Berlusconi: Das Bunga-Bunga-Protokoll

Anklage

Berlusconi: Das Bunga-Bunga-Protokoll

Harem: Sex mit Minderjährigen, 12.000 Euro pro Nacht und keine Security.

Beweise gibt es jetzt wirklich genug im Bunga-Bunga-Prozess gegen Silvio Berlusconi (74). Es wird extrem eng für den italienischen Ministerpräsidenten, dem wegen seiner Sex-Affären am 6. April der Prozess gemacht wird.

27 Seiten Anklageschrift
Denn jetzt ist die komplette Anklageschrift publik geworden: Karima el-Mahroug, eine von Berlusconis Gespielinnen und besser bekannt als Ruby, erzählt da in allen Details, wie die Sex-Partys abgelaufen sind. Ruby war zum damaligen Zeitpunkt erst 17 Jahre alt – ihre Minderjährigkeit ist auch einer der Hauptgründe für den Prozess. Auf 27 Seiten erzählte das Callgirl der Staatsanwaltschaft penibel genau über die Vorlieben des Präsidenten (Original-Passagen siehe unten).

Kommentar des U-Richters: „Berlusconi scheint die Frauen aufgefordert zu haben, untereinander Sex zu haben, während er zuschaute.“ Und die Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen eines völlig neuen Verdachts: Die Sicherheitsvorkehrungen im Hause Berlusconi sollen sehr mangelhaft gewesen sein, die Mädchen konnten ohne jede Kontrolle in die Villa. „Man konnte mit allem hinein, mit Handys und Kameras“, so Ruby.

12.000 Euro pro Nacht
So sollen auch während der sexuellen Begegnungen Fotos von Berlusconi selbst entstanden sein – in der Öffentlichkeit aufgetaucht ist freilich noch keines. Denn Italiens Regierungschef hat die Mädchen fürstlich entlohnt. „Ich erhielt 187.000 Euro in drei Monaten, also mehr als 12.000 Euro für jede Nacht“, sagte Ruby aus.

Falscher Ausweis?
Weil Ruby ihm gestand, noch nicht volljährig zu sein, plante Berlusconi sogar, ihr gültige Ausweise zu besorgen. „Mach dir deshalb keine Sorgen, ich werde mich darum kümmern.“

Berlusconi plant jetzt, mithilfe des Paragrafen „rechtmäßige Verhinderung“ dem Prozess am 6. April zu entgehen.
 

Das Protokoll: Was Ruby sagte

Der erste Abend
„Am ersten Abend in der (Mailänder) Villa San Martina hatte ich Gelegenheit, Noemi Letizia kennenzulernen, die unter dem Spitznamen „Papas Liebling“ bekannt war. Sie sagte scherzend, dass sie „Silvios Liebling“ sei. Von anderen Mädchen wusste ich, dass zwischen Noemi und Berlusconi eine Intimbeziehung mit sexuellem Kontakt bestand.“

Das erste Treffen
„Mein erstes Treffen mit Berlusconi war am 14. Februar. In die Via Settala, wo ich wohne, kam eine Luxuslimousine mit Chauffeur, dahinter eine Polizei-Eskorte. Ich wurde nach Arcore gebracht, in eine Luxus-Villa namens San Martina, in gleichnamiger Straße gelegen, und da wurde mir erst bewusst, dass der Eigentümer Silvio Berlusconi ist.“

 „Bunga Bunga“
„Der Abend begann mit einem dreifarbigen Essen, einem „Tricolore-Essen“, mit weißen, roten und grünen Speisen. Begleitet wurde das Essen von dem Sänger Mariano Apicella, der mir zwei CDs schenkte. Nach dem Essen lud mich Berlusconi zum „Bunga Bunga“ ein. Dabei erklärte er mir, dass der Ausdruck von seinem Freund Gaddafi stamme und es sich um eine Art weiblichen Harem handele. Dabei entkleiden sich die Damen und müssten ihm körperliche Lust bereiten.“

„Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Berlusconi gesagt, dass ich 24 Jahre alt sei: Der Premier sagte mir, dass sich mein Leben komplett ändern würde, wenn ich mit den anderen Mädchen am „Bunga Bunga“ teilnehmen würde. Auch wenn er nicht explizit von sexuellen Handlungen sprach, war klar, dass er mit mir Sex haben wollte. Ich sagte Nein. Er sagte, er habe ein Geschenk für mich: 46.000 Euro in 500-Euro-Scheinen. Er schenkte mir auch eine Uhr mit dem Aufdruck „Wie gut, dass es Silvio gibt“ und mit dem Logo von AC Milan.“

Der Abend
An jenem Abend schlug mir der Premier vor, in seinem Haus zu übernachten. Er werde nichts verlangen. Dann sind wir in das untere Stockwerk gegangen, wo das „Bunga Bunga“ stattfand. Ich war beruhigt, weil ich nicht zu sexuellen Handlungen gezwungen wurde. Beim „Bunga Bunga“ waren alle Mädchen nackt und es gab einen Wettstreit, um sich Berlusconi gegenüber besonders in Szene zu setzen und immer gewagtere Sexualakte anzubieten. Ich war die Einzige, die angezogen war.“

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