Eine Maschine verpasst den letzten Schliff

Mega-Halfpipe

Olympia-Monster wartet auf Snowboarder

10.000 Kubikmeter Schnee wurden mit LKW und drei Hubschraubern herbeigeschafft.

Vor allem die Frauen hatten mit dem Kurs, auf dem der olympische Snowboard-Cross abgewickelt worden war, ihre liebe Not. Am Cypress Mountain bei Vancouver lauert aber noch ein zweites "Monster". Die Halfpipe ist mit 160 m Länge, 6,5 m Höhe und 20 m Breite die größte, längste und steilste in der Olympia-Geschichte. "Mensch und Maschine haben ein wahres Monster errichtet", hieß es im Pressetext.

Für den Bau dieser gigantischen halben Schnee-Röhre auf der Shaun White, Gretchen Bleier und Co. um Medaillen fuhren und sprangen, wurde ein 10.000 Dollar teures und mit dem speziellen Zaugg-Pistengerät per Funk verbundenes Lasersystem eingesetzt. Damit wurde eine geometrisch exakte Pipe geformt.

10.000 Kubikmeter Schnee
Die notwendigen 10.000 Kubikmeter Schnee über der schon im Sommer gegrabenen und mit Stroh aufgepeppten Erdform wurden mit LKW und drei Hubschraubern herbeigeschafft. Darunter befand sich auch ein knalloranger, riesiger Transporthelikopter (Sky Crane), der immer noch in Cypress parkt und täglich staunende Zuschauer zurücklässt.

Verantwortlich für den Bau der olympischen Riesen-Pipe war der Kanadier Steve Petrie, der seit 15 Jahren in diesem Business tätig ist. Seine Crew hat in den vergangenen drei Wochen täglich zwölf Stunden an diesem Giganten gearbeitet.

Einige Spitzenfahrer werden dieses Wunderwerk aus Menschenhand freilich nie zu Gesicht bekommen. Kevin Pearce, einer der wenigen Bezwinger von White in der jüngeren Vergangenheit, lag tagelang im Koma, nachdem er beim Training für Olympia schwer auf den Kopf gestürzt war. Sein US-Landsmann Danny Davis verunglückte vor kurzem mit einem ATV so schwer, dass er ebenfalls Olympia verpasst.

Mit dem Australier Nathan Jonstone ist einer der besten Halfpipe-Fahrer Australiens wegen eines Knöchelbruchs außer Gefecht. An seiner Stelle wurde der erst 15-jährige Scott James nominiert.

Bemerkenswertes Comeback
Dafür gibt es einige bemerkenswerte Olympia-Comebacks in der Snowboardszene. Der US-Amerikaner Chris Klug, der 2002 in Salt Lake City nach einer Lebertransplantation Bronze im Parallel-Riesentorlauf gewonnen und in Turin gefehlt hatte, ist trotz seiner bereits 37 Jahre wieder dabei.

Ähnliches gilt für die 31-jährige Schweizerin Laura Pesko, die wie die österreichische Boardercrosserin Doresia Krings ihre Karriere schon beendet hatte. Sie kehrte zurück und qualifizierte sich im Jänner mit einem vierten Platz am Kreischberg für den Halfpipe-Bewerb in Cypress.

Letztlich wäre da noch Mathieu Bozzetto. Ein ganzes Jahr hatte der Franzose ausgesetzt, jetzt will es der 36-Jährige nochmals wissen. Trotz dreier Olympia-Teilnahmen hat der Sieger von 35 Weltcuprennen noch keine Medaille gewonnen. Zuletzt schnappte ihm der Österreicher Sigi Grabner in Turin PGS-Bronze weg.