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Erstaunliche Einblicke

Er floh von der Grusel-Farm: Die irritierende Welt von Jan (25)

Er war Teil einer Sekte, verbrachte die letzten neun Jahre mit seiner Familie in Isolation - dennoch surfte er im Netz und war auf Social Media aktiv.

Das Gericht der Provinz Noord-Holland in den Niederlanden hat die Untersuchungshaft über den Wiener Josef B. wegen des Verdachts des Freiheitsentzugs für die Dauer von 14 Tagen verhängt. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstagnachmittag per Twitter mit. Der 58-Jährige wurde am Dienstag in Zusammenhang mit einer isoliert lebenden Familie im Ort Ruinerwold festgenommen.

Rund um den Fall der auf einem Bauernhof jahrelang isolierten Familie gibt es zahlreiche Gerüchte. Nur wenig konnten die Behörden bisher bestätigen. Was geschah in den letzten neun Jahren in der Grusel-Farm und vor allem: Welche Rolle spielte Jan - jener 25-Jährige, dem am Montag die Flucht in eine örtliche Bar gelang und alles auffliegen ließ?

© Facebook

Aktiv auf Social Media

Es scheint besonders wirr zu sein. Immerhin war Jan auf mehreren sozialen Netzwerken unterwegs. Seit Mai dieses Jahres hat er ein Twitter-Profil, seit Juni postet er auf Facebook. Im Juli kam auch noch ein Instagram-Account hinzu.

In seinen Postings zeichnet er von sich selbst aber ein ganz anderes Bild, als den Menschen in der Bar am Montag. Sie sprachen davon, dass Jan komplett verwildert und mit verwirrtem Blick in das Beisl gekommen wäre und um Hilfe gebeten hätte. Im Netz wirkt er aber ganz anders. Er hat zwar lange Haare und einen durchaus fusseligen Bart, scheint aber gepflegt zu sein. Zudem dürfte er viel Ahnung im Bereich Webentwicklung haben. So sitzt er auf einem Foto vor seinem Laptop und schreibt dazu: "Du weißt, dass Arbeit inspirierend ist und echt gut läuft, wenn du Sonntagnacht um 3 Uhr immer noch nicht aufhören kannst." Und es scheint, als ob er sogar einen Beruf gehabt hätte - zumindest schreibt er dies auf Facebook. Dort gibt er am 6. Juni an, dass er Manager eines Online-Holzhandels sei - jenes Unternehmen, das eigentlich dem verdächtigen Josef B. gehört.

© Facebook

Sehr naturverbunden

Und auch sonst gab er sich als weltoffenen und naturverbundenen Menschen. Er teilte Beiträge von Umweltschutzorganisationen, postete Katzen- und Hamburgerbilder. Auf Twitter heißt es in seiner Selbstbeschreibung: "Ich glaube, dass es keinen Unterschied im Potenzial der Menschen gibt, jeder hat gleichermaßen das höchste Potenzial. Alle können vom Höchsten träumen und es erreichen." Ein äußerst seltsamer Satz für einen, von dem behauptet wird, dass er in der Isolation auf das "Ende aller Zeiten" gewartet habe.

Dennoch fiel am Tag seiner Flucht auf, dass Jan, seine fünf Geschwister und der bettlägerige Vater ihre Muttersprache beinahe verlernt haben. Wie es heißt, hätten sie angefangen, eine Fantasiesprache zu sprechen. Als der Wirt sich mit Jan unterhielt, habe der 25-Jährige eine eher kindliche Sprache verwendet.

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Er war auch handwerklich talentiert. So schreibt er, dass er den Dachstuhl renoviert habe.

Geschäfte durchsucht

Der Österreicher und die Familie sollen laut "de Volkskrant" dann in der Ortschaft Hasselt bei Zwolle Nachbarn gewesen sein. Der 25-Jährige habe Hasselt zudem als seinen Geburtsort genannt. Später habe er in Zwartsluis gelebt, jener Ortschaft, wo der Vater bis 2008 einen Spielwaren- und Holzhandel betrieben hat. Das Geschäft und ein weiterer Betrieb wurden am Mittwoch von den niederländischen Behörden durchsucht.

Über den Holzhandel könnte auch der Kontakt zum verdächtigen Österreicher geknüpft worden sein, denn dieser dürfte in der wenige Kilometer entfernten Stadt Meppel eine Firma registriert haben, die auf Holz spezialisiert ist, wie das niederländische Firmenregister nahelegt. Laut "de Volkskrant" verkaufte er in den Niederlanden unter anderem auch Holzspielzeug, Holzspäne und Kleinmöbel auf diversen Märkten. Auch während seiner Zeit in Österreich war der 58-Jährige als Tischler tätig.

© APA/AFP/ANP/WILBERT BIJZITTER

Auf diesem Anwesen lebte die Familie komplett isoliert von der Außenwelt

Familie bei Grundverwaltung registriert

Nach Angaben der Polizei scheint keines der Familienmitglieder in Ruinerwold in Drenthe bei der Grundverwaltung registriert zu sein. Das könnte erklären, warum die Behörden bisher untätig waren. Die Polizei bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der APA, dass die Exekutive auf dem Bauerhof sechs Personen angetroffen hatte. Diese gaben an, dass sie eine Familie seien: ein Vater und sechs seiner Kinder. Der 25-jährige Sohn war zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr auf dem Gelände anwesend. Alter und die Identitäten der sieben Personen waren weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Die Frage, ob sich alle Personen unfreiwillig auf dem Hof aufgehalten haben, war bisher noch ungeklärt, bisher gebe es aber keine derartigen Indizien. Die Mutter der Familie soll bereits 2004 gestorben sein.

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Vater wurde aus der Sekte ausgeschlossen

Rund um den Fall gab es in niederländischen Medien am Donnerstag erneut Hinweise auf eine Mitgliedschaft bei der Vereinigungskirche, die auch unter dem Namen "Moon-Sekte" bekannt ist. "De Telegraaf" berief sich auf Angaben eines Verwandten des 67-jährigen Vaters der Familie, der selbst Mitglied gewesen ist. Doch vor 30 Jahren wurde er aus der Sekte ausgeschlossen, so die Bewegung nach Aussagen des Cousins des Vaters.

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