Der tiefe Absturz der ÖSV-Adler

"Wut im Bauch"

Der tiefe Absturz der ÖSV-Adler

Rosltosigkeit: Vor Teambewerb sind Skispringer am Grübeln.

Die österreichischen Skispringer stehen wie 2014 nach ihren zwei Olympia-Einzelbewerben mit leeren Händen da. Von der Großschanze gelang es Michael Hayböck am Samstag nicht, den zweiten Zwischenrang in eine Medaille umzumünzen, er wurde Sechster. Im Teambewerb gab es in Sotschi noch Silber, doch in Pyeongchang wäre Edelmetall für das Quartett von Cheftrainer Heinz Kuttin wahrlich eine Sensation.

Ernst Vettori, der Sportliche Leiter für Springen und Nordische Kombination im ÖSV, leidet mit der gesamten Mannschaft mit. "Es will uns heuer einfach nicht gelingen, dass wir die Sache auch zu Ende bringen. Stefan (Kraft, Anm.) war auf der kleinen knapp bei der Medaille beim ersten Sprung, Michael hat sie gehabt nach dem ersten Durchgang, aber die Endabrechnung ist bei Null", sagte Vettori und erzählte von den Anstrengungen, die Wende zum Besseren zu schaffen.

"Wir grübeln seit der Tournee, vereinzelt haben wir es ganz gut drauf. Es ist irrsinnig schwierig, das Ganze immer wieder neu aufzuzäumen, weil die Burschen natürlich deprimiert sind. Aber so ist der Sport. Das ist für die Betreuer gleich schwer wie für die Burschen."

Stefan Kraft sprach klar aus, wie sehr ein fehlender Erfolg auf die Stimmung drückt. "Es hätte uns allen gut getan, wenn wir etwas zu jubeln gehabt hätten. Michi war im ersten voll dabei, er hätte heute mehr draufgehabt. Ich war ein paarmal (im Weltcup, Anm.) Vierter, er jetzt Sechster. Im Moment denkt man sich, 'wann ist die Saison endlich vorbei'. Es fuchst, es will nicht ganz sein."

Im Teambewerb am Montag werde man dennoch alles versuchen, sagte der Doppel-Weltmeister von Lahti, der bei seinem Olympia-Debüt mit den Plätzen 13 und 18 enttäuschte. "Ich habe ein bisschen Wut im Bauch, vielleicht hilft das." Deutschland, Polen oder Norwegen zu überholen, sei freilich sehr schwierig, betonte der Weltcupsieger. Die Springer dieser drei Verbände seien aktuell sehr stark. "Es ist etwas eigenartig für uns, wie das geht", bemerkte Kraft. "Wir hüpfen sauber, im Video schaut's echt gut aus und dann kommen wir nicht ganz hin."

Um einen der drei Topfavoriten zu schlagen, würde man ein "Riesenwunder" benötigen. "Aber wir geben sicher nicht auf, wir werden uns perfekt vorbereiten, alles geben", versprach der 25-Jährige. "Vielleicht kann ich als Startspringer einen Zaubersprung auspacken."

Kraft machte aber kein Hehl daraus, dass die Negativspirale mittlerweile auch ihn erfasst hat. "Ich bin ratlos", gab der Salzburger zu. "Ich mache das, was mir gesagt wird und es fühlt sich auch ganz gut an. Ich schaue runter und glaube, die grüne Linie ist drinnen, aber nachher geht irgendwie nichts. Es ist irgendwie der Hund drinnen. Leider. Obwohl ich topfit bin. Ich habe mich olympisch gefühlt."

Cheftrainer Heinz Kuttin vermochte seine Enttäuschung nach dem zweiten Sprung Hayböcks auf dem Turm nicht zu verbergen. "Er hätte mit zwei sehr guten Sprüngen gewinnen können", sagte der Kärntner, nachdem Hayböck zuerst mit 140 Metern Bestweite des Durchgangs geschafft hatte und im Finale nach einem Fehler nur auf 131 gekommen war.

"Es ist so wie schon die ganze Saison", stellte Kuttin fest. "Der letzte Schritt, den wir uns alle erwarten, dass wir wieder ins Oberwasser kommen, wie im Vorjahr, der gelingt uns heuer nicht." Niemand könne sagen, warum das so sei. "Aber jetzt vor dem Teambewerb den Kopf in den Sand zu stecken, wäre der größte Fehler", sagte der 47-Jährige. Norwegen, Deutschland und Polen seien die Favoriten. "Slowenien, Japan und wir können eine Überraschung liefern", meinte Kuttin.

Hayböck bemühte sich um Optimismus und nannte seinen eigenen Weg zurück zum immerhin besten Saisonergebnis als Beispiel. "Da sieht man, wie schnell es gehen kann", betonte der 26-Jährige und wusste, dass für ihn selbst im Einzel viel möglich gewesen wäre. "Ich habe hier die größere Chance gehabt. Ich habe es in der Hand gehabt. Sch..."

Die übrigen zwei ÖOC-Springer des Quartetts wurden erst nach dem Training am Abend (Ortszeit/Beginn 12.00 Uhr MEZ) fixiert. Der für den Einzelbewerb nicht nominierte Gregor Schlierenzauer absolvierte mit den nicht für den zweiten Durchgang qualifizierten Manuel Fettner und Clemens Aigner eine interne Qualifikation.

Nach den Ergebnissen vom Samstag startet Norwegen als Favorit. Alle vier Springer des Teams von Alexander Stöckl landeten unter den besten acht. Die vom Olympia-Zweiten Andreas Wellinger angeführten Deutschen platzierten sich alle unter den besten 14 und auch der vierte polnische Teamkollege von Sieger Kamil Stoch lag als 19. nur knapp hinter Stefan Kraft.