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Veröffentlicht am 01.08.2019, 14:39 Uhr

Eltern mit Küchenmesser angegriffen

0 Aufrufe Quelle: ORF

Wien (APA) - "Das ist nicht normal. Das ist nicht schönzureden", hat am Donnerstag ein 48-jähriger Mann am Donnerstag am Wiener Landesgericht erklärt, wo er sich wegen versuchten Mordes zu verantworten hatte. Er soll am 6. Februar 2019 in Wien-Landstraße in Tötungsabsicht mit zwei Küchenmessern auf seine Eltern losgegangen sein. "Ich habe nie gedacht, dass ich sie töten will", versicherte der Angeklagte.    

"Ich würde fast alles für meine Eltern tun. Das, was da passiert ist, ist ein Wahnsinn. Das bin nicht ich", hielt der Mann fest. "Er passt überhaupt nicht ins Schema eines Mordangeklagten", meinte seine Verteidigerin Astrid Wagner. Ihr Mandant sei "ein hilfsbereiter, hochanständiger Mensch", der mit seinen Eltern bestens ausgekommen sei und diese monatlich mit 500 Euro unterstützt habe. Die inkriminierte Bluttat "macht ratlos", sagte Wagner. Sie stehe in kausalem Zusammenhang mit unerträglichen Schmerzen im linken Auge, an denen der 48-Jährige seit Jahresbeginn gelitten hätte.    

Die plötzlich auftretenden Schmerzen zwangen den bei einem großen Unternehmen als Computersachbearbeiter Beschäftigten erstmalig in seiner Berufslaufbahn zu einem längeren Krankenstand. Er pilgerte von Augenarzt zu Augenarzt, die ihm weder den Schmerz nehmen noch die Ursache seines Leidens nennen konnten. "Es war, wie wenn mit Nadeln auf die Pupillen gestochen wird", schilderte der Angeklagte einem Schwurgericht (Vorsitz: Thomas Kreuter). Die Ärzte schwadronierten von einem trockenen Auge oder einer Bindehautentzündung und verschrieben ihm wirkungslose Pulver und Tabletten. Selbst in der Notaufnahme eines Spitals fand der Mann keine Hilfe: "Ich konnte nur noch schlafen, wenn ich erschöpft eingenickt bin für ein paar Stunden."    

Am Ende konsultierte der 48-Jährige einen Wahlarzt und erfuhr von diesem, das Auge sei gesund und er habe vermutlich ein neurologisches Problem: "Diese Diagnose war wie ein Schlag ins Gesicht." Er habe "nicht mehr die Kraft gehabt", in eine neurologische Ambulanz zu gehen. In der Nacht sei ihm der Gedanke zu kommen, sich das Leben zu nehmen. Er habe es satt gehabt, "wie ein Zombie umherzuwandeln". Seine Eltern habe er in seine Tötungsfantasien miteinbezogen: "Ich war der Meinung, ohne mich geht es nicht. Der Gedanke war, wenn ich mir was antue, dann ihnen auch."    

Als er am nächsten Tag die Eltern besuchte, reagierten diese besorgt, nachdem er weiterhin über seine Schmerzen geklagt hatte. Sie befürchteten, er könne sich etwas antun und wollten ihn laut Anklage daher am Verlassen der Wohnung hindern. Darauf ging der 48-Jährige in die Küche und nahm zwei Messer an sich. "Sie wollten das Beste für mich. Für mich waren in dem Moment aber beide eine Bedrohung", berichtete der Angeklagte. Er habe sich gedacht, "sie müssen mir den Weg freigeben. Ich wollte sie verletzen, dass sie den Weg freigeben". Der erweiterte Selbstmord dürfte -der Darstellung des Angeklagten zufolge - zu diesem Zeitpunkt kein Thema mehr gewesen sein.    

Dem 73-jährigen Vater fügte der Sohn lebensgefährliche Verletzungen im Brust- und Kopfbereich zu. Ein Stich eröffnete die Lunge, ein weiterer ging durchs Jochbein ins Gehirn. Der Pensionist überlebte nur dank rascher medizinischer Hilfe. Er musste zwei Wochen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden. Die 71 Jahre alte Mutter erlitt Stichwunden am Oberarm, an der Lippe und im Bereich der Augenhöhle. Dennoch gelang es beiden, aus der Wohnung zu flüchten. Am Gang begegneten sie einem Nachbarn, dem die stark Blutenden erklärten, ihr Sohn wäre "durchgedreht". Der Sohn lief zu einer nahe gelegenen Polizeiinspektion, wo sich drei Beamte auf den Weg zum Tatort machten. Dort ließ sich der 48-Jährige widerstandslos festnehmen.    

Den einschreitenden Polizisten erklärte der Mann im Zug der Festnahme, er bereue die Tat nicht. "Das Einzige, was ich bereue, ist, dass ich es nicht geschafft habe, meine Eltern umzubringen", hielten die Beamten in einem Aktenvermerk fest. Der 48-Jährige habe in diesem Zusammenhang einen "lang aufgestauten Hass" gegen die Eltern erwähnt, bekräftigten die Polizisten als Zeugen ihre Wahrnehmungen. Der Angeklagte hatte dafür keine Erklärung. Er könne sich an seine angeblichen Angaben nicht erinnern.

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