Schild will wie Raich Slalom-Gold holen

Letzte als einzige Chance - Schild um Slalom-Gold

Vordergründig sind die Blicke auf die Salzburgerin Marlies Schild gerichtet, die am Freitag mit dem olympischen Slalom ihr erstes Großereignis seit der Rückkehr nach der Beinverletzung vor sich hat und auch als Topfavoritin gilt. Es gilt aber auch, die Nullnummer von der WM 2009 in Val d'Isere zu tilgen, als es keine der vier Österreicherinnen ins Klassement geschafft hatte.

Die Ausgangsposition für das rot-weiß-rote Quartett ist jedenfalls eine völlig andere als vor einem Jahr. Laut Programm sollen die Damen auf der in den bisherigen Alpin-Rennen den Herren vorbehaltenen "Dave Murray"-Piste ihren Slalom austragen, die Medaillen-Anwärterinnen sind neben der zweifachen Saisonsiegerin Schild die Niederösterreicherin Kathrin Zettel, die heuer mit dem Slalom in Maribor ihren ersten Weltcup-Triumph in dieser Disziplin gefeiert hat, sowie die deutschen Schwestern Maria und Susanne Riesch, die Französin Sandrine Aubert, die Tschechin Sarka Zahrobska oder aber auch die Slowenin Tina Maze, die sich auf dem Whistler-Schnee wohl zu fühlen scheint.

Hatte ÖSV-Damen-Cheftrainer Herbert Mandl bei den Welttitelkämpfen in Hochsavoyen mit Schild und Nicole Hosp die zwei Top-Technikerinnen vorgeben müssen, so ist in Kanada zumindest Schild wieder mit dabei, und damit die beste Slalomläuferin der Gegenwart. Die Tirolerin Hosp fehlt nach einer weiteren Verletzung erneut. Aktuell neue Nummer zwei bei den Österreicherinnen im Slalom ist Zettel, die im Weltcup aber sogar vor Schild (Rang vier) und hinter Maria Riesch an zweiter Stelle anzutreffen ist und mit den Rängen 3, 4, 3, 2, 3, 1 eine Traumsaison hinlegte.

Schild klassierte sich zuzüglich der zwei Siege in Lienz und Flachau an zweiter und an sechster Stelle, dreimal fiel sie aber auch aus. Die Lebensgefährtin von Benjamin Raich bezeichnete nach ihrer langwierigen und schweren Verletzung allein die Teilnahme an den Winterspielen schon als Gewinn, eine Einzel-Goldmedaille freilich fehlt ihr noch, am nächsten dran war sie 2007 bei der WM in Aare gewesen, als sie sich in stärkster Form als absoluter Siegestipp Nummer eins hinter Zahrobska mit Silber begnügen musste. Den bisher einzigen Olympiasieg im Slalom für Österreich hat 1992 in Albertville Petra Kronberger errungen.

"Das Denken an das runde goldene Ding muss ich auf die Seite schieben und mich auf das konzentrieren, was zu tun sein wird. Abgerechnet wird am Ende", sagte Schild , die vor vier Jahren in Turin hinter der Schwedin Anja Pärson, die als Titelverteidigerin in Whistler Creekside ebenfalls wieder eine Medaille anpeilt, und Hosp Dritte geworden war. Ihr Erfolgsrezept: "Ich weiß, dass es mit krampfhaftem Schnellfahren nicht funktioniert. Ich muss am Start eine Gaude haben und über den Rhythmus ein gutes Gefühl finden. Dann bin ich schnell."

Die letzte Chance für den Alpindamen bedeutet gleichzeitig die einzige für Schild, hat sie sich wegen ihrer Verletzung doch im laufenden Winter auf den Slalom spezialisieren müssen. Michaela Kirchgasser und Elisabeth Görgl sind die weiteren zwei ÖSV-Teilnehmerinnen, nach bisherigen Saisonverlauf sind die Erwartungen aber nicht zu hoch angesetzt. Anders bei den Riesch-Schwestern, die sich wie immer am Start wieder gegenseitig pushen werden, wie es ihr Ritual ist, und zum großen Schlag ausholen wollen.

Ob die US-Amerikanerin Lindsey Vonn entscheidend in den Medaillenkampf eingreifen wird, bleibt abzuwarten und ist eher fraglich. Trotz des beim Sturz im Riesentorlauf am Mittwoch zugezogenen Fingerbruchs - eines der zuletzt zahlreichen Missgeschicke - will die Abfahrts-Olympiasiegerin an den Start gehen. "Ich kann nur versuchen, meine gute Laune zu behalten. Ich weiß, dass ich gut gefahren bin und manchmal gehst du unter, wenn du attackierst. Ich kann nur hoffen, dass mein Finger okay ist und ich am Freitag fahren kann", sagte Vonn.