Erdbeben in Albanien: Mindestens fünfzehn Tote

Schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten

Erdbeben in Albanien: Mindestens fünfzehn Tote

Bei einem Erdbeben in Albanien sind mindestens fünfzehn Menschen gestorben und 600 verletzt.

Tirana. Das wohl schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten in Albanien hat am frühen Dienstagmorgen die Westküste des Balkanstaats erschüttert. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben, wie Regierungssprecher Endri Fuga über Twitter am Vormittag mitteilte. Nach seinen Angaben behandelten die Krankenhäuser mindestens 300 Verletzte, nachdem Häuser eingestürzt und Trümmer herabgefallen waren.

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Sicherheitskräfte begannen mit der Suche nach Menschen, die unter den Trümmern eingestürzter Gebäude vermutet wurden. Ministerpräsident Edi Rama reiste in die am schwersten betroffene Küstenstadt Durres, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Stärke des Bebens 6,3

Das Institut für Geowissenschaften in Tirana und das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam gaben die Stärke des Bebens mit 6,4 an, die US-Erdbebenwarte (USGS) mit 6,4. Das Epizentrum lag nach albanischen Angaben zehn Kilometer nördlich von Durres und 30 Kilometer westlich von Tirana in zehn Kilometer Tiefe im Adriatischen Meer.

Von Anrainern gepostete Videos im Internet zeigten eingestürzte Gebäude in der Küstenstadt Durres. Auf anderen Bildern waren zu Boden gefallene Trümmer und mächtige Risse und Löcher in Hauswänden zu sehen. Menschen seien in Panik auf die Straßen gelaufen. Schäden wurden auch aus der Hauptstadt Tirana gemeldet.

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Das Erdbeben und einige kleinere Nachbeben waren laut örtlichen Medien auch im benachbarten Kosovo, in Nordmazedonien, Montenegro, Serbien, Griechenland und selbst in Süditalien zu spüren.

Bei einer Serie schwächerer Erdbeben in Albanien waren im September mehr als 100 Menschen verletzt und Hunderte Gebäude beschädigt worden. Die Angaben zur Stärke dieser Beben lagen zwischen 4,4 und 5,8. Das Verteidigungsministerium sprach daraufhin vom schwersten Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten. Es war auch in den Nachbarländern Montenegro und Nordmazedonien zu spüren.

Der Mittelmeerraum gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen Europas. Albanien ist dort eines von vielen Küstenländern und hat knapp drei Millionen Einwohner.

Erdbeben auf gesamter Balkanhalbinsel zu spüren

Die Erschütterungen waren Medien- und Augenzeugenberichten zufolge auf der gesamten Balkanhalbinsel zu spüren, unter anderem im bosnischen Sarajevo und in der fast 700 Kilometer entfernten serbischen Stadt Novi Sad. Der Erdbebenexperte Rrapo Ormeni sagte im Fernsehen, ein so starkes Erdbeben habe sich in der Region zuletzt 1926 ereignet. Dem Erdbebenzentrum EMSC zufolge gab es noch mehrere Nachbeben, darunter einesder Stärke 5,3.

Außenministeriun warnt

Auch das Außenministerium warnte vor möglichen Nachbeben. Österreichern in Albanien wird empfohlen, entsprechende Vorsicht an den Tag zu legen, den Behördenanweisungen zu folgen und sich via Medien informiert zu halten. Mitarbeiter von Rotes Kreuz und Caritas sind in Albanien im Hilfseinsatz, beide Organisationen riefen via Aussendung am Dienstag zu Spenden auf. "Wir sind über unser internationales Netzwerk mit den Kollegen in Albanien in Kontakt und haben bereits unsere Hilfe angeboten", sagte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. "Wir können Hilfsgüter liefern und - wenn notwendig - sauberes Trinkwasser produzieren und die Hilfe des albanischen Roten Kreuzes finanziell unterstützen." Das ganze Ausmaß der Katastrophe wird erst in den kommenden Stunden und Tagen klar werden. Dann wird sich zeigen, welche Hilfe aus Österreich angefordert wird.

EU hat Katastrophenschutzverfahren aktiviert

Nach dem Erdbeben der Stärke 6,3 und weiteren Nachbeben in Albanien hat die EU auf albanisches Ersuchen das Katastrophenschutzverfahren aktiviert. Die Europäische Union hat bisher drei Such- und Rettungsteams mobilisiert, die nach Albanien entsandt werden, um die albanischen Behörden bei ihren Such- und Rettungseinsätzen zu unterstützen.

"Die Europäische Union steht Albanien in dieser schwierigen Zeit zur Seite. Such- und Rettungsteams aus Italien, Griechenland und Rumänien sind bereits unterwegs", so Christos Stylianides, Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenmanagement, am Dienstag in Brüssel. Darüber hinaus hätten bisher Ungarn, Deutschland, Kroatien, Frankreich, Estland, Tschechien und die Türkei Unterstützungsangebote gemacht.

Mit dem Copernicus-System werden Satellitenbildern der betroffenen Gebiete erstellt. Das 24-Stunden-Notfall-Koordinierungszentrum der EU steht mit den albanischen Behörden in Kontakt und überwacht die Situation weiterhin. Zusätzliche EU-Mittel sind vorhanden, falls sie benötigt werden.

Die EU wird auch ein Katastrophenschutzteam einsetzen, um die Behörden bei der Einsatzkoordination und der Bewertung des Schäden zu unterstützen.
 

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