Stoss muss sich den Deutschen erklären

Dopingvorwürfe

ÖOC-Präsident Stoss sucht Gespräch

Der ÖOC-Präsident sorgte mit seinen Dopingvorwürfen für Aufsehen.

Der neue ÖOC-Präsident Stoss wird nach seinen Doping-Mutmaßungen über deutsche Sportler ein persönliches Gespräch mit seinem deutschen Amtskollegen Bach führen. Stoss erklärte, dass sich unter jenen 30 im Vorfeld der Winterspiele positiv getesteten Athleten keine Österreicher befinden. "Das kann ich ausschließen, das weiß ich, das wurde mir mitgeteilt", sagte er.

"Wenn sie das Wort Humanplasma in den Mund genommen haben, dann denke ich, dass auch eine ganze Menge deutscher Sportler da auf der Liste stehen", hatte Stoss in der ZDF-Dokumentation "Mission Gold - Die Blutspur der Dopingbetrüger" gesagt und gemeint, man sollte nicht mit Steinen in Glashäusern werfen, wenn man selbst drinnen sitze. Daraufhin hatte Bach ein Schreiben an Stoss mit der Bitte um Aufklärung gerichtet.

Auf die Frage, woher Stoss Informationen über Namen auf der im Rahmen der Blutdoping-Affäre kolportierten "Humanplasma-Liste" habe, sagte dieser zur APA: "Es kommt aus früheren Zeiten. Ich werde Ihnen nichts dazu sagen, sondern ich werde ein persönliches Gespräch mit dem Präsidenten Bach führen. Das liegt mir besonders am Herzen, weil wir das gemeinsame Ziel haben, dass wir wirklich alles daran setzen, dass der Sport in Zukunft dopingfrei wird. Und dass die Leistungen, die erbracht werden, wirklich ehrlich und sauber zustande kommen." Er habe Bach am Donnerstag kurz gesehen und vereinbart, ein Gespräch mit ihm zu führen.

Neben dem DOSB hatte auch der deutsche Skiverband von Stoss Namen gefordert. Göttrik Wewer, der Geschäftsführer der deutschen Anti Doping Agentur (NADA) teilte der APA am Mittwoch mit, dass nach seinen Informationen keine deutschen Sportler in die Humanplasma-Affäre verwickelt sind. "Sowohl unsere österreichischen Kollegen als auch die Staatsanwaltschaft haben uns ausdrücklich bestätigt, dass es in den vorliegenden Ermittlungsakten keinerlei Hinweise auf deutsche Sportler oder Sportlerinnen gibt." Die NADA Austria hatte erklärt, alles für die NADA Deutschland "Relevante" übermittelt zu haben. Dies lässt darauf schließen lässt, dass keine Namen von Deutschen genannt wurden.

Stoss habe mit der NADA keine Gespräche bezüglich der Humanplasma-Liste geführt und wisse nicht, was diese an Deutschland weitergegeben habe, sagte er. "Ich bin nicht die NADA und auch nicht Bestandteil der NADA. Darüber kann ich keinen Auskunft geben. Wenn es so ist, ist es okay, dann ist bestens", meinte der ÖOC-Präsident, der zur im Nachbarland entstandenen Aufregung nach seinem ZDF-Interview meinte: "Man kann sich natürlich über vieles aufregen, das passiert auch in Österreich öfters."

Die Humanplasma-Affäre aufarbeiten und mit den Altlasten aufräumen, das wünscht sich Stoss für die nahe Zukunft. "Und dann ist ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen." Und auch im Falle, dass prominente Sportler in die Doping-Affäre verwickelt sind, werde man konsequent sein. Danach möchte er seine ganze Kraft und seinen Elan in die Neugestaltung und Neuausrichtung den ÖOC investieren. "Auf die Zukunft sollte mein Hauptaugenmerk gerichtet sein und nicht auf die Vergangenheit."

Stoss weht in seiner erst kurzen Amtszeit schon ein scharfer Wind entgegen, er hat zum Beispiel bereits seinen Vizepräsenten Peter Schröcksnadel (der ÖSV-Präsident steht als Nachwirkung der Turin-Affäre in Italien vor Gericht), den Chef de Mission in Kanada, Hans Holdhaus, sowie die in Whistler genehmigten Olympia-Außenquartiere für die Skispringer rechtfertigen müssen. "Natürlich wäre es mir lieber, wenn nie etwas wäre und man nur Streicheleinheiten bekommt. Aber das ist wie im wirklichen Leben, das bekommt man nie."

Solange nicht das Gegenteil bewiesen werde, stelle er sich zu hundert Prozent vor seine Mannschaft. "Das ist ganz wichtig, sonst bin ich selber nicht glaubwürdig. Ich kann ja keine Zickzackpolitik betreiben. Ich stehe dazu und bin auch fest überzeugt, dass wir hier wirklich mit reinem Gewissen das beste Team beieinanderhaben."

Zu den Außenquartieren - in Turin wurden solche Schauplatz der Razzien durch die italienische Polizei - meinte Stoss: "Die Springer haben ein Erfolgsmodell, auch in den Quartieren. Sie verbringen sehr viel Zeit, fast 24 Stunden ständig miteinander. Betreuer, Trainer, Springer sind sehr aufeinander eingestellt, diese Homogenität wollten sie auch hier beibehalten."