Olympia: Desolate Zustände im "Billig-Dorf"

Rio-Bürgermeister lacht

Olympia: Desolate Zustände im "Billig-Dorf"

Plastikschränke und verstopfte Toiletten - Dorf ist gar nicht olympisch.

Die Eröffnung des Olympischen Dorfes in Rio de Janeiro wird von einem handfesten Eklat begleitet. Gleich mehrere Delegationen sind mit der Ausstattung der Unterkünfte unzufrieden. Die Australier haben sich am Sonntag geweigert, einzuziehen.

Es gehe unter anderem um verstopfte WC-Anlagen, undichte Wasserleitungen sowie heraushängende Kabeln, wie Australiens Delegationsleiterin Kitty Chiller sagte. Sie hatte seit Tagen gegenüber den Organisatoren und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf die Probleme aufmerksam gemacht und intensiv auf eine Lösung gedrängt.

Daraufhin seien auch mehr als 1.000 Reinigungskräfte sowie zusätzliches Personal verpflichtet worden, um der Probleme Herr zu werden. Aber die Mängel, insbesondere die sanitären, seien nicht gelöst worden. Die Australier haben ihre Quartiere nun in nahen Hotels.

ÖOC beseitigt Mängel selbst

Rios Bürgermeister witzelte tags darauf über die Weigerung, in das "unbewohnbare" Dorf einzuziehen: "Wir werden ein Känguru hinstellen, damit sich die Australier wie zu Hause fühlen", sagte Eduardo Paes. Wirklich ernst scheint er die Sache nicht zu nehmen.

Nach einem Bericht der Zeitung "Folha de Sao Paulo" hatten die USA, Italien und die Niederlande die Instandsetzung ihrer Quartiere aus eigener Tasche bezahlt. Auch die Österreicher hatten einige zu beanstanden, allerdings ebenso selbst Hand angelegt, das teilte Christoph Sieber, der Chef des Mission des ÖOC, mit.

Eingezogen sind am Sonntag von unseren Athleten die Wildwasser-Kanuten Corinna Kuhnle und Mario Leitner sowie die Schützen Olivia Hofmann, Thomas Mathis, Gernot Rumpler und Alexander Schmirl.

Mini-Betten und Plastikschränke

"Ein Arbeitstrupp aus dem Österreich-Haus konnte in den letzten Tagen vorhandene technische Mängel wie Abwasserleitungen, Klo-Spülungen etc., beheben. Wir haben alles im Griff und die sportliche Vorbereitung auf die Spiele läuft für unsere ersten sechs Athleten nach Plan", bestätigte Sieber.

Schon im Vorfeld hatte es Bedenken wegen der sehr spartanischen Inneneinrichtung gegeben, in vielen Zimmern sollen unter anderen nur Plastikschränke stehen. Die Anlage mit 31 Hochhäusern liegt im wohlhabenderen Stadtteil Barra da Tijuca im Westen Rios, 1,5 Kilometer vom Olympiapark mit den meisten Sportstätten entfernt.

Mehr als 10.000 Athleten aus aller Welt sollen hier während der ersten Spiele in Südamerika wohnen. Dazu kommen Trainer, Betreuer und Ärzte. In der Spitze wird mit rund 18.000 Bewohnern gerechnet. Es gibt 3.604 Apartments.