Schild kam, sah und gewann Silber

Schild genießt Silber: "Meine schönste Medaille"

So schön kann sich eine Silbermedaillen-Gewinnerin freuen. Als Marlies Schild am Freitagabend in Whistler die Auszeichnung für den zweiten Platz im olympischen Slalom um den Hals gelegt bekam, strahlte die Salzburgerin wie selten zuvor. Dabei war es bereits das achte Edelmetall gewesen, dass die Skirennläuferin in ihrer Laufbahn errungen hatte.

"Mit der Vorgeschichte ist das sicher die Medaille, die ich am höchsten einstufe. Noch dazu, weil ich es mehr genieße, besser und intensiver wahrnehme. Ich denke, das ist die schönste Medaille, die ich bisher gemacht habe", erzählte die 28-Jährige, die sich mit großer Willenskraft nach der am 9. Oktober 2008 erlittenen Beinverletzung zurückgekämpft hatte.

Ein Weg, der mit Schmerzen und Rückschlägen verbunden war, ein Weg aber auch, der sie reifen ließ. "Ich bin zufriedener geworden. Ich bin wirklich glücklich mit diesem Silber. Ich freue mich wahnsinnig, dass ich eine Medaille mitnehmen darf. Das belohnt das Ganze, was in den vergangenen 20 Monaten passiert ist."

Anders als bei vielen Großereignissen zuvor, als sie mehrere Möglichkeiten auf Edelmetall hatte, war dieses Mal der Slalom die einzige Chance der Gewinnerin von drei kleinen Kristallkugeln für Disziplinwertungen im Weltcup. "Ich habe sie genutzt", sagte Schild, deren Lebensgefährte Benjamin Raich das mit den Worten "super gemacht" würdigte.

"Im Vorfeld habe ich mir schon gedacht, ich fahre zu Olympischen Spielen - mit nur einer Disziplin. Aber vor dem Rennen tut das nichts zur Sache. Sicher, Maria (Riesch/Siegerin) hatte schon eine Goldene, dann ist es ein bisserl leichter, als wenn man nichts hat. Aber ich habe nicht daran gedacht, sondern nur probiert, gut Ski zu fahren."

Olympia war nicht der Antrieb der Saalfeldenerin gewesen, sich noch einmal zurückzukämpfen, sondern ein Gefühl. "Ich habe für mich gespürt, dass es das noch nicht war und ich das so nicht lassen kann. Das war der Hauptgrund." Das Ziel war, noch einmal ganz oben zu stehen. "Das habe ich mit Lienz souverän geschafft und auch noch in Flachau. Olympia war für mich Draufgabe. Ich war ziemlich locker am Start und habe mir gedacht, was passiert, das passiert."

Auch das habe sich in Kanada unterschieden von Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften in der Vergangenheit. "Sonst war immer nur Druck da, Medaillen müssen her. Ich habe das alles jetzt ein bisserl lockerer gesehen. Denn früher habe ich mich oft geärgert, das wollte ich nun besser machen. Und ich habe es besser gemacht. Ich bin mit Spaß am Start gestanden. Natürlich war eine Anspannung da. Aber früher war es eine Anspannung, von der mir eher schlecht geworden ist. Jetzt war es eine Anspannung, von der ich noch mehr Kraft bekommen habe."

Schild hat ihre Comeback-Saison mit einem 32 Zentimeter langen Nagel im linken Unterschenkel bestritten. Irgendwann müsse der raus, sagte sie, aber das sei ein ziemlicher Eingriff. "Ich werde die Saison fertigfahren und dann mit den Ärzten besprechen, was wir tun."

Offen ließ die Gewinnerin von 22 Weltcupbewerben auch, ob sie jemals wieder mehr als Slalom fahren wird. "Ich habe ein bisserl Riesentorlauf trainiert, es hat Spaß gemacht. Aber ob es zum Rennfahren reicht, weiß ich nicht. Und wenn ich Rennen fahre, dann will ich vorne mitfahren."