Machtkampf um Ski-Thron ausgebrochen

Götschl im Duell mit Walchhofer

Machtkampf um Ski-Thron ausgebrochen

Heute steigt Wahlausschuss für ÖSV-Präsidentenwahl und die Kandidaten werden für das ÖSV-Präsidentenamt fixiert.

 

Wer tritt nach 31 Jahren Amtszeit die Nachfolge von Peter Schröcksnadel an? Schon seit Monaten tobt ein Machtkampf um die ÖSV-Spitze. Und heute tagen in dieser Causa die Landesverbände im Wahlausschuss - im persönlichen Rahmen in Grödig.

Dabei geben die potenziellen Nachfolgekandidaten offiziell ihre Bewerbung ab. Bei Ex-Abfahrtsweltmeister Michael Walchhofer scheint dies gewiss zu sein. Hinter Ex-Abfahrtsweltmeisterin Renate Götschl steht noch ein Fragezeichen. Obwohl sie als Wunschlösung von Schröcksnadel gilt.

Nachteil für Walchhofer in Kampfabstimmung

Es scheint zwei Lager zu geben. Tirol, Vorarlberg und Wien sollen aufseiten von Schröcksnadel und damit auch Götschl stehen. Wobei sich Götschl außerdem der Stimmen aus der Steiermark sicher sein kann. In einer Kampfabstimmung wäre dies die Mehrheit. Dazu soll es freilich nicht kommen.

Wie in der Vergangenheit stets üblich soll noch vor der Länderkonferenz am 19. Juni eine Einigung auf einen Kandidaten erfolgen. Für diese "Konsenslösung" plädierte der 79-jährige Schröcksnadel auch in der ORF-Sendung Sport am Sonntag.

Vize-Amt ist für Götschl offensichtlich kein Thema

Doch davon scheint man im ÖSV noch weit entfernt zu sein. Eine Lösung, die Walchhofer als Präsident und Götschl als Vizepräsidentin vorsieht, lehnte Götschl im ORF indirekt ab. "Ich kandidiere als Präsidentin", meinte die 45-Jährige knapp. "Sie müssen beide zusammenfinden in irgendeiner Form", stellte Schröcksnadel fest. Der Tiroler findet ohnehin, "dass die gesamte Diskussion dem Skiverband enorm schadet."

Rücktritt in ÖSV heizt Gerüchteküche an

Parallel zum Prozess um die Nachfolge von Schröcksnadel ist vor dem (heutigen) Treffen des Wahlausschusses Oberösterreichs Ski-Landesverbandspräsident Fritz Niederndorfer mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Das machte der LSV OÖ per Aussendung bekannt. Bis zur Wahl des neuen Präsidiums übernimmt Vizepräsident Bernhard Zauner die OÖ-Geschäfte. Zauner wird auch am ÖSV-Wahlausschuss am späteren Dienstag in einem Hotel in Anif bei Salzburg teilnehmen.

Der aus den Landesverbandspräsident/Innen zusammengesetzte Wahlausschuss versucht, sich am Dienstag trotz der aktuell höchst verzwickten Lage auf einen neuen ÖSV-Präsidenten zu einigen. Zur Wahl stehen der Salzburger Michael Walchhofer sowie die Steirerin Renate Götschl. Sollte es zu keiner Einigung kommen, hat man weitere neun Tage Zeit für eine Entscheidungsfindung. Präsentiert werden soll der Nachfolger oder die Nachfolgerin Schröcksnadels, der nach 31 Jahren nicht mehr kandidiert, am 19. Juni bei der Länderkonferenz in Villach.

Rätselraten um Hintergrund

Der nunmehrige Rücktritt Niederndorfers vom höchsten Amt im OÖ-Landesverband nach fünf Perioden bzw. 15 Jahren überrascht insofern, als der LSV OÖ vor allem dank Alpinski-Doppelweltmeister Vincent Kriechmayr die mit Abstand beste Saison dieses Bundeslandes hinter sich hat. Der Rücktritt sei aber unabhängig von der ÖSV-Situation und aus persönlichen Gründen erfolgt, hieß es vonseiten des Verbandes.

Oberösterreich hatte sich zudem einst einstimmig zu Walchhofer bekannt. Daran ändere auch der nunmehrige Rücktritt Niederndorfers nichts, wurde vom LSV OÖ versichert. Niederndorfer meinte in einer Aussendung u.a., er wolle dem Landesskiverband durch neue Personen und Ideen die Möglichkeit geben, sich weiter zu entwickeln. Der LSV OÖ wird sein neues Präsidium Anfang September wählen.

In mehreren Medienberichten wird jedoch die Glaubwürdigkeit der offiziellen Version infrage gestellt. Vor allem die „persönlichen Gründe“ sollen ihre Ursache sehr wohl im aktuellen Machtkampf begründet haben. So berichteten die „Oberösterreichischen Nachrichten“ von „angeblichen Schröcksnadel-Interventionen“, die zum Rücktritt geführt hätten. Auch der „Standard“ beruft sich auf Insider, dass auf Niederndorfer, dessen Tochter als oberösterreichische Nachwuchshoffnung gilt, „enormer Druck“ ausgeübt worden wäre.

Video zum Thema: Ski: Schröcksnadel-Nachfolge als Zerreißprobe
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