Opa wirft sich in Kugelhagel, um andere zu retten

Die Helden des Terror-Anschlags

Opa wirft sich in Kugelhagel, um andere zu retten

Bei dem Mordanschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland hat der mutmaßlich rechtsextremistische Täter auch mehrere Kinder getötet. Das teilte Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag bei einem Besuch in der Stadt Christchurch mit.

Dort kam sie auch mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft zusammen. Vermutet wird, dass es sich bei allen 49 Todesopfern um Muslime handelt. Darunter sind auch Flüchtlinge, die erst vor Kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren.

Die Helden der Tragödie

Einen Tag nach dem grauenhaften Terror-Anschlag werden nun immer mehr Einzelschicksale bekannt, die auch Heldentaten offenbaren. So warf sich Daoud Nabi in die Kugeln des Attentäters, um die Mitglieder seiner Gemeinde, die er so liebte, zu schützen. Seinen Akt der Selbstlosigkeit bezahlte er mit dem Leben. Der Afghane, der in den 80er-Jahren vor dem Krieg in seinem Heimatland nach Neuseeland floh, starb mit 71 Jahren im Kugelhagel. Eigentlich wollte der mehrfache Großvater gemeinsam mit seinem Sohn Omar in die Moschee, allerdings musste er arbeiten. Als er nach der Attacke seinen Vater anrief und dieser nicht abhob, wusste er, dass er tot sei. "Er hat jedem Flüchtling geholfen, war immer der Erste, der sich gemeldet hat", erinnert Omar an seinen Vater.

Aber nicht nur Daoud stach mit seinen Taten aus dieser Tragödie heraus, auch Naeem Rashid. Laut "Dailymail" versuchte er, den Attentäter zu überwältigen und stürzte sich auf ihn. Der Pakistani hatte aber keine Chance. Er wurde mehrfach angeschossen und erlag im Spital seinen Verletzungen.

Auch zwei Dorfpolizisten, die den rechtsextremen Schützen nach knapp einer halben Stunde stoppen konnten, werden gefeiert. Ihr Eingreifen habe weitere Opfer verhindert.

Omar Nabi and Yama Nabi © APA/AFP/TESSA BURROWS
Omar und Yama Nabi trauern um ihren Vater. Er wurde kaltblütig erschossen.

Angreifer wird vielfacher Mord zur Last gelegt

Dem mutmaßlichen Täter, einem 28 Jahre alten Australier, wird vielfacher Mord zur Last gelegt. Er sitzt nun in einem Untersuchungsgefängnis. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben.

Als Reaktion auf den brutalsten Anschlag in der jüngeren Landesgeschichte will Neuseelands Regierung jetzt die Waffengesetze verschärfen. Premierministerin Ardern sprach abermals von einem "terroristischen Akt". Der Verdächtige, der seit mehreren Jahren in Neuseeland lebt, hatte einen Waffenschein. Er war auch Mitglied in einem Schützenverein.

Einen Tag nach der Tat machte sich die Regierungschefin in Christchurch ein Bild von der Lage. Insgesamt 39 Menschen lagen noch mit Schusswunden in verschiedenen Krankenhäusern der neuseeländischen Großstadt. Elf davon befanden sich in Intensivbehandlung. Ardern besuchte auch ein Flüchtlingsheim mit Muslimen. Mit etwa 50.000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit. Der Pazifikstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern war bisher von Terrorismus und Amokläufen weitgehend verschont geblieben.

anschlag.jpg © Screenshot
Dieser 28-Jährige eröffnete aus purem Fremdenhass das Feuer in zwei Moscheen und tötete 49 Menschen.

Attentäter wollte weiter morden

Nach bisherigem Ermittlungsstand drang der Täter zunächst in die Al-Nur-Moschee ein, in der sich mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen um sich und tötete 41 Menschen. Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen. Anschließend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live ins Internet. Das Video davon ist 17 Minuten lang.

Der Premierministerin zufolge wollte der Schütze dann auch noch anderswo morden. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen", sagte Ardern. Nachdem er die zweite Moschee verlassen hatte, sei er aber in seinem Auto von der Polizei gestoppt worden. Dort wurden auch zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff sichergestellt.

Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen. Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges "Manifest" mit rechtsextremen Parolen, das von dem Australier stammen soll. Die Ermittler bestätigten bisher allerdings nicht, dass er tatsächlich der Urheber des Schreibens ist.

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Die Tat streamte der Angreifer auch noch live auf Facebook.

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"Monster der Willenskraft"

Zu dem Gerichtstermin wurde der mutmaßliche Täter in Handschellen und weißer Häftlingskleidung vorgeführt. Dabei zeigte er das "Okay"-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. Nach neuseeländischen Medienberichten äußerte er sich zu den Vorwürfen nicht. Am 5. April soll es den nächsten Gerichtstermin geben.

 Die Zeitung "The Australian" (Samstag) berichtete, dass der ehemalige Fitness-Trainer schon früher merkwürdige Kommentare von sich gegeben habe. In einem Online-Eintrag von 2011 habe er über sich geschrieben: "Ich bin ein Monster der Willenskraft. Ich brauche nur ein Ziel."

Als Konsequenz aus dem Anschlag verschärft Neuseeland das Waffenrecht. "Unsere Waffengesetze werden sich ändern", kündigte Ardern an. In dem Pazifikstaat darf man bisher nach einer Überprüfung durch die Behörden schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Dazu benötigt man einen Waffenschein, muss die Waffen aber nicht alle einzeln anmelden.

Balkanreisen des mutmaßlichen Täters legen ideologische Verbindungen nach Europa nahe. Das Video zeigt auf Waffen des Täters geschriebene Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderem in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien.
 

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