Ein Trauerspiel aus rot-weiß-roter Sicht

Kommentar von S. Graf

Ein Trauerspiel aus rot-weiß-roter Sicht

Austro-Legende und Olympia-Expertin Steffi Graf über die Leistung des ÖOC-Teams.

Das, was unsere Athleten in Rio abliefern, ist leider ein Trauerspiel. Die fünften Plätze unserer Medaillenhoffnungen sind bezeichnend für die österreichische Mentalität. Anders als bei Weltmeisterschaften, wo du wachsen und dich von Jahr zu Jahr steigern kannst, muss bei Olympia alles passen. Denn diese Chance hast du nur alle vier Jahre. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Da zeigt sich, ob du tief im Innersten aus dem richtigen Holz geschnitzt bis.

Unsere Athleten haben am Start die Hosen voll

Warum vernebelt eine Öster­reicherin nach der anderen ihre Medaillenchance? Es ist die typisch österreichische Mentalität: Die sind so gut und wir nur irgendwie dabei. Wir gehen die Sache einfach zu demütig an. Und selbst dann, wenn eine Athletin wie Corinna Kuhnle als ­Semifinal-Schnellste ins Finale geht, zeigt sich dann irgendwann, dass sie die Hosen voll hat.

Dabei haben die meisten nur einmal in ihrer Karriere diese Chance. Ich war in Sydney 2000 dabei, und je mehr Zeit vergeht, desto stolzer bin ich über meine Silbermedaille. Olympia kannst du nicht üben. Du musst cool und abgebrüht genug sein, das durchzuziehen, was du drauf hast.

Warum haben Schweiz & Co. schon Medaillen?

Im Vergleich mit Slowenien, Tschechien, Ungarn oder der Schweiz, die in jeder Beziehung ähnliche Voraussetzungen wie wir haben, schaut es echt traurig aus. Warum haben die schon so einige Medaillen?

Die Wurzel des Übels sind die Fachverbände. Da sitzen großteils Leute mit null Fachwissen in wichtigen Positionen, die ihnen politisch zugeschanzt wurden. Das beste Beispiel ist die Leichtathletik, wo man das Fachwissen von ehemaligen Medaillengewinnern wie Sigrid Kirchmann, Klaus Bodenmüller oder Hermann Fehringer offenbar keinen interessiert. Bei den Schwimmern ist es ähnlich. Hauptsache, Markus Rogan arbeitet in Rio für die Brasilianer.

Ein Glück, dass jetzt Peter Schröcksnadel auch im Sommer das Sagen hat. Wenn man ihn langfristig arbeiten lässt, wird vielleicht doch noch was draus.

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