Mayer bereit für 'schönste Abfahrt der Welt'

Lauberhorn-Rennen

Mayer bereit für 'schönste Abfahrt der Welt'

Lauberhornrennen für Kärntner Matthias Mayer schönste Abfahrt im Kalender.

Die Abfahrts-Klassiker auf dem Lauberhorn in Wengen und dem Hahnenkamm in Kitzbühel haben Doppelolympiasieger Matthias Mayer schon als Kind fasziniert. Und waren ein Grund, warum er Skirennläufer werden wollte. Wenn er nicht selbst gerade die Brettln angeschnallt hatte und gegen die Uhr fuhr, fieberte er vor dem Fernseher mit, erzählte der Kärntner am Fuße von Eiger, Mönch und Jungfrau.

Das Eis am Jungfrau-Gletscher glitzerte am Mittwoch vor blauem Himmel im strahlenden Sonnenschein. An sich perfekte Trainingsbedingungen, doch die Lauberhorn-Organisatoren hatten einen Ruhetag für Piste und Sportler angesetzt. Erst am Donnerstag wird die Strecke nochmals getestet, eh am Freitag mit der Kombination das erste von drei Rennen bei der 90. Auflage der Traditionsveranstaltung steigt.

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Mayer hat viel vor am Lauberhorn

Zeit also für Mayer, in Erinnerungen zu schwelgen. "Die zwei Rennen in Wengen und Kitzbühel waren schon als Kind das Highlight für mich, darauf habe ich mich immer gefreut, das habe ich mir im Kalender eingetragen", blickte der 29-Jährige zurück. "Der Hundschopf und das Kernen-S sind mir vor allem im Kopf geblieben. Da hat man immer spektakuläre Bilder gesehen."

Abwägen zwischen Risiko und Vernunft

So manches Rennen wurde schon am Kernen-S (in Mayers Kindheit noch Brüggli-S) gewonnen oder verloren. Eine Stelle, an der sich die Rennfahrer-Geister scheiden. Vergangenes Jahr, erinnerte Mayer, sei er mit zu viel Risiko reingefahren. "Ich bin leicht auf den Schuh gekommen und weggerutscht. Ich brauche nur eineinhalb Meter von meiner Linie verlieren, da geht es sich nicht mehr aus und das Rennen ist vorbei. Das ist sehr bitter." Der Ausfall ist weggesteckt, neue Chance, neues Glück.

Wenn er das Kernen-S beschreiben soll, klingt das so: "Der Weg ist schmal, dreieinhalb Meter breit, voll vereist, das ganze S ist die eisigste Stelle auf der ganzen Strecke. Die Einfahrtsgeschwindigkeit war gestern 110 km. Man fährt gerade auf die Wand hin, man weiß, das ist eine Schikane, die man voll durchbrettern muss. Wenn man sie nicht Vollgas fährt, ist man bei der Ausfahrt nicht schnell und verliert danach sehr viel Zeit. Man muss einfach abwägen zwischen Risiko und doch ein bisschen Vernunft."

Es sei auch nicht jedes Jahr gleich zu fahren. "Letztes Jahr sind es viele ohne Rutscher voll auf Schnitt gefahren. Was nach den heutigen Analysen vom gestrigen Training heuer wahrscheinlich nicht möglich sein wird."

Piste in Wengen perfekt präpariert

Insgesamt präsentiert sich die Piste heuer perfekt präpariert. Die 4.270 m lange Abfahrt bringt die Athleten an ihre körperlichen Grenzen, sie hat im Training am Dienstag aber nicht so müde gemacht wie beispielsweise das Rennen in Bormio. "Umso unruhiger, umso anstrengender ist es, weil du mit den Füßen mehr arbeiten musst, weil es dich immer wieder aus der Position raus haut und du dich zurückkämpfen musst." Aber nur weil die vielen Schläge fehlen, wird es trotzdem nicht einfacher. "Weil es für jeden gleich ist. Du musst sehr viel attackieren, zum Teil riskieren, damit du wirklich schnell bist."

Dritter 2018 und Sechster 2014 waren die besten Ergebnisse von Mayer bisher in der Wengen-Abfahrt. Die besten Teilabschnitte zusammengesetzt hätte er sich der perfekten Fahrt schon stark genähert. "Ich habe sicherlich in jedem Abschnitt schon einmal die Bestzeit gehabt, ob das oben weg ist, im S, über die Minschkante oder Langentrejen. Ich weiß, dass ich überall sehr schnell fahren kann. Wenn ich alles zusammensetzen würde, wäre sich schon eine gute Fahrt ausgegangen."

Wengen sei für ihn die schönste Abfahrt im Weltcup-Jahr, erklärte Mayer, Kitzbühel die forderndste und spektakulärste. "Sie haben einen völlig unterschiedlichen Charakter." Die Definition von schön bitte? "Es geht um langgezogene, geschmeidige Kurven. Wo man mit geschmeidigem Fahren sehr viel Geschwindigkeit mitnehmen kann und das ganze verwalten muss." In Kitzbühel sei man immer am Kämpfen. "Es geht Kurve auf Kurve, meistens sehr unruhig, Sprünge, Traversen. In Wengen sind Passagen drinnen, wo du natürlich immer schauen musst, dass du schnell bist, aber trotzdem kannst du dich mal ein bisschen schlendern lassen. Du brauchst nicht so auf Anschlag sein wie in Kitzbühel."

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