Einmarsch in Nordsyrien

Erdogans Verbindungen zum IS

Die türkische Regierung soll weit engere Kontakte zur Terrormiliz haben, als bekannt war. Viele davon rücken die Militäroffensive in ein anderes Licht.

Die Türkei will durch ihren Vormarsch im Nordosten Syriens zunächst eine "Sicherheitszone" von 120 Kilometern Länge einnehmen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Montag aus türkischen Militärkreisen. Diese Zone solle von Tal Abjad bis Ras al-Ain reichen.

Im weiteren Verlauf solle die Zone auf eine Länge von 444 Kilometern ausgedehnt werden. Dabei strebt Ankara an, dass die "Sicherheitszone" rund 30 Kilometer tief in das syrische Staatsgebiet hineinragt.

Die am Donnerstag ausgerufene Waffenruhe soll nach den Angaben des türkischen Militärs am Dienstag 21.00 Uhr MESZ enden. Die Waffenruhe sollte es den Kurden im Norden Syriens ermöglichen, sich vor dem Vormarsch der türkischen Armee zurückzuziehen. Am Sonntag räumten die kurdischen Kämpfer die Grenzstadt Ras al-Ain.

US-Vizepräsident Mike Pence hatte nach langen Verhandlungen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am vergangenen Donnerstag eine Vereinbarung über eine fünftägige Waffenruhe für Nordsyrien verkündet. Das Ausmaß der Pufferzone ist darin nicht klar geregelt.
 

Hunderte IS-Kämpfer wieder frei

Mit der Offensive in Nordsyrien gegen die Kurden löste Erdogan nach dem Abzug der US-Truppen international Empörung aus. Viele kritisierten den Einmarsch als illegal. Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) nannte ihn sogar "völkerrechtswidrig". Die Angst von vielen Experten: Die Terrororganisation "Islamischer Staat" wurde in den letzten Jahren in Syrien so gut wie besiegt. Nur mehr kleinere Städte hatten sie noch eingenommen. Vor allem die Kurden kämpften in Absprache mit dem US-Militär gegen die Terroristen und hielten viele ihrer Kämpfer in kurdischen Gefängnissen gefangen. Wie die "Tagesschau" berichtet, sollen es rund 11.000 IS-Kämpfer vor der türkischen Offensive gewesen sein.

Durch die Luftanschläge der Erdogan-Armee auf kurdisches Gebiet, konnten viele dieser gefangenene IS-Terroristen nun wieder fliehen. Ein erneutes Aufkeimen des IS in Syrien wird befürchtet. Im Zuge der Offensive setzten die Kurden und ihre Verbündeten bereits den Kampf gegen den IS bis auf Weiteres aus. Aber nicht nur das: ein US-Bericht wirft nun Ankara vor der Terrororganisation IS mit den Luftangriffen gezielt helfen zu wollen. Demnach seien die IS-Gefängnisse bewusst bombardiert worden, um den Gefangenen dort die Freiheit zu ermöglichen, so das US-amerikanische Magazin "Foreign Policy". Zudem behauptet das Blatt, dass von der Türkei beauftragte Islamisten weitere IS-Kämpfer befreit hätten.

© Ozan KOSE / AFP / APA

Enge Kontakte zu islamistischen Gruppen

Dass Erdogans Regierung Verbindungen zum IS pflegen soll, ist nicht neu. Bereits im Sommer 2016 wurde dies in einem vertraulichen Schreiben des deutschen Bundesinnenministeriums konstatiert. "Als Resultat der vor allem seit dem Jahr 2011 schrittweise islamisierten Innen- und Außenpolitik Ankaras hat sich die Türkei zur zentralen Aktionsplattform für islamistische Gruppierungen der Region des Nahen und MIttleren Ostens entwickelt", heißt es laut der "ARD" darin.

Erdogans Partei, die AKP, weist dies konsequent zurück. In der Einschätzung des Ministeriums heißt es weiter, dass die palästinensische Hamas, die ägyptische Muslimbruderschaft,  aber auch Gruppen der bewaffneten islamistischen Opposition in Syrien zu solchen oben erwähnten Gruppierungen zählen würden.

Und auch die US-amerikanische Universität Columbia deckte in einer Studie aus dem Jahr 2014 zahlreiche Verbindungen zwischen dem IS und türkischen Offiziellen auf. Darin wird sich nicht nur auf führende Türken-Politiker berufen, sondern auch auf Geheimdienstler. Sie sprechen von Waffenlieferungen der Türkei an den IS, sowie über die Behandlung von verwundeten IS-Schergen in türkischen Spitälern. Zudem soll die Türkei auch Öl vom IS gekauft haben, wie es von russischer Seite heißt.

Islamistische Milizen?

Und auch jetzt soll die Türkei noch Verbindungen zu Islamisten haben. Laut dem türkischen Investigativjournalisten Fehim Tastekin ist die Nationale Befreiungsfronst (NLA), die von Ankara geformt wurde, unterwandert von zahlreichen islamistischen und dschihadistischen Gruppen, die zuvor für den IS oder auch Al-Kaida gekämpft hätten.

 

Video zum Thema: Verbindungen zum IS vermutet
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