun.