Owetschkin und Co spielfrei zum Sieg

Seit 22 Jahren

Russland will endlich Eishockey-Gold

Olympia: Sbornaja seit 22 Jahren ohne Olympiasieg.

Zwei Teams und die gleiche Mission: Titelverteidiger Kanada und Gastgeber Russland gehen als die zwei großen Favoriten in das olympische Eishockey-Turnier in Sotschi und alles andere als die Goldmedaille wird dort und da schon als Niederlage empfunden. Die USA, Olympia-Zweiter 2010, und Schweden, Olympiasieger 2006, gelten als stärkste Herausforderer beim großen Auftritt der NHL-Stars.

Das Turnier beginnt am Mittwoch (18.00 Uhr MEZ) mit den Partien Tschechien gegen Schweden und Lettland gegen die Schweiz. Österreich, das erstmals seit Salt Lake City 2002 wieder bei Olympia dabei ist, startet in der Gruppe B am Donnerstag (9.00 Uhr) gegen Finnland, am Tag darauf (18.00 Uhr MEZ) wartet Olympiasieger Kanada.

Die National Hockey League macht zum fünften Mal eine Olympia-Pause, um den Stars einen Auftritt auf der olympischen Bühne zu ermöglichen. Und alle sind gekommen. 142 Profis aus der stärksten Liga der Welt sind in Sotschi dabei und stellen fast die Hälfte (47,33 Prozent) der Spieler. Allen voran Alexander Owetschkin und Sidney Crosby.

Der größte Druck lastet auf den Russen, die im Finale am 23. Februar, der letzten Entscheidung in Sotschi, nach der für sie wichtigsten Goldmedaille greifen wollen. Die eishockey-verrückten Gastgeber warten seit 22 Jahren (1992 in Albertville) auf Gold. Seit auch die NHL dabei ist, gab es für die "Sbornaja" nur einmal Silber (1998) und einmal Bronze (2002) und mit Rang sechs in Vancouver 2010 einen historischen Tiefststand. Besonders bitter war vor vier Jahren das 3:7 im Viertelfinale gegen Kanada, auch bei der WM im vergangenen Jahr schlitterte Russland in eine Viertelfinal-Blamage (3:8 gegen die USA).

Die Hoffnungen der Gastgeber ruhen vor allem auf Owetschkin, der im Herbst bei der Entzündung des Olympischen Feuers dabei war und in der NHL die Torschützenliste überlegen anführt. Mit Pawel Dazjuk, Jewgenij Malkin und Ilja Kowaltschuk verfügt Russland über eine hervorragende Offensive.

Wie man dem Druck Stand hält und ein Heimturnier gewinnt, zeigten 2010 die Kanadier vor. Superstar Sidney Crosby entschied das Finale gegen die USA mit seinem Treffer zum 3:2-Sieg in der 8. Minute der Verlängerung, nun führt er eine NHL-Auswahl als Kapitän zur Titelverteidigung.

An der Bande steht wie vor vier Jahren Mike Babcock, Cheftrainer der Detroit Red Wings, er hat elf Olympiasieger von Vancouver wieder im Aufgebot. Herausragend ist Team Canada vor allem auf der Centerposition besetzt: Crosby, Ryan Getzlaf (Anaheim Ducks) und John Tavares, Sturm-Partner von Thomas Vanek bei den New Yord Islanders, liegen in der Punktewertung der NHL auf den Rängen eins, zwei und drei. Dazu kommen Jonathan Toews und Bully-Spezialist Patrice Bergeron. Eine Statistik spricht allerdings gegen Kanada: Seit der Teilnahme der NHL-Spieler haben Nordamerikaner noch nie auf dem größeren europäischen Eis triumphiert.

Als die stärksten Herausforderer gelten Schweden und die USA. Schwedens Trainer Pär Marts kann auf Stars wie Torhüter Henrik Lundqvist, Verteidiger Erik Karlsson oder die Stürmer Henrik Zetterberg und Daniel Sedin bauen. Dessen kongenialer Zwillingsbruder Henrik Sedin musste wegen einer Rippenverletzung allerdings absagen. Marts setzt mit einer Ausnahme nur auf NHL-Spieler, acht Weltmeister von 2013 sind auch in Sotschi dabei.

Die USA kommen so wie Kanada mit einer reinen NHL-Auswahl, die von Torhüter Ryan Miller, MVP (wertvollster Spieler) in Vancouver, und Kapitän Zach Parise angeführt wird. Medaillenchancen werden auch Finnland, das seit Lillehammer 1994 nur einmal ohne Medaille geblieben ist, Tschechien, das bei der ersten Teilnahme der NHL-Spieler 1998 in Nagano triumphiert hat, und der Slowakei, in Vancouver 2010 im Halbfinale, zugetraut. Ob die Schweiz ihren Coup von der WM im vergangenen Jahr, als die Eidgenossen Silber holten, wiederholen kann, scheint unwahrscheinlich.

In Sotschi werden einige der ganz großen Altstars ihren Abschied von der Olympia-Bühne geben. Bei den Finnen wird Teemu Selänne mit seinen sechsten Spielen den Teilnahme-Weltrekord von Landsmann Raimo Helminen einstellen. Der mittlerweile 43-Jährige stand schon 1992 in Albertville auf dem Eis - damals waren einige seiner jetzigen Teamkollegen noch nicht geboren. Tschechien wird angeführt von Jaromir Jagr, der während der Spiele seinen 42. Geburtstag feiert. Jagr ist der einzige, der schon 1998 beim Gold-Gewinn in Nagano dabei war.

Jagr (41), Selänne (43) und der Schwede Daniel Alfredsson (41) sind die einzigen Spieler, die seit der ersten NHL-Teilnahme in Nagano 1998 bei allen fünf Olympia-Turnieren dabei waren.