Weltmeister Pranger im Olympia-Slalom zu übermütig

Nach rund 27 Fahrsekunden hat Slalom-Weltmeister Manfred Pranger am Samstag zur Kenntnis nehmen müssen, dass er und Olympia keine Freunde werden. Nach dem Ausfall 2002 im ersten Durchgang und der verlorenen ÖSV-internen Qualifikation gegen Mario Matt 2006, sah der Tiroler auch 2010 in Whistler das Ziel nicht.

"Jetzt war ich zweieinhalb Mal dabei, aber Olympia mag mich nicht, das zipft mich an, das muss ich aber akzeptieren und fertig", meinte der 32-Jährige. Pranger war entgegen den Erwartungen auf weicher Piste sehr schnell unterwegs gewesen, als ihn nach Zwischenbestzeit ein Fahrfehler aus den Rennen warf. Was war genau passiert? "Ich habe mich so gut gefühlt, heute haben mir auf einmal die Verhältnisse voll getaugt. Je weiter ich runtergekommen bin, desto mehr habe ich mir zugetraut und war an der falschen Stelle ein bisserl zu spitz. Ich wollte ihn dann nicht abstechen, habe gemeint, ich habe Höhe genug, wollte beschleunigen, das ist dann leider in die Hose gegangen."

So etwas sei ihm heuer schon öfters passiert, auch auf seinem geliebten Eis, wie in Kitzbühel zum Beispiel. "An der falschen Stelle zu viel riskiert. Immer wenn ich mich so super positiv fühle und gut drauf bin ..." Beim Einfahren habe er gemerkt, dass auf diesen Verhältnissen für ihn was drinnen sei, während der Fahrt spürte er, dass er schnell war, alles sei so spielerisch gegangen, was eigentlich völlig untypisch sei bei diesen Bedingungen. "Und dann bin ich ziemlich schiach abgeflogen auch noch."

Anders als die Teamkollegen - Benjamin Raich war 3., Marcel Hirscher 9. und Reinfried Herbst 12. - fand Pranger den Slalom "super", obwohl der Start um ein paar Tore nach unten gesetzt worden und so das steilste Stück weggefallen war. "Ich war gestern nach den ersten drei Trainingsläufen ziemlich deprimiert, aber im letzten habe ich gemerkt, dass da was geht. Wie letztes Jahr bei der WM. Und heute beim Einfahren hat es auf einmal funktioniert." Wenn dann nicht der "Übermut" gewesen wäre. "Das ist eben heuer mein Problem."

Anders als in den Jahren zuvor spürt Pranger derzeit genau, wenn er gut unterwegs ist. Wie in Adelboden (out), in Kitzbühel (out) oder Schladming (3.). "Und dann mache ich irgendetwas falsch. Nur in Schladming habe ich es geschafft, weil ich meine Sache durchgefahren bin." Der Abflug auf dem Whistler Mountain tat weh, zu dem ohnehin die ganze Saison schon schmerzenden Rücken kommt ein großer blauer Fleck auf dem Becken rechts dazu. "Der andere Schmerz war aber schlimmer", gab der Gschnitzer zu.

Die Enttäuschung schüttelte Pranger jedoch noch auf der Piste ab. "Als ich aufgestanden bin, habe ich an meine Familie gedacht und dass ich zwei gesunde Kinder daheim habe. Es gibt Schlimmeres. Ich habe in Kitzbühel auch gedacht, die Welt geht unter, aber das ist Skifahren, das muss ich lernen." Und so kam Pranger zu der Erkenntnis, dass er eigentlich in den WM-Jahren immer besser unterwegs gewesen sei als in den Olympia-Jahren. "Weiß auch nicht warum. Das ist komisch." 2011 stehen die Welttitelkämpfe in Garmisch-Partenkirchen an - das ist fix.