Im Ski Team Austria kommt keine Panik auf

Giger: "Wir haben zu viel riskiert"

Drei Rennen, keine Medaille! Während die ÖSV-Damen bei Olympia in den Speed-Rennen mit Super-G-Gold für Andrea Fischbacher und Abfahrts-Bronze durch Elisabeth Görgl positiv überrascht haben, wiesen die Herren nach drei Bewerben mit Speed-Anteilen eine Nullbilanz vor. Bevor in Kanada die Techniker auf den Plan traten, stellte sich Herrenchef Toni Giger am Sonntag der Analyse der Schlappe.

Laut diesen Analysen haben es die ÖSV-Läufer offenbar bisher zu sehr erzwingen wollen. Der Abfahrts-Vierte Mario Scheiber etwa habe an den falschen Stellen zu viel riskiert und damit Tempo für die Flachstücke verloren, so Giger. Im Falle von Michael Walchhofer sei da einerseits die Knieverletzung des Salzburgers gewesen, auch dem Ex-Weltmeister habe in den wichtigen Passagen aber vor allem der Schwung gefehlt. Giger: "Das ist so wie wenn ein Bobfahrer mitten im Kurs links und rechts anschlägt."

Unter dem Strich habe man bei Olympia bisher viele gute Teilleistungen verzeichnet. "Wir hatten aber keinen, der in einem Rennen von oben bis unten alles sehr gut gemacht hat." Der Kardinalfehler: "Wir haben bei den Übergängen ins Flache zu viel riskiert und den Schwung nicht mitgenommen." Die Erkenntnis sei wichtig, weil es im Riesentorlauf dieselbe Aufgabenstellung gebe.

Dass die Skination Österreich mit nur drei Läufern an der Kombination teilgenommen hatte, erklärte Giger so: "Wir haben Verletzte wie Walchhofer, Reichelt oder Rainer Schönfelder." Ein Abfahrtseinsatz von Marcel Hirscher hätte dessen Spezialdisziplinen beeinträchtigt, ist Giger überzeugt. Mario Matt sei längere Zeit ein Thema gewesen, "er will aber nicht mehr auf die Abfahrt gehen. So jemand zu zwingen, wäre verantwortungslos!"

Es fehle aber weder an Siegfahrern noch an Persönlichkeiten, beteuerte der Herrenchef, der selbst trotz der augenblicklichen Misere weder amtsmüde ist, Abnützungserscheinungen im Trainerstab erkennt oder schlecht schläft. Nach der Super-G-Schlappe habe er sich aber den Frust "rausschreien" müssen, gestand er.

Giger wird auch dann nicht vorzeitig das Handtuch werfen, wenn man tatsächlich medaillenlos heimfahren müsste. "Ich betreue die Mannschaft bis zum Ende der Saison, egal was passiert", betonte er. Immerhin sei da auch noch der Weltcup. "Die Kombikugel gehört schon uns und bis auf die Abfahrt ist noch alles offen für uns. Das wird sogar eine der eher guten Saisonen."

"Die Stimmung ist nicht schlecht", betonte auch Benjamin Raich. "Wir müssen jetzt dranbleiben, weiterarbeiten, dann wird sich der Erfolg auch irgendwann wieder einstellen", sagte Raich über die Gesamt-Situation, die auch für ihn neu ist. "Als ich dazukam, hatten Fahrer der ersten Gruppe teilweise nicht einmal einen Startplatz."

Der bald 32-jährige Tiroler glaubt zu wissen, was zur augenblicklichen Situation geführt hat. "Man kann die Zeiten nicht mehr vergleichen. Wir hatten Anfang 2000 auch einen Materialvorteil, da haben jetzt viele aufgeholt."

Außerdem habe man einfach nicht mehr Stars in der Fülle von damals, wie sie Andreas Schifferer, Hans Knauß, Fritz Strobl, Hermann Maier, Christian Mayer usw. gewesen seien, betonte Raich. "Das zusammen macht die Situation so, wie sie derzeit ist. Ich habe immer noch sehr gute Leute um mich, es fehlt nur einfach die Dichte. Und Maschinen sind wir auch nicht."