Enttäuschung bei Walchhofer groß

ÖSV-Abwärtstrend bei Abfahrt setzte sich fort

Der aktuelle ÖSV-Abfahrtstrend im alpinen Ski-Weltcup hat sich auch bei den Olympischen Spielen fortgesetzt. Statt einer Medaille gab es nur Blech, mit langen Gesichtern absolvierten Mario Scheiber (4.), Klaus Kröll (9.), Michael Walchhofer (10.) und Hans Grugger (22.) den Interview-Marathon im Zielraum von Whistler. Scheiber fehlten nur 0,21 Sekunden auf Gold und nur 0,12 auf Bronze.

ÖSV-Alpinchef Hans Pum, der stets die mannschaftliche Leistung betrachtet, brachte es auf den Punkt. "Es war keine fehlerfreie Fahrt von unseren Leuten dabei." Die Abfahrt sei das große Ziel gewesen und der vierte Platz tue sehr weh. Scheiber, der ob seines schmerzhaften Knöchels fitgespritzt worden war, musste sich auch zum Lächeln zwingen. "Bei Olympia zählen nur die ersten Drei, alles andere ist wurscht. Ich kann mit dem vierten Platz irgendwie zufrieden, aber auch nicht zufrieden sein. Ich werde weiterkämpfen und nach vorne schauen."

Unruhige Piste, teilweise schlechte Sicht - einfach war es für die Läufer nicht, obwohl es erstmals seit Tagen zu regnen aufgehört hatte. "Ich habe mich voll runtergekämpft, es hat leider nicht gereicht", meinte Scheiber, der sich nicht auf die Suche nach den zwei Zehnteln begeben wollte. "Die findest du gleich irgendwo." Man dürfe einfach keine Fehler machen, und ihm seien zu viele davon passiert. Und dann äußerte er einen Wunsch: "Der Vierte sollte auch Medaille bekommen, eine durchsichtige."

"Ihr zieht eh noch das längere Gesicht als ich", begrüßte Walchhofer die Medienvertreter. Der Traum des Salzburgers vom Abfahrtsgold war geplatzt, die Enttäuschung riesig. "Ich bin ab dem Mittelteil einfach ein bisserl zu gerade gefahren, entsprechend habe ich den Schwung nicht so optimal mitgenommen, da hat es mich ein bisserl rausgetragen", analysierte der dreifache Familienvater und gab zu: "Ich habe schon auch zu viel gewollt. Die Mischung zwischen fein und aggressiv fahren hat nicht ganz gepasst. Wenn du um die Goldmedaille fahren willst und Zehnter wirst, ist es ein Scheiß."

Walchhofer tat es für seinen Kollegen Scheiber leid, der knapper an der Medaille drangewesen war. "So wie es heute gelaufen ist, das spiegelt die Weltcupsaison wider. Nun hoffe ich, dass sich auch im Super-G die Weltcupsaison widerspiegelt", sagte der Führende im Disziplin-Weltcup. "Aber alles Trenzen hilft nichts. Es rennt in der Abfahrt überhaupt nichts zusammen, da muss sich was tun." Von einer der bittersten Stunden seiner Karriere wollte der Weltmeister von 2003 aber nicht sprechen: "Bei weitem nicht. Wenn du irgendwo im Netz landest, ist das viel schlimmer."

Auch wenn im Moment der Ausgang der Abfahrt am wichtigsten scheine, so wolle er sich doch selbst nicht zu wichtig nehmen. "Wenn man so eine traumhafte Familie hat, was will man mehr. Klar, eine Goldene in der Abfahrt wäre schön. Aber ich sage, für mein allgemeines Leben wird sich nichts ändern. Eine Goldene hätte wahrscheinlich mehr geändert." Wenn man ihn jetzt fragt, ob er seine Karriere fortsetzt, sagt er: "Momentan 'zipft' es mich gescheit an, ich würde es am liebsten auf der Stelle lassen. Aber als Sportler hast du das Ziel, dich sofort wieder aus dem Dreck rauszuwühlen, das ist jetzt auch notwendig."

Kröll hatte erstmals in dieser Saison wieder das Gefühl, dass er konkurrenzfähig gewesen sei. "Abschnittsweise hab' ich gemerkt, dass was weitergeht. Zwei Kurven habe ich leicht verhaut, das darf nicht sein. Ich hätte eine Chance gehabt auf eine Medaille. Das einzige Positive ist, dass ich weiß, wo ich es verloren habe. Aber bei Olympia zählen nur die ersten drei Plätze, drum ist es ein verlorenes Rennen." Zu Scheiber sagte er: "Was willst du machen, wenn du 21/100 hinten bist, da kannst du dir nichts vormachen. Für ihn ist das nicht glücklich, aber eine Motivation für den Super-G."

Bei seiner Fahrt ein Tor abgeräumt hatte Grugger, der ebenfalls gleich seine Fehler aufzählte. "Ich habe alles probiert, ich habe gekämpft, aber ich mache zu viele Fehler. Ich hoffe, dass es in vier Jahren besser ausschaut und in acht Jahren nochmals."