Reinfried Herbst

Im Slalom

Sogar Konkurrenz glaubt an ÖSV-Medaille

Für Aksel Lund Svindal hat Österreich das beste Slalom-Team der Welt.

Draußen weinte der Himmel mit Österreichs Skiherren, drinnen kletterten Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal bei der Sieger-Pressekonferenz gut gelaunt auf die Stühle, um ihre schrillbunten Norweger-Hosen herzuzeigen. Während Svindal in Vancouver seinen Medaillensatz komplettiert und das kleine Norsker-Team mit den Medaillen drei und vier sogar zu den US-Herren aufgeschlossen hat, rätselte selbst das Podium über Österreichs medaillenlose Herren.

Auch der Schweizer Sieger Carlo Janka sowie Jansrud und Svindal zeigten sich überrascht, dass Benjamin Raich und Co. nach vier von fünf Rennen noch immer ohne Edelmetall dastehen. "Also bisher ist es wirklich nicht gut gelaufen für die Österreicher", wunderte sich Janka. "Aber schaut Didier Cuche an. Er war Favorit in drei Disziplinen und ist leer ausgegangen", sorgte sich der Schweizer dann doch mehr um seinen Landsmann als um die Misere der Österreicher.

Der Überraschungs-Zweite Jansrud hatte zumindest für den Riesentorlauf schnell eine Erklärung gefunden. "So ist Olympia eben. Alles geht eng her, manchmal hat man Glück, manchmal Pech", befand der 24-Jährige. Einig waren sich aber alle darüber, dass noch nicht aller Tage Abend ist. "Österreich hat das beste Slalomteam der Welt. Wir sollten noch ein wenig warten, bevor wir davon sprechen, dass sie hier keinen Erfolg hatten", betonte Svindal.

"Arme" Nation
Der dreifache Vancouver-Medaillengewinner legte aber seinen Finger erstaunlich präzise auf einen anderen wunden Punkt. "Mehr als die Medaillenlosigkeit überrascht mich, dass die stärkste Skination der Welt mit nur zwei Läufern zur Kombination angetreten ist. Das ist arm. Wie ist so etwas möglich?", fragte sich der zweifache Weltcup-Gesamtsieger aus der Nähe von Oslo in aller Öffentlichkeit.

Eine Frage, die Österreichs Herrenchef Toni Giger zwar schon beantwortet hatte, die aber mehr als alles andere auf eines der entstandenen Probleme im ÖSV-Herrenteam hinweist. Zumindest für Vancouver glaubten aber selbst die drei Riesentorlauf-Medaillengewinner an ein "Happy End" für Austria. "Für eine Skination wie Österreich wäre es eine gute Sache, eine Slalommedaille zu gewinnen", befand auch Janka.

In knapp einer Woche geht in der Heimat der beiden Norweger mit den Trainings für die Abfahrt in Kvitfjell bereits wieder der Weltcup weiter. Und Janka ist Benni Raichs Hauptrivale im Kampf um die große Kristallkugel.

Janka will Gesamtweltcup
Mit dem Gewinn der Kugel könnte Raich auch viele Olympia-Enttäuschungen wettmachen, aber Janka formulierte noch in Kanada seine Angriffsparole: "Ich bin zwar derzeit müde und leer. Aber ich werde alles probieren, um ein möglichst großes Wort im Weltcup mitreden zu können. Tage wie diese geben mir dafür Auftrieb!"

Auch Svindal tröstete die Österreicher indirekt mit dem Verweis auf Cuche, der spätestens nach seinem Kitzbühel-Double zu den heißesten Olympia-Favoriten gezählt hatte. "Er war der beste Speedfahrer der Welt, als er sich im letzten Rennen vor Olympia verletzte. Es ist wirklich dumm für ihn gelaufen", litt Svindal mit dem Schweizer.

Der Norweger lüftete einen möglichen Grund, warum Cuche auch im Riesentorlauf neben sich gestanden war. "Er ist auch beim Einfahren mächtig abgeflogen in den Wald. Für mich sind die Spiele fast perfekt gelaufen, für Didier gar nicht", sagte Svindal. "So ist der Sport."

Vorbilder: Aamodt und Kjus
Dass er und Jansrud nun auch als Duo das fortführen würden, was die großen "Elche" Kjetil Andre Aamodt und Lasse Kjus vollbracht hatten, hält Svindal für vermessen. "Das ist ein harter Vergleich. Kjetil hat 20 Medaillen, Lasse 16. Die beiden sind Legenden, von denen ich viel gelernt habe. Ich hoffe, ich kann nun meinerseits Jansrud etwas weitergeben", betonte Svindal den engen Zusammenhalt im Norsker-Team.

Der talentierte Jansrud weiß freilich, dass das nun ein Anfang für etwas Großes gewesen sein kann. "Aber zunächst habe ich jetzt eine Menge damit zu tun, wenigstens mal in die Nähe von Aksel zu kommen."