Reichelt

Startnummern-Rennen?

Abfahrer hadern mit Piste & Bedingungen

Österreicher lecken ihre Wunden. Ursachenforschung ist angesagt.

Vier heiße Eisen hatte Österreich in der Herren-Abfahrt. Doch alle vier verglühten: Am Dienstag setzte es für unsere Speed-Asse ein Debakel. Sie avancierten bei perfekten äußeren Bedingungen nur zu Nebendarstellern, musste am Ende Aksel Lund Svindal zum Olympiasieg gratulieren.

94 Hundertstel fehlten Vincent Kriechmayr auf den Norweger, 82 auf Silber-Medaillen-Gewinner Kjetil Jansrud und 76 auf den Bronzenen, Beat Feuz. Als bester rot-weiß-roter Athlet belegte er Rang sieben. Titelverteidiger Matthias Mayer (1,21) als Neunter, Max Franz (11./1,50) und Oldie Hannes Reichelt (12./1,51) landeten ebenfalls im Feld der Geschlagenen.

Eine Tatsache, die für Ratlosigkeit sorgte: "Ich habe alles gemacht, was ich konnte. Mit so einer Fahrt bei den Klassikern in Wengen oder Kitzbühel bin ich sicher in den Top fünf. Ich kann mir nichts vorwerfen", sagte Reichelt im ORF. Er haderte auch mit der flachen Strecke und den kaum vorhandenen technischen Herausforderungen.

Er gab zu bedenken: "Wenn es Passagen gibt, wie die Steilhangausfahrt in Kitzbühel, trennt sich die Spreu vom Weizen, die gibt es hier nicht wirklich." Respekt zollte er den besten drei, die überall schnell seien. Reichelt selbst glaubt, dass er das in Jeongseon auch kann. Nur müsse eben alles zusammenpassen. Und das tat es bei keinem aus dem ÖSV-Lager.

Ursachenforschung bei Österreichern

Sportdirektor Hans Pum sah sein Quartett "unter Wert geschlagen". Eine Medaille sei das große Ziel gewesen, das wünsche sich ein jeder. Gefahren seien sie gut, hätten sich reingehängt und gefightet. "Das musst du jetzt wegstecken, morgen ist mit dem Super-G schon das nächste Rennen."

Hatte es an den Trainingstagen bis zu minus zwanzig Grad, so lag die Temperatur am Renntag bei Sonnenschein leicht im Plus. Es fiel auf, dass ab Startnummer zehn die Läufer zwischen der dritten und vierten Zwischenzeit viel verloren, Kriechmayr war mit der 17 der Läufer mit der höchsten Startnummer in den Top Ten. "Wir müssen uns genau anschauen, ob ein Wind gegangen ist, es weicher wurde mit der Sonneneinstrahlung, weil dann fangt es an, zu saugen", sagte Pum.

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Franz

Kriechmayr sprach von einer "getrübten" Stimmung, schließlich habe er eine sehr gute Fahrt runtergebracht. "Ich war überrascht über den Rückstand. Normalerweise, wenn ich diese Leistung abrufe, kann ich vorne mitmischen. Ich bin sehr enttäuscht."

Die verlorene Zeit im Mittelteil müsse man analysieren, das Material sei gut gewesen. "Was da schiefgelaufen ist, muss ich mit den Coaches besprechen." Die Medaillen habe es für die Besten der Saison gegeben. "Das hätte sowieso nicht gereicht, die sind einfach sehr stark, da müssen wir morgen zurückschlagen."

Ratlosigkeit herrschte auch bei Franz. "Ich habe keinen großen Bock geschossen. Mich zipft es voll an. Die Strecke ist geil, die Piste taugt mir. Ich hatte ein gutes Gefühl und eine große Freude." Vielleicht habe er etwas zu wenig Gefühl reingebracht, aber er habe alles probiert.