Die Netz-Noten der Politiker

Showdown im Internet

Die Netz-Noten der Politiker

 

Der wohl anstrengendste Wahlkampf aller Zeiten geht in die Zielgerade. Wie haben sich die Parteien in den letzten Monaten geschlagen und wer konnte Face­book, Twitter und Co. dazu nutzen, um am Wahltag davon zu profitieren?

Kurz: Türkis gut, aber schwächelt

Profi. Social-Platzhirsch Sebastian Kurz ließ auch in diesem Wahlkampf nichts anbrennen. Kurz beim Wandern, Kurz bei Ansprachen, Kurz mit Fans – beinahe jeder Moment dieses Wahlkampfs, in dem der Ex-Kanzler gute Figur machte, wurde verwertet. An der Professionalität der Beiträge kann man kaum mäkeln, doch nach 4 Monaten Dauerwahlkampf wirkt der Auftritt mittlerweile verkrampft. Zu viele Aktionen, zu viele Postings. Hier macht wohl eindeutig die Dosis das Gift, denn die Community ist zusehends von der türkisen Omnipräsenz genervt. Deshalb bekommen die ÖVP und ihr Spitzenkandidat Sebastian Kurz die Note: 2

Rendi-Wagner: Rot ist solider als erwartet

Herzlich. Anfänglich belächelt, fand das Social-Team der SPÖ immer mehr zu seiner Form. Schmusewahlkampf mit Herz statt türkis-blauer Kälte – so positionierte man sich gegen den politischen Konkurrenten. Doch obwohl man es merklich ­geschafft hat, Spitzenkandidatin Rendi-Wagner als sympathische, urbane Politikerin zu inszenieren, in den Umfragen tut sich bislang wenig. So wirkt es etwas eigenwillig, dass man sich im Team Rendi für Reichweitensteigerung und Interaktionsrekorde selbst abfeiert. Denn die Kosten dafür waren enorm, der Output bisher aber recht spärlich. Dafür gibt es eine gute, jedoch aber trotzdem nur eine 3+

Hofer & Kickl: Skurrile blaue Doppelspitze

Good & Bad. Herbert Kickl und Norbert Hofer traten als Doppelspitze in diesem Wahlkampf an, doch ähnlich wie beim seltsamen Fall von Dr. Jekyll & Mr. Hyde weiß man bis heute nicht so recht, welche Seite den (innerparteilichen) Ton angibt. Während „Good Cop“ Hofer versuchte, staatsmännisch aufzutreten, buhlte „Bad Cop“ Kickl mit derben Sagern um die Kernwählerschaft. Ansonsten lässt sich der Wahlkampf der FPÖ mit zwei Sätzen zusammenfassen: Auffallen um jeden Preis und Anbiederung an die Volkspartei. Highlight stellt hier der Wahl-Spot mit Kurz und Hofer bei der Paartherapie dar. Mit dieser Leistung schaffen sie mit Ach und Krach eine 3–

 

Kogler: Grüner Zwerg mit gutem Finish

Markant. Bei den Grünen muss man deutlich kleinere Brötchen backen. Die Parteikassen sind für einen ­flächendeckenden Social-Wahlkampf offenbar nicht gut genug gefüllt gewesen. Dennoch sorgten vor allem die Sujets der zweiten Plakatserie für Aufsehen. Starke Slogans, markante Bilder (inkl. Strache & Gudenus auf Ibiza) und das große Thema Klimawandel spülten die Grünen wieder an die Oberfläche. Die Belohnung dafür sind sowohl ein Aufschwung in den Umfragen als auch eine signifikante Steigerung der Reichweite auf Facebook, Twitter und Instagram. Dennoch hätte man aus 4 Monaten Dauerwahlkampf mehr rausholen können. Unter diesen Voraussetzungen sind die Grünen klar im Mittelfeld und die Note, die sich daraus ergibt, ist somit eine glatte 3

Meinl-Reisinger: Professionell, aber unscheinbar

Beate Meinl-Reisinger holte wohl in diesem Wahlkampf via Social Media am meisten heraus. Unaufgeregt, kreativ und mit ein wenig Augenzwinkern versehen, macht das Social Team der Neos in den vergangenen Wochen einen sehr soliden Job. Einzig die durchschlagende Reichweite konnte nicht erzielt werden und die teilweise gut gestalteten Beiträge gingen im Meer des Wahlkampfgetöses regelrecht unter. Darum bekommt die Partei die Note 2

Lukas Jozseffi

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